Right Livelihood Award: Das sind die Alternativen Nobelpreisträger 2026
Von Afrika bis Amerika: Den Alternativen Nobelpreis bekommen in diesem Jahr Menschen und Organisationen auf vier Kontinenten, die sich für gerechtere Machtstrukturen und Menschenrechte einsetzen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Sie engagieren sich für eine faire Entwicklung von KI, gegen ethnische Hetze in Pakistan und für die Interessen von Kleinbäuerinnen im südlichen Afrika: Die diesjährigen Alternativen Nobelpreisträger - zwei Frauen und zwei von Frauen geführte Organisationen - wollen Machtstrukturen aufbrechen und gemeinsam Menschenrechte stärken. Das sind die Preisträger 2026:
Jalila Haider, Pakistan
Die 1984 geborene Jalila Haider war nach Angaben der Right Livelihood Stiftung die erste Frau im Anwaltsberuf überhaupt aus ihrer Hazara-Gemeinschaft, einer schiitisch-muslimischen Minderheit in Pakistan. Sie setzt sich für den Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen in ihrer Heimat "gegen staatliche Unterdrückung, patriarchalische Normen und ethnische Gewalt" ein.
Bis heute hat ihre 2011 gegründete Kanzlei mehr als 7.000 Fälle angenommen - laut Right-Livelihood-Stiftung häufig solche, "die andere als zu gefährlich oder unrentabel ansahen". Ihre Kanzlei habe unter anderem dazu beigetragen, die Bewegungsfreiheit von mehr als 600 politischen Aktivisten und Menschenrechtskämpfern wiederherzustellen.
Um gegen die gezielten Tötungen von Hazara zu protestieren, trat sie 2018 in einen siebentägigen Hungerstreik. Die Aktion "zwang den Chef der Streitkräfte dazu, direkt mit den Hazara-Frauen zu verhandeln", was laut Right-Livelihood-Stiftung zu einem anhaltenden Rückgang der Angriffe auf die Gemeinschaft führte.
Haider organisierte den Angaben zufolge als Gründungsmitglied der Women's Democratic Front den ersten Frauenmarsch in der Region Baluchistan mit, und ihre Organisation "We the Humans" unterstützt Hunderte Witwen von Opfern terroristischer Anschläge dabei, wirtschaftlich unabhängig zu werden. Von ihrer Arbeit lässt sie sich laut Right-Livelihood-Stiftung auch durch Inhaftierungen, Cyber-Belästigung und Morddrohungen nicht stoppen.
Rural Women's Assembly, südliches Afrika
Mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen gehören dem Rural Women's Assembly in elf Ländern des südlichen Afrikas an - einer selbstorganisierten Bewegung, die sich gegründet hat, "um Land, Saatgut und körperliche Selbstbestimmung gegen die Interessen der Agrarkonzerne und patriarchalische Enteignung zu verteidigen". Die Frauen unterstützen sich über Ländergrenzen hinweg gegenseitig und setzen sich mit einer Stimme zum Beispiel gegen häusliche Gewalt und für eine gleichberechtigte Vergabe von Land an Frauen ein.
Das Netzwerk praktiziert "feministische Agrarökologie". Statt großer Agrarkonzerne wollen die Frauen selbst die Kontrolle über die Ernährungssysteme der Region behalten. Dafür haben sie nach Angaben der Right-Livelihood-Stiftung etwa Hunderte indigener Saatgutsorten dokumentiert und Standorte zum Tausch und Verkauf von Saatgut eingerichtet. "Ziel ist ein Ernährungssystem, das auf allen Ebenen auf Gleichberechtigung und Gerechtigkeit beruht."
Einmal im Jahr organisiert das Netzwerk einen einwöchigen Kurs, der dabei helfen soll, ein feministisches Bewusstsein und eine gemeinsame Identität über Ländergrenzen zu entwickeln. An einer agrarökologischen Schule können die Mitglieder Strategien kennenlernen, mit denen sie etwa Produktionskosten senken können, indem sie synthetische durch natürliche Dünger ersetzen.
Georgian Young Lawyers' Association, Georgien
Die Georgian Young Lawyers' Association (GYLA) ist nach Angaben der Right-Livelihood-Stiftung eine der wichtigsten Stimmen für Demokratie und Menschenrechte in Georgien. Ehrenamtliche Juristinnen und Juristen, die an der Ausarbeitung der ersten Verfassung des Landes nach der Unabhängigkeit mitwirkten, gründeten die Organisation 1994.
Seitdem haben die Mitglieder den Angaben zufolge 1,5 Millionen kostenlose Rechtsberatungen geleistet und sich erfolgreich für die Durchsetzung von Menschenrechten eingesetzt - zum Beispiel für die Rechte von Menschen mit Behinderungen und das Recht auf Bildung für Kinder.
In ihrer Heimat steht die Organisation heute unter großem Druck. Das Land hatte nach den Wahlen 2024 ein "Gesetz zur Transparenz ausländischer Einflussnahme" nach russischem Vorbild verabschiedet. Gleichzeitig geht die Regierung mit zunehmender Härte gegen Proteste der Zivilgesellschaft vor. Die GYLA musste wegen des neuen Gesetzes bis 2026 alle ihrer neun regionalen Büros schließen.
"Mitarbeiter der GYLA wurden bedroht und als Verräter bezeichnet, weil sie Menschenrechtsverletzungen öffentlich angeprangert haben", so die Right-Livelihood-Stiftung. Es erfordere Mut, im Land zu bleiben und die Arbeit trotz der großen Risiken fortzusetzen.
Timnit Gebru, USA
Gebru, 1983 in Äthiopien geboren und eritreischer Herkunft, forscht in den USA zu den Risiken der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. "Ihre Arbeit stellt die Machtkonzentration im Technologiesektor infrage und macht auf die Schäden aufmerksam, die KI-Systeme bereits im Alltag von Menschen verursachen", so die Right-Livelihood-Stiftung. Das gelte besonders für Menschen, die von Diskriminierung und Ausgrenzung betroffen seien.
Gebru ist Mitbegründerin von "Black in AI", einer Gemeinschaft, die sich seit 2017 dafür einsetzt, die Präsenz und Teilhabe von schwarzen Menschen in der KI-Forschung und -Entwicklung zu stärken.
Während sie das Team für KI-Ethik bei Google gemeinsam mit einem Kollegen leitete, machte Gebru in einer wissenschaftlichen Arbeit auf die Risiken großer Sprachmodelle aufmerksam. Nach Angaben der Right-Livelihood-Stiftung sei sie danach entlassen worden. "Ihre Forschung warnte vor verzerrten Datensätzen, ökologischen Kosten und anderen Risiken, die mit immer größeren Sprachmodellen verbunden sind", schreibt die Stiftung.
Gebru mahne aber nicht nur, sondern liefere etwa mit ihrem Forschungsinstitut DAIR (Distributed Artificial Intelligence Research Institute) konstruktive Alternativen. An dem dezentral organisierten Institut arbeiten Forscher und andere Experten aus verschiedenen Ländern unter anderem daran, sichtbar zu machen, dass sich die technologische Zukunft gemeinsam gestalten lässt und die Macht darüber nicht bei wenigen großen Tech-Konzernen verbleiben muss.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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