Friedrich Merz: Herablassend und befremdlich - CDU-Politikerin rechnet mit Merz ab
Eine CDU-Kreisvorsitzende aus Brandenburg schildert, wie Kanzler Friedrich Merz auf die Hilferufe seiner eigenen Basis mit Spott reagierte - und warum selbst seine glühendsten Anhänger inzwischen ihre Mitgliedsbücher zurückgeben.
Erstellt von Tobias Rüster - Uhr
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- Friedrich Merz: CDU-Basis rechnet mit Kanzler ab - Wahlsiege kaum noch möglich
- Herablassend und spöttisch: Friedrich Merz soll Sorgen der Basis belächelt haben
- Friedrich Merz in der Kritik: Selbst glühende Anhänger zeigen sich enttäuscht
- Abrechnung mit Merz: CDU-Kreisvorsitzende hoffen auf Einsicht des Kanzlers
An der CDU-Basis rumort es gewaltig. Nach der Kreisvorsitzendenkonferenz in Berlin fällt die Bilanz ernüchternd aus: Statt Aufbruchstimmung herrscht tiefe Enttäuschung. Die Parteifunktionäre hatten sich stundenlang mit Kanzler und Parteichef Friedrich Merz ausgetauscht. Merz sieht sich immer wieder mit Kritik konfrontiert - zuletzt musste er eine öffentliche Abfuhr beim EU-Kanada-Gipfel hinnehmen.
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Friedrich Merz: CDU-Politikerin macht Unmut über den Kanzler öffentlich
Désirée Schrade, CDU-Kreisvorsitzende aus Frankfurt (Oder), macht ihrem Unmut nun öffentlich Luft. Im Podcast von Paul Ronzheimer rechnet sie mit der Parteiführung ab. Sie schildert einen Kanzler, der die Sorgen seiner eigenen Leute mit Spott und Herablassung quittiere, eine unzufriedene Basis, aus der zahlreiche Mitglieder austreten, und eine Parteizentrale, die offenbar weit von der Realität vor Ort entfernt sei.
- "Meine Lebenswirklichkeit an der Basis in Frankfurt (Oder) ist eine völlig andere, als sie aus dem Konrad-Adenauer-Haus wiedergegeben wird", sagt Schrade.
Friedrich Merz: CDU-Basis rechnet mit Kanzler ab - Wahlsiege kaum noch möglich
In ihrer Region sei es bei Kommunalwahlen kaum noch möglich, "überhaupt noch einen Stich zu landen", wenn man offen als CDU-Kandidat antrete. Erfolge gebe es nur, wenn Bewerber sich von der Bundespartei distanzierten und auf andere Bündnisse setzten.
Auch die Rede von Generalsekretärin Franziska Hoppermann sei auf "heftigen Widerstand" gestoßen. Die Kreisvorsitzenden hätten klargemacht, dass sie nicht angereist seien, "um Allgemeinplätze zu hören". Schrade suchte nach eigener Darstellung sowohl bei Hoppermann als auch bei Merz das Gespräch. Ihr Eindruck danach:
- "Ich habe jetzt nicht so richtig das Gefühl gehabt, dass die Ernsthaftigkeit der Probleme vor Ort schon gesehen wird."
Herablassend und spöttisch: Friedrich Merz soll Sorgen der Basis belächelt haben
Als Schrade Merz die prekäre Wahlsituation schilderte, habe dieser "wirklich befremdlich" und "fast so ein bisschen spöttisch" reagiert. Der Kanzler habe die Probleme "fast so ein bisschen belächelt" und lediglich erklärt, er erwarte, dass man "voll und ganz für die CDU eintritt". Dass die Basis trotz persönlicher Wertschätzung für die Kandidaten kaum noch für die Partei werben könne, habe er offenbar nicht verstanden.
Auch bei einem Besuch in einem Institut in Frankfurt (Oder) habe Merz die örtliche Parteibasis übergangen. Der Kreisverband sei nicht einmal informiert worden. Als Schrade ihn darauf angesprochen habe, habe er "fast ein bisschen herablassend darauf reagiert":
- "Also Frau Schrade, ich kann hier keine Kreisvorsitzende mit in so ein Institut nehmen."
Dabei habe sie lediglich um einen kurzen Hinweis und vielleicht fünf Minuten Zeit gebeten, um den Parteimitgliedern zu signalisieren: "Ich sehe euch."
Friedrich Merz in der Kritik: Selbst glühende Anhänger zeigen sich enttäuscht
Schrades Erfahrungen seien kein Einzelfall. Bei der Konferenz hätten zahlreiche Kreisvorsitzende von einer regelrechten Austrittswelle berichtet. Der Grund sei fast immer Unzufriedenheit mit der Bundespolitik. Selbst "glühende Merz-Anhänger", die seinetwegen in die CDU eingetreten seien, zeigten sich inzwischen "enttäuscht". Es werde zu viel angekündigt und zu wenig geliefert, die Kommunikation sei schlecht und der Draht zur Basis reiße ab.
Besonders scharf kritisierten die Kreisvorsitzenden die Kehrtwende bei der Schuldenbremse, die sie als "Rolle rückwärts" empfänden. Den ständigen Verweis auf die SPD als Blockiererin hätten sie laut Schrade "mit viel Augenrollen" quittiert. Auch die Darstellung, die Ukraine-Milliarden hätten keine Auswirkungen auf Deutschland, sei auf Widerspruch gestoßen. Schrade nannte sie einen "Taschenspielertrick": Die Menschen sollten nicht "für doof" verkauft werden.
Abrechnung mit Merz: CDU-Kreisvorsitzende hoffen auf Einsicht des Kanzlers
Schrades Fazit nach der stundenlangen Aussprache fiel entsprechend nüchtern aus: "Mein Gefühl, als ich von dort weggefahren bin, war eher so ernüchtert." Zu Beginn der Debatte habe sie den Eindruck gehabt, dass heikle Themen "kleingehalten" werden sollten und wenig Bereitschaft bestehe, das Ausmaß der Probleme anzuerkennen.
Einen kleinen Lichtblick gab es dennoch: Nach knapp drei Stunden Diskussion habe Merz zugesagt, die Sorgen der Basis mitzunehmen. Ob daraus Konsequenzen folgen, bleibt offen. "Es ist wirklich meine tiefe Hoffnung, dass da auch einiges noch ankommt", sagte Schrade im Ronzheimer-Podcast.
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