Ulrich Siegmund: ZDF-Moderator führt AfD-Mann vor – Siegmund verliert die Fassung

Zwei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im ZDF-Morgenmagazin so in die Enge getrieben, dass er laut wird, sich verhaspelt und rot anläuft – ausgerechnet der Mann, der sich in sozialen Medien als souveräner Journalistenschreck inszeniert.

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Siegmund wird im ZDF-Morgenmagazin von Moderator Wunn zwei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in die Enge getrieben – er wird laut, stammelt und errötet. (Foto) Suche
Siegmund wird im ZDF-Morgenmagazin von Moderator Wunn zwei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in die Enge getrieben – er wird laut, stammelt und errötet. Bild: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert
  • Ulrich Siegmund unter Druck: Im ZDF gerät der AfD-Mann ins Straucheln
  • Heftiger Schlagabtausch: Wunn konfrontiert ihn mit AfD-Positionen
  • Wenig konkrete Antworten: Auch beim Thema Wirtschaft gerät Siegmund in Erklärungsnot

Normalerweise hat AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund die Situation fest im Griff: Auf Journalistenfragen reagiert er mit Gegenfragen, weicht geschickt aus – und das Ganze vor jubelnden Anhängern. Dutzende solcher Clips kursieren in den sozialen Medien. Doch am Freitagmorgen, nur 48 Stunden vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, lief es anders.

Ulrich Siegmund verliert die Kontrolle: ZDF-Moderator bringt AfD-Mann ins Straucheln

Im ZDF-Morgenmagazin nahm ihn Moderator Andreas Wunn derart in die Mangel, dass der sonst so souveräne Kandidat sichtlich ins Straucheln geriet. Siegmund wurde laut, verhaspelte sich und lief zeitweise sogar rot an, wie "Bild" berichtet.

Besonders brisant wurde es bei den Themen ausländische Ärzte, fehlende Wirtschaftskonzepte und die umstrittene Wortwahl des AfD-Landesvorsitzenden Martin Reichardt. Siegmunds gewohnte Strategie, Reportern die Gesprächsführung zu entreißen, funktionierte diesmal schlicht nicht.

"Antworten Sie auf die Frage!" Andreas Wunn nimmt AfD-Spitzenkandidat in die Mangel

Den heftigsten Schlagabtausch lieferten sich beide beim Thema ausländische Mediziner. Wunn zitierte aus dem AfD-Wahlprogramm, wonach Ärzte aus dem Ausland wegen sprachlicher und kultureller Hürden "kaum geeignet" seien, Patienten angemessen zu versorgen – und konfrontierte Siegmund mit der Tatsache, dass über ein Viertel der Ärzteschaft in Sachsen-Anhalt einen ausländischen Pass besitzt.

Statt zu antworten, verwies Siegmund auf den Magdeburg-Attentäter Taleb A., der als Arzt aus Saudi-Arabien gekommen war. Wunn unterbrach scharf: "Antworten Sie auf die Frage!" Siegmund konterte gereizt: "Wie ich auf die Frage antworte, müssen Sie mir selbst überlassen."

Der Moderator hielt mit harten Fakten dagegen: Seit 2015 existierten strenge Fachsprachprüfungen, an denen ein Drittel der Kandidaten scheitere. Zudem habe eine Nachfrage bei der Ärztekammer ergeben, dass Beschwerden über ausländische Mediziner die absolute Ausnahme darstellten. Siegmund hatte dem kaum etwas entgegenzusetzen.

Kein konkretes Wirtschaftsprogramm? Siegmund gerät erneut unter Druck

Auch beim Thema Wirtschaft geriet Siegmund unter Druck. Wunn hielt ihm vor, dass sein 100-Tage-Programm keinerlei konkrete Maßnahmen für die Wirtschaft enthalte – obwohl dies das drängendste Thema im Land sei. Siegmund wies das zurück: "Dann müssen wir zusammen nochmal reinschauen." Statt konkreter Vorschläge sprach er vage von ideologiefreier Wirtschaftspolitik, Mittelstandsfreiheit und Insolvenzen. Als einzige Sofortmaßnahme nannte er die Abschaffung einer Abteilung für Geschlechtergerechtigkeit im Wirtschaftsministerium.

Siegmund verteidigt umstrittene Aussage von AfD-Landeschef Reichardt

Nicht weniger heikel: Wunn konfrontierte ihn mit einem Ausspruch von AfD-Landeschef Martin Reichardt, der den deutschen Staat als "nach Dope stinkenden faulen Asi" bezeichnet hatte. Siegmund verteidigte Reichardt als "wunderbar" – der habe lediglich humorvoll die Zustände beschrieben. Auf Wunns Nachfrage, ob solche Rhetorik die Gesellschaft zusammenbringe, antwortete Siegmund ausweichend, das hänge "vom Format" ab.

Ulrich Siegmund widerspricht sich selbst –Andreas Wunn zieht ein vernichtendes Fazit

Zum Abschluss des Interviews zog Wunn ein vernichtendes Fazit: "Sie haben sich hier selbst mehrfach widersprochen." Siegmund quittierte das zwar mit einem Lachen – doch seine übliche Taktik, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk frontal anzugreifen, verfing an diesem Morgen nicht.

Für den AfD-Spitzenkandidaten, der sich in sozialen Medien sonst als schlagfertiger Gegenspieler der Presse inszeniert, war der Auftritt ein ungewohntes Bild. Statt souveräner Konter lieferte er Ausweichmanöver, statt klarer Positionen vage Andeutungen. Die Strategie, Journalisten vor laufender Kamera auflaufen zu lassen, funktionierte ohne johlendes Publikum im Rücken offenkundig deutlich schlechter.

Am Sonntag wird sich zeigen, ob der Auftritt Spuren bei den Wählern hinterlässt.

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