Donald Trump: Experten suchen Erklärungen – steckt hinter seiner Inszenierung ein Kindheitstrauma?

Donald Trump wütet und kritisiert mit einer Regelmäßigkeit, die längst zur Gewohnheit geworden ist. Experten suchen dafür Erklärungen und blicken in seine Kindheit. Steckt etwa ein Trauma dahinter?

Von news.de Redakteurin - Uhr

Donald Trumps Verhalten beschäftigte bereits viele Historiker und Psychologen. (Foto) Suche
Donald Trumps Verhalten beschäftigte bereits viele Historiker und Psychologen. Bild: picture alliance/dpa/FR159526 AP | Jose Luis Magana
  • Psycholog:innen und Psychoanalytiker:innen suchen Erklärungen für Donald Trumps Verhalten in der Kindheit
  • Der US-Präsident sehnt sich laut Mary Trump nach Liebe
  • Die Rolle des harten Vaters und seiner abwesenden Mutter – Analyse zu möglichen Auswirkungen

Nächtliche Drohungen auf Truth Social, das Schaffen von Feindbildern und bizarre Aussagen, die kaum jemand versteht: Donald Trumps Verhalten wirft seit Jahren Fragen auf. Sein immenses Bedürfnis danach, sich als starker und egozentrisch getriebener Führer zu positionieren, der Kritik nicht zulässt und mit seiner Rhetorik auf Konfrontationskurs geht, beschäftigt nicht nur die Menschen, die ihn regelmäßig in der Öffentlichkeit sehen. Auch Psycholog:innen und Psychoanalytiker:innen beschäftigen sich mit ihm. Sie suchen mögliche Erklärungen dafür in seiner Kindheit.

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Donald Trumps vom strengen Vater zur Härte erzogen?

Der Fokus dieser Betrachtungen beruht auf seinen Eltern. Damit beschäftigen sich Analysen des Psychoanalytikers Jeffrey B. Rubin sowie die Untersuchung "The Abusive and Troubled Childhood of Donald Trump" von Sven Fuchs und Peter W. Petschauer. Eine Person schauten sie sich genauer an – Fred Trump. Donald Trumps Vater wird darin als ein emotional distanzierter, dominanter und strenger Vater beschrieben, der seine Kinder mit harter Hand führte. Der heutige US-Präsident hätte von Kleinauf lernen müssen, Stärke zu zeigen und Schwäche zu vermeiden. In ihrer Arbeit schreiben Rubin sowie Fuchs und Petschauer, dass Fred Trump von seinem Sohn verlangt haben soll, sich wie ein "Gewinner" oder "König" verhalten zu müssen. Diese Erziehung könnte sich vermutlich auf Donald Trump ausgewirkt haben. Welche Auswirkungen dieser Leistungsdruck und die Ansprüche des Vaters haben können, skizzieren die Autoren am Beispiel von Donald Trumps älterem Bruder Freddy. Er soll nicht den Ansprüchen des Vaters genügt haben. Er entwickelte eine Alkoholsucht. Freddy Trump starb mit 42 Jahren.

Mutter in der Psychoanalyse – Mary Trump analysiert den ungeliebten US-Präsidenten

In der freudschen Psychoanalyse nimmt die Mutter einen wesentlichen Platz ein. Im Fall von Donald Trump soll Mary Anne MacLeod Trump aufgrund einer schweren Erkrankung in seiner frühesten Kindheit abwesend gewesen sein. Laut seiner Nichte Mary Trump, einerpromovierten Psychologin, fehlte ihm eine weitere weibliche Bezugsperson: seine Großmutter. Damit sei sein Trauma mutmaßlich auch darauf zurückzuführen. Er habe "nie das bekommen [...], was er im Leben am meisten braucht und will, nämlich geliebt zu werden", sagte Mary Trump einmal zu ihren Follower:innen auf der Plattform X.

Steckt hinter Trumps Verhalten ein Verdrängungsmechanismus?

Möglicherweise lässt sich Donald Trumps späteres impulsives Verhalten durch die sogenannte Affect Displacement Theory, die Michael Milburn und Sheree Conrad in ihrem Buch "Raised to Rage" erläutern, erklären. Diese Theorie beschreibt, vereinfacht gesagt, einen Verdrängungsprozess, indem unerwünschte Gefühle wie Angst von der Bedrohung weg, hin zu einem weniger wirkenden umgelenkt werden. Donald Trumps strenge, durch Leistung geprägte Kindheit könnte laut den Autoren einen Zusammenhang für sein heutiges Verhalten darstellen. Arroganz und übermäßiges Selbstbewusstsein könnten in diesem psychoanalytischen Modell unter anderem als Reaktionen auf Unsicherheit interpretiert werden. 

Wenn wir weitergehen, könnte auch Donald Trumps Zeit an der New York Military Academy Spuren bei ihm hinterlassen haben. Der harte Erziehungsstil wurde mutmaßlich durch Züchtigung fortgesetzt. Aus psychoanalytischer Sicht lässt sich eine mögliche Anpassung an ein solches Umfeld mit dem Konzept der Identifikation mit dem Aggressor erklären. Um mit den eigenen Gefühlen der Ohnmacht umzugehen, übernimmt ein Kind die Verhaltensweisen einer mächtigen Autoritätsperson. 

Trumps Selbstinszenierung als Schutz?

Diese und andere Kindheitserfahrungen können mit seinem heutigen Verhalten zusammenhängen. So sieht Rubin unter anderem Trumps Selbstinszenierung, die er auf Erfolg ausrichtet, als Schutzmechanismus, nicht entlarvt zu werden. Denn der Republikaner könnte Angst haben, schwach wirken zu können. Die Therapeutin Emily Green beschäftigte sich in "Psychology Today" mit Trumps möglichem Kindheitstrauma. Sie sprach über ihre Arbeit mit ihren Klient:innen. In ihrem Beitrag geht sie vor allem darauf ein, wie Menschen mit eigenen Erfahrungen von Missbrauch oder Vernachlässigung bestimmte Verhaltensmuster wahrnehmen können.

Erlitt Trump ein Kindheitstrauma?

Ob Donald Trump wirklich bis heute unter seinem Kindheitstrauma leidet, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es liegt kein öffentlicher psychologischer oder medizinischer Bericht vor, der bescheinigt, dass sein späteres Verhalten auf ein Trauma zurückzuführen ist. Die verwendeten Arbeiten verstehen sich eher als Analysen, die biografische Ereignisse mit Beobachtungen verknüpfen. Das wiederum entspricht keiner Diagnose. Denn: Zwischen einer belastenden Kindheit und einem von Mediziner:innen oder Psycholog:innen festgestellten Trauma gibt es einen deutlichen Unterschied. Vielmehr können die Analysen helfen, den als aufbrausenden US-Präsidenten zu verstehen. 

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