Markus Lanz: CDU-Frau nennt AfD-Brandmauer im ZDF-Talk "bekloppt"

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zerlegt sich die CDU selbst: Während CDA-Chef Radtke bei Illner warnt, eine Kooperation mit der AfD mache die Partei "kaputt", nennt seine Parteikollegin Schweinsburg bei Lanz die Brandmauer schlicht "bekloppt".

Von news.de-Redakteur - Uhr

Martina Schweinsburg nannte die Brandmauer im ZDF "bekloppt". (Foto) Suche
Martina Schweinsburg nannte die Brandmauer im ZDF "bekloppt". Bild: picture alliance/dpa | Bodo Schackow
  • CDU gespalten bei Frage nach der AfD-Brandmauer
  • CDU-Abgeordneter tobt wegen möglicher AfD-Zusammenarbeit
  • AfD-Brandmauer? "Bekloppt", findet CDU-Politikerin Schweinsburg

Zwei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt scheint es in der CDU einen offenen Richtungsstreit über den Umgang mit der AfD zu geben - ausgetragen zur besten Sendezeit. Zwei prominente Unionspolitiker lieferten sich in unterschiedlichen Talkshows ein rhetorisches Fernduell, das gegensätzlicher kaum hätte ausfallen können.

Weitere Politik-Artikel finden Sie unter diesem Text.

CDU gespalten bei Frage nach der AfD-Brandmauer

Auf der einen Seite: Dennis Radtke, Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), der bei Maybrit Illner jede Form der Annäherung an die AfD mit fast schon zorniger Entschiedenheit zurückwies. Auf der anderen: Die Thüringer CDU-Politikerin Martina Schweinsburg, die bei Markus Lanz die parteiinterne Abgrenzungsstrategie kurzerhand als "bekloppt" abkanzelte und auf längst gelebte Realitäten in den Landtagen verwies.

CDU-Abgeordneter tobt wegen möglicher AfD-Zusammenarbeit

Der 47-jährige Europaabgeordnete und Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft ließ bei Illner keinen Zweifel an seiner Haltung. "Sie können doch die CDU nicht dazu verpflichten, mit einer Partei zu reden und zu verhandeln, die diametral dem entgegensteht, was christdemokratische DNA ist!", erklärte Radtke sichtlich aufgebracht.

Besonders energisch wehrte er sich gegen die Darstellung, die AfD sei eine Art konservativere Variante der Union. "Die AfD ist von Tag 1 an eine antieuropäische Partei. Sie ist eine prorussische, antiamerikanische und antiwestliche Partei", stellte er klar. Eine Kooperation hätte aus seiner Sicht fatale Konsequenzen: "In dem Moment, in dem wir mit dieser Partei zusammenarbeiten, ist die CDU kaputt!"

Die Konkurrenzpartei hielt Radtke zudem für massiv überschätzt - einen "Scheinriesen", der die öffentliche Debatte zu Unrecht dominiere. Die Brandmauer verteidigte er als notwendiges Schutzinstrument, das verhindern solle, dass politische Brände auf andere übergreifen.

Radtkes unbequeme Wahrheit für die eigene Partei

Trotz seiner kompromisslosen Haltung gegenüber der AfD sparte der CDA-Chef nicht mit Kritik an der eigenen Koalition. Die soziale Lage vieler Menschen sei ein zentraler Treiber in Richtung AfD und die CDU trage daran Mitschuld. Radtke verwies auf drastische Preissteigerungen der vergangenen drei Jahre: Energiekosten seien um mehr als 30 Prozent geklettert, Lebensmittel ebenfalls, und selbst in einer Stadt wie Bochum hätten die Mieten um über 40 Prozent angezogen.

AfD-Brandmauer? "Bekloppt", findet CDU-Politikerin Schweinsburg

Einen völlig anderen Ton in Bezug auf Brandmauern schlug zur gleichen Zeit Martina Schweinsburg bei Markus Lanz an. Die CDU-Politikerin aus Thüringen bezeichnete den Abgrenzungskurs ihrer Partei unverblümt als "bekloppt" und stellte die praktische Umsetzbarkeit des Unvereinbarkeitsbeschlusses grundsätzlich infrage.

Als Beweis verwies sie auf die Verhältnisse im Erfurter Landtag, wo die CDU-geführte Minderheitsregierung unter Mario Voigt längst informell mit der Linkspartei kooperiert, um Gesetze durchzubringen. Auf Lanz' überraschte Nachfrage, ob das bereits eine Zusammenarbeit sei, antwortete sie trocken: "Natürlich! Sonst kriegt man ja keine Mehrheiten zusammen."

Wahlversprechen und Regierungsrealität klafften ihrer Meinung nach ohnehin auseinander. Auch für die Brandmauer fand sie ein plastisches Bild: "Eine Brandmauer bringt überhaupt nichts, wenn der Dachstuhl brennt. Da springt nämlich das Feuer von Haus zu Haus über den Dachstuhl."

Lesen Sie außerdem noch diese Artikel:

/news.de/stg

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.