Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig: Warnung vor Putins Reaktion - Kreml-Chef attackiert Merz
Nach dem vereitelten Drohnen-Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle reagiert Deutschland mit Strafmaßnahmen gegen Russland, während Moskau mit Vergeltung droht. Kreml-Chef Putin spricht von Beweisfälschung und unterstellt Kanzler Merz ein innenpolitisches Ablenkungsmanöver.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- Deutschland hat Russland offiziell für den gescheiterten Drohnen-Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht.
- Wladimir Putin widerspricht Deutschlands Vorwürfen scharf
- Russische Vertreter drohen mit Reaktionen
Die diplomatische Krise zwischen Deutschland und Russland hat nach dem gescheiterten Drohnen-Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Dienstagabend (1. September) machte die Bundesregierung offiziell Moskau für den Vorfall vom 4. August verantwortlich und verkündete umfassende Strafmaßnahmen. Der frühere Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt erwartet, dass der Kreml zügig auf die deutschen Maßnahmen antworten wird. "Ich nehme an, dass die Reaktion der russischen Seite jetzt sehr schnell kommen wird", sagte er im Podcast von "Bild"-Vize Paul Ronzheimer. Er sollte Recht behalten. Kreml-Chef Wladimir Putin reagierte scharf auf die deutschen Vergeltungsmaßnahmen.
Weitere Meldungen über die Entwicklungen im Ukraine-Krieg finden Sie am Ende des Artikels.
Russland steckt hinter Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen – Putin wittert Beweisfälschung und attackiert Merz
Bei einem Presseauftritt im kirgisischen Bischkek bezeichnete Putin das Vorgehen der Bundesregierung als "schweren Fehler" und stellte die Ermittlungsergebnisse grundsätzlich infrage. "Wo sind die Beweise?", fragte er und unterstellte Kanzler Friedrich Merz (CDU) ein innenpolitisches Manöver. "Merz hat das Vertrauen der Bürger verloren, da er die nationalen Interessen Deutschlands nicht schützt", behauptete der Kreml-Chef.
Russland droht Deutschland mit "Folgen"
Auch Russlands Botschafter in Berlin, der zuvor ins Auswärtige Amt zitiert worden war, wies die Beschuldigungen als "absurd" zurück. Er sprach von einer "hastig zusammengezimmerten Provokation" und warnte, die angekündigten Schritte stellten "eine beispiellose Eskalation in den russisch-deutschen Beziehungen" dar, die "nicht ohne Folgen bleiben" werde. Das Moskauer Außenministerium kündigte eine "spiegelbildliche" Vergeltung an, nannte aber zunächst keine konkreten Maßnahmen.
Laut CNN-Korrespondent Fred Pleitgen äußerte sich auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Sie wies Deutschlands Reaktion, das Russische Haus in Berlin zu schließen, als "Vorwand" zurück. Sacharowa warf der Bundesregierung vor, den "Ukraine-Konflikt" angeheizt zu haben. Auf diese "antirussischen Reaktionen" werde Moskau reagieren. Derartige Reaktionen sind für Schmidt nicht ungewöhnlich. Dass die Unterstützung für die völkerrechtswidrig angegriffene Ukraine in Russland als "Teil der Nato-Bedrohung wahrgenommen" wird, verkehren sie. "Das ist die typische russische Propaganda, mit der war zu rechnen", so der frühere Kanzleramtschef.
Schmidt rechnet mit rascher Vergeltung aus Putins Lager
Als wahrscheinlichste Konsequenz sieht Schmidt die Schließung des letzten noch bestehenden deutschen Generalkonsulats in St. Petersburg. Bereits unter der Vorgängerregierung seien vier von fünf russischen Konsulaten in Deutschland geschlossen worden – Moskau habe jeweils mit identischen Gegenmaßnahmen reagiert.
Dass Berlin nicht noch härtere Schritte ergriffen hat, hält Schmidt für kalkuliert. Die Bundesregierung wolle sich "das Pulver sozusagen noch trocken halten", um bei künftigen Vorfällen mit Verletzten oder Todesopfern weitere Eskalationsstufen zur Verfügung zu haben. Zugleich betonte er, Putin werde sich durch den deutschen Strafkatalog nicht von seinem Kurs abbringen lassen.
"Ziel hybrider Kriegsführung" - Deutschland zieht nach Drohnenfund Konsequenzen
Außenminister Johann Wadephul (CDU) stellte am Dienstag ein umfangreiches Maßnahmenpaket vor. Kernpunkte sind die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn sowie die Kündigung des Vertrags für das Russische Haus in Berlin, das im Verdacht steht, als Deckmantel für Spionageaktivitäten zu dienen. Mit beiden Schritten geht die Ausweisung zahlreicher russischer Diplomaten einher. Darüber hinaus werden die Einreisebestimmungen für russische Staatsbürger deutlich verschärft. Auch gegen die sogenannte Schattenflotte, über die Russland seine Ölexporte abwickelt, will Berlin künftig härter vorgehen.
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) ordnete die Lage ein: "Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung." Damit verwies er auf die Mischung aus geheimdienstlichen Operationen, Cyberangriffen, Desinformationskampagnen und wirtschaftlichem Druck, mit der Russland westliche Staaten unter Druck setzt.
Nato und EU beraten über gemeinsame Antwort auf Moskau
Beim heutigen Treffen der EU-Außenminister im irischen Wicklow will Chefdiplomat Wadephul seine Amtskollegen über den Stand der Ermittlungen zum Drohnen-Vorfall unterrichten. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verwies darauf, dass russische Provokationen auch in anderen Mitgliedstaaten zunähmen. Die entscheidende Frage sei, wie man Moskau von weiteren Grenzüberschreitungen abhalten könne. Laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sind zusätzliche Sanktionen gegen Russland denkbar.
Parallel tagt in Brüssel der NATO-Rat auf Botschafterebene, um über die wachsende hybride Bedrohungslage zu diskutieren. Generalsekretär Mark Rutte stellte sich klar hinter Berlin: "Die Beweise sind eindeutig." Die Allianz stehe in voller Solidarität an Deutschlands Seite. Auf eine Aktivierung von Artikel 4 des NATO-Vertrags, der formelle Bündnisberatungen bei einer äußeren Bedrohung vorsieht, verzichtet die Bundesregierung allerdings bewusst.
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bos/ife/news.de/dpa/stg
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