Krise einer Politikerfamilie: ZDF-Doku: Dieser Parteiwechsel spaltet eine Familie

Tränen, Wut, Enttäuschung: Als der Vater die Partei wechselt, erlebt eine traditionsreiche SPD-Familie eine schwere Belastungsprobe. Die Tochter begleitete ihn monatelang mit der Kamera.

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Täglich bestens informiert mit den aktuellen Nachrichten auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / fotogestoeber

Dieser "Parteiverrat" ist eine Katastrophe - besonders für den 93 Jahre alten Vater. Um dem Senior die Entscheidung seines "verlorenen Sohnes" Thomas Geisel zu überbringen, müssen die Enkelinnen eine diplomatische Mission starten.

Als der ehemalige Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel 2024 nach 40 Jahren SPD-Mitgliedschaft zum Bündnis Sahra Wagenknecht wechselt, ist das nicht nur eine kleine politische Sensation, sondern stürzte die Familie Geisel - eine SPD-Dynastie seit Generationen - in eine tiefe Loyalitätskrise.

Geisels Tochter Indira zeigt in dem Dokumentarfilm "Politik ist persönlich", wie der Alleingang ihres heute 62 Jahre alten Vaters die Familie belastet, Tränen fließen, laute Streits ausbrechen, Enttäuschungen sich Bahn brechen - und Geisel trotzdem unbeirrt an seiner BSW-Karriere feilt.

Zu sehen ist der Film jetzt im ZDF-Streaming-Portal sowie am Montag (1. Juni, 23.55 Uhr) als "kleines Fernsehspiel" im regulären TV im ZDF.

Indra Geisel begleitete ihren Vater monatelang aus nächster Nähe mit der Kamera und bietet einen ehrlichen Einblick in eine Politiker-Familie. Der gut 100 Minuten lange Film wird über weite Strecken eine Abrechnung mit ihrem Vater, den sie als "sturen Alleingänger" bezeichnet und dem sie dennoch ihre Loyalität nicht versagen kann.

Ein "Akt der Unanständigkeit"

Am Beispiel Geisels wird auch der Niedergang der traditionsreichen SPD nachgezeichnet - und der nur kurze Höhenflug der neuen Partei BSW, die es 2025 nicht in den Bundestag schaffte.

Damit ist der Film auch eine Erzählung über das Scheitern des einstigen Energiemanagers Geisel, der als Düsseldorfer Stadtoberhaupt 2020 abgewählt wurde und auch den Kampf um den Landesvorsitz des BSW im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen verlor.

"Du bist nicht damit zurechtgekommen, nicht mehr jeden Tag in den Zeitungen zu stehen", urteilt Vater Alfred Geisel, der 16 Jahre lang Landtagspräsident in Baden-Württemberg war, hart über seinen Sohn. Für den Wechsel zum BSW findet er harte Worte: "Für mich war das ein Akt der Unanständigkeit."

Harte Urteile der Familie

Auch die übrigen Familienmitglieder gehen mit Geisel ins Gericht. Seine Freunde und ehemaligen Kollegen wollten keinen Kontakt mehr, "weil er jetzt ein populistischer Russland-Verharmloser ist", sagte Tochter Indira. Einsam sei ihr Vater.

Eine Cousine bezeichnet Geisel wegen seiner beruflichen Vergangenheit als Manager als "Bonzen". "Ich bin relativ wohlhabend", gesteht Geisel beim Urlaub in der Toskana ein. Seine Tochter kommentiert: "Mein Vater ist gerne ein Bürgerlicher. Und er tut auch nicht so, als wäre er einer von den sogenannten kleinen Leuten, deren Anwalt er gern wäre."

Die SPD "madig" gemacht

Für das BSW zog Geisel nach der Europawahl 2024 in das Europaparlament ein. Tochter Indira ist wütend auf ihn, "weil er mir die SPD als letzte politische Konstante madig gemacht hat und zu einer Partei gerannt ist, die ihn eigentlich gar nicht wollte".

Zwar verträgt sich die große Geisel-Familie beim 94. Geburtstag von Oberhaupt Alfred am Ende wieder und spielt zusammen Volleyball. Aber es bleibt ein schaler Beigeschmack. "Wahrscheinlich ist es auch leichter, jemandem zu verzeihen, der nicht gewonnen hat", so Indira Geisel.

Der erste Langfilm der Regisseurin ist ihre Abschlussarbeit an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Er hatte im Mai Premiere beim DOK.fest München (Internationales Dokumentarfilmfestival München).

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