03.02.2021, 16.25 Uhr

Andy Jassy privat: Dieser Sucht kann der neue Amazon-CEO nicht widerstehen

Er tritt wahrlich in große Fußstapfen: Ab Sommer 2021 wird Andy Jassy die Rolle als Amazon-CEO von Jeff Bezos übernehmen. Wer ist der Mann, dem das billionenschwere Unternehmen anvertraut wird?

Der news.de-Nachrichtenüberblick Bild: Istockphoto

Die Geschichte von Jeff Bezos (57) und die seines Unternehmens Amazon ist der Inbegriff des amerikanischen Traums. 1994 als unscheinbares Online-Versandhaus für Bücher gegründet, mauserte es sich zur Fundgrube für so ziemlich jedes Produkt - und während der Corona-Krise zu einem Konzern mit einem Börsenwert von zuletzt rund 1,7 Billionen US-Dollar. Umso überraschender kam die Ankündigung, dass ab Sommer 2021 Bezos als CEO zurücktreten und Platz für einen Mann namens Andy Jassy machen wird. Wer ist der Mann, dem Bezos das wertvollste Unternehmen der Welt anvertraut?

Andy Jassy als Nachfolger von Jeff Bezos: Er ist ein echtes Amazon-Urgestein

Andy Jassy, der im Januar 1968 als Andre R. Jassy in New York geboren wurde, darf sich selbst als Urgestein des Unternehmens Amazon fühlen. Er stieß 1997 direkt nach seinem Studium zu Amazon, wie er im vergangenen Jahr in einem Podcast der Harvard Business School verriet: "Ich schrieb mein letztes, abschließendes Examen an der HBS [Harvard Business School, Anm. d. Red.] am ersten Freitag im Mai 1997. Am Montag darauf fing ich bei Amazon an."

Verständlich, dass er scheidende CEO Jeff Bezos volles Vertrauen in seinen designierten Nachfolger hegt, wie er auch in seiner Ankündigung des Machtwechsels bekräftigt hat: "Andy ist im Unternehmen wohlbekannt und ist schon fast so lange wie ich bei Amazon. Er wird ein herausragender Anführer sein und er genießt meine volle Zuversicht."

Andy Jassy beerbt Jeff Bezos: Cloud-Veteran wird Amazon-Chef

Den ersten bleibenden Eindruck bei Amazon-Gründer Jeff Bezos hinterließ Andy Jassy einer Anekdote zufolge mit einem Kajak-Paddel. Es war 1997, Amazon war eine junge Firma von jungen Leuten, und eine Besprechung endete mit einer Partie "Broomball", eines an Hockey angelehnten Spiels aus Kanada, bei dem man einen Ball mit einer Art Besen führt - oder eben behelfsmäßig mit einem Kajak-Paddel. Der frisch eingestellte Jassy zog im Eifer des Gefechts seinem Chef eins über den Kopf. Die Episode, die Bezos-Biograf Brad Stone herauskramte, schadete der Karriere von Andy Jassy nicht im Geringsten.

Einige Jahre später bekam Andy Jassy ein Angebot, das mit seinem nun bevorstehenden Aufstieg an die Amazon-Spitze besonders bedeutend erscheint. Bezos machte ihn zu seinem ersten offiziellen "Schatten": Ein Mitarbeiter begleitet den Chef auf Schritt und Tritt und nimmt an allen seinen Beratungen teil. Andrew Jassy verbrachte eineinhalb Jahre an Bezos' Seite - und war danach bereit für eine große Aufgabe.

Andy Jassy wurde damit betraut, auf Basis von Amazons hauseigener IT-Infrastruktur einen Dienstleister für externe Kunden aufzubauen. Die Überlegung war, die Ressourcen, die nur in Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft voll ausgelastet sind, rund ums Jahr einzusetzen.

Die Idee war dennoch umstritten. Amazons Geldgeber im Verwaltungsrat befürchteten ein Millionengrab. Andy Jassy war zudem kein Techniker, sondern Absolvent der Harvard Business School. Seine Vision, Speicher und Rechenleistung kostengünstig übers Netz bereitzustellen, ging jedoch auf.

Andy Jassy ist selbst ein Macher

Dass Bezos sein Imperium künftig in guten Händen sieht, dürfte nicht zuletzt mit den Erfolgen zu tun haben, die Andy Jassy als Chef der Cloud-Tochter Amazon Web Services (AWS) vorweisen kann. Das interne Start-up, das IT-Infrastrukturen und Speicherplatz für Entwickler anbietet, wurde von Andrew Jassy gegründet und 2006 gelauncht. Mit Erfolg, inzwischen macht AWS selbst Milliarden-Umsätze. 2020 sind es laut eines umfangreichen Einnahme-Reports von Amazon 45 Milliarden US-Dollar Umsatz bei einem Gewinn von 13,5 Milliarden US-Dollar gewesen.

Dies entspricht zwar nur zehn Prozent des Amazon-Umsatzes - aber satten 60 Prozent des Gewinns. Völlig den Rücken kehren wird Jeff Bezos seinem Unternehmen aber nicht. Ab dem dritten Geschäftsquartal 2021 wird er zum Executive Chairman, also Aufsichtsratschef. Zudem bleibt er der größte Anteilseigner. Um den Titel als reichster Mensch der Welt liefert er sich ein enges Rennen mit Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk (49).

Andy Jassy beichtet süße Sucht - und macht aus seinen politischen Ansichten keinen Hehl

Andy Jassy, der einst bekannte, sich zwölf Dosen Cola Light pro Tag reinzuschütten, hält auch im gespaltenen Amerika seine politischen Ansichten nicht zurück. So begrüßte er bei Twitter die Gleichstellung sexueller Minderheiten durch das Oberste Gericht der USA und forderte Konsequenzen für den Tod der schwarzen Amerikanerin Breonna Taylor bei einem Polizeieinsatz. Zuletzt wurde er in eine Klage der bei Unterstützern von Donald Trump beliebten Twitter-Alternative Parler hineingezogen, der AWS nach Gewaltaufrufen rund um den Sturm auf das Kapitol den Stecker zog. Kritisiert wurde Jassy dafür, dass Amazon Behörden die Gesichtserkennungssoftware Rekognition liefert - was er verteidigt.

Andy Jassy privat: Ehefrau, Kindern, Häuser und Vermögen des Amazon-Nachfolgers von Jeff Bezos

Neben seiner steilen Karriere bei Amazon hat Andy Jassy noch genug Zeit für ein harmonisches Privatleben. 1997 heiratete Andy Jassy seine Verlobte Elana Rochelle Caplan, die Modedesignerin für die Firma Eddie Bauer war. Die Hochzeit fand in Santa Monica statt. Heute lebt Andy Jassy mit seiner Ehefrau und den zwei Kindern in Seattle - hier erwarb der Nachfolger von Jeff Bezos im Jahr 2009 ein Haus mit rund 930 Quadratmetern Wohnfläche zum Preis von 3,1 Millionen US-Dollar. Außerdem besitzt der Geschäftsmann, dessen Vermögen auf stattliche 377 Millionen US-Dollar (Stand November 2020) geschätzt wird, ein gut 510 Quadratmeter großes Haus in Santa Monica im US-Bundesstaat Kalifornien - in unmittelbarer Nachbarschaft von Jeff Bezos, der in Beverly Hills residiert.

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