Danger Dan: "Antifaschistisches Liedgut verboten" – Musiker geht aufs ZDF los
Kurz vor der 100. Ausgabe von "Die Anstalt" sorgt das ZDF für einen Paukenschlag: Der geplante Auftritt von Danger Dan und Igor Levit wird kurzfristig gestrichen. Der Sender sieht in dem Song "Keine Angst" einen möglichen Gewaltaufruf – die Künstler sprechen dagegen von einem Angriff auf die Kunstfreiheit. Jetzt wächst auch innerhalb des ZDF der Widerstand gegen die Entscheidung.
Von news.de Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- ZDF sagt geplanten Auftritt von Danger Dan und Igor Levit in Jubiläumsausgabe von "Die Anstalt" kurzfristig ab
- Sender begründet Entscheidung damit, dass der Song "Keine Angst" als Gewaltaufruf verstanden werden könne
- Die Künstler sprechen von einem problematischen Eingriff in die Kunstfreiheit
Kurz vor der geplanten Aufzeichnung der 100. Ausgabe von "Die Anstalt" hat das ZDF den Auftritt von Rapper Danger Dan und Starpianist Igor Levit gestrichen. Die beiden Musiker sollten in der Jubiläumssendung, die sich mit politischer Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie befasst, ihren neuen Song "Keine Angst" präsentieren. Der Sender begründet die kurzfristige Absage damit, dass der Liedtext als Gewaltaufruf interpretiert werden könne. Die betroffenen Künstler reagierten mit scharfer Kritik und werfen dem öffentlich-rechtlichen Sender einen "skandalösen" Eingriff in die Kunstfreiheit vor. Auch das Team der Satiresendung selbst geht auf Distanz zur Entscheidung der Senderführung.
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"Kann als Aufruf zur Gewalt verstanden werden!" ZDF streicht Song von Danger Dan aus Sendung
Nach Angaben des ZDF habe eine intensive redaktionelle Prüfung während der Sendungsvorbereitung ergeben, dass der Text des Liedes "Keine Angst" als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne. Ein derartiger Aufruf stehe im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des Senders. Die Geschäftsleitung des ZDF war in die Bewertung eingebunden. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass sich dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht mehr hätte auflösen lassen, erklärte der Sender. Eine anschließend geplante Diskussion über den Song hätte demnach nicht ausgereicht. Stattdessen kündigte das ZDF an, sich "zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten". Den Unmut über die kurzfristige Absage könne man nachvollziehen, dem Management habe man Bedauern ausgedrückt.
Was im Song "Keine Angst" steht
Der in der Nacht veröffentlichte Song ruft im Kern zum Kampf gegen Nazis und Faschisten auf. Der Text liest sich dabei wie eine Anleitung zur Organisation im Verborgenen: Es brauche geheime Kommunikation, rechte Strukturen müssten recherchiert und deren Aktionen dokumentiert werden. Konkret warnt Danger Dan: "Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras. Nie ohne Handschuhe, nie 'nen Fingerabdruck hinterlassen." Über Rechtsextreme singt er: "Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang." Sein Aufruf: "Fangt an zu trainieren. Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren." Gleich zu Beginn fordert der Song "Stress mit der Polizei und den ganz besonders Deutschen" und behauptet, es gebe "zu viele Faschos bei der Polizei". Am Ende sendet der Rapper "liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk". Gemeint sind damit offenbar die 2023 wegen Angriffen auf Rechtsextreme verurteilte Linksextremistin Lina E. und drei Mitstreiter.
"Das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt"
Danger Dan und Igor Levit reagierten mit scharfer Kritik auf die Ausladung. In einem gemeinsamen Instagram-Post bezeichneten sie den Vorgang als "skandalösen" Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit. Das Lied habe dem Sender seit Wochen vorgelegen, auch der hauseigene Justiziar habe grünes Licht gegeben. "Dass wir jetzt aber schon an dem Punkt angekommen sind, an dem eine ZDF-Intendanz autoritär in Sendungen eingreift, antifaschistisches Liedgut verbietet und eine Begründung verweigert, das erschüttert uns", schrieben die Musiker. Eine offizielle schriftliche Begründung hätten sie bislang nicht erhalten.
Die beiden verwiesen auf frühere Konflikte mit dem Sender: Bereits beim Auftritt im "ZDF Magazin Royale" 2021 habe es Ärger gegeben, bei der Opus-Klassik-Preisverleihung sei eine AfD-kritische Passage zensiert worden. Nun kündigten sie an, den Song am Dienstag in Berlin live zu präsentieren.
Gegenüber dem "Spiegel" sagte Danger Dan, er rufe in dem Song niemanden auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. "Dafür muss man nicht in den Untergrund, das geht auch aus der Mitte der Gesellschaft." Er verabscheue Gewalt, betonte er. "Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität." In den vergangenen Jahren hätten sich viele neue Neonazi-Gruppen gebildet. "Der Staat versagt, und an der Zivilgesellschaft bleibt es hängen." Es sei wichtig, sich solchen Leuten in den Weg zu stellen.
"Die Anstalt" geht auf Distanz zur Senderführung
Das Team der Satiresendung stellte sich öffentlich gegen die Entscheidung des eigenen Senders. In einem Statement auf Instagram erklärte "Die Anstalt": "Wir distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF. Wir empfinden die Entscheidung als mutlos – gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder stark zunimmt."
Die Redaktion hätte es als öffentlich-rechtliche Pflicht angesehen, das Lied zu präsentieren und anschließend darüber zu diskutieren. Laut Danger Dan und Igor Levit hatte das Sendungsteam sogar gegen die Ausladung protestiert und die gesamte Sendung umgeschrieben, um den Song einzubinden. In der kommenden Ausgabe am Dienstag um 22.15 Uhr will "Die Anstalt" den Vorfall thematisieren. "Wie es aussieht, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind, seht ihr in der nächsten Folge", kündigte das Team an.
In den sozialen Netzwerken schlägt dem ZDF massive Kritik entgegen. "Unfassbar! Das ZDF muss dringend mehr Haltung für die Meinungs- und Pressefreiheit zeigen", schreibt ein Nutzer. Andere werfen dem Sender "vorauseilenden Gehorsam für die AfD" vor. "Politischem Kabarett absprechen zu wollen, politisch sein zu dürfen, ist Selbstzensur und brandgefährlich", heißt es in einem weiteren Kommentar.
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bua/sfx/news.de/dpa/stg
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