Friedrich Merz: Heftige Proteste bei Wahlkampfauftritt - Kanzler als "Kriegstreiber" beschimpft
Kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern reiste Bundeskanzler Friedrich Merz in den Osten der Republik. Besonders im Ostseebad Kühlungsborn wurde der CDU-Chef jedoch alles andere als herzlich empfangen.
Erstellt von Martin Gottschling - Uhr
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- Proteste gegen Friedrich Merz bei Wahlkampfauftritt in Kühlungsborn (Mecklenburg-Vorpommern)
- Pfiffe, Beschimpfungen und "Rücktritt"-Rufe gegen den Bundeskanzler
- Bundeskanzler warnt gemeinsam mit CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze bei weiterem Termin in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) vor Sieg der AfD bei der Landtagswahl am 6. September
- CDU ist in Sachsen-Anhalt laut aktuellen Umfragen weit abgeschlagen
Im September finden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern statt. Dies nahm Bundeskanzler Friedrich Merz am Montag zum Anlass für seine Wahlkampfpremiere im Osten. Sie fiel für den CDU-Politiker jedoch alles andere als gemütlich aus.
Friedrich Merz bei Wahlkampfauftritt in Kühlungsborn mit Pfiffen und Rücktrittsforderungen konfrontiert
Im Ostseebad Kühlungsborn (Mecklenburg-Vorpommern) empfingen ihn Teile des Publikums auf der Strandpromenade mit Pfiffen, "Rücktritt"-Rufen und Beschimpfungen wie "Kriegstreiber" und "Pinocchio". Andere Anwesende hielten dagegen und mahnten zu Anstand. Ein ursprünglich vorgesehenes Pressestatement vor laufenden Kameras wurde kurzfristig gestrichen – ohne dass das CDU-Team dafür eine Erklärung lieferte. Stattdessen suchte der Kanzler hinter Absperrgittern an einem Wahlkampfstand das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern.
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Zuvor hatte Merz in einem Fischrestaurant ein Fischbrötchen verspeist und es als "exzellent gut" gelobt. Die Harmonie währte allerdings nicht lange: Der Sohn des Wirts, selbst Fischer, konfrontierte den Kanzler mit den Problemen der Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern – von Fangbeschränkungen bis hin zu Kegelrobben, die die Bestände dezimierten.
Vor Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt: Bundeskanzler warnt in Quedlinburg vor Sieg der AfD
Deutlich kontrollierter verlief der anschließende Termin in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt), der Geburtsstadt von CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze. Auf dem Stiftsberg der über tausendjährigen Weltkulturerbe-Stadt sicherten Polizeisperren den gemeinsamen Auftritt von Kanzler und Ministerpräsident ab. Lediglich einige AfD-Anhänger empfingen die Wagenkolonne mit einem Transparent: "Unser Land zuerst!" – Pfiffe blieben diesmal aus.
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Merz nutzte das anschließende Pressestatement für eine deutliche Warnung an die Wählerschaft: "Sachsen-Anhalt darf kein Experimentierfeld für Wutbürger werden." Sollte eine rechtspopulistische Partei die absolute Mehrheit erringen, "dann werden internationale Investoren es sich dreimal überlegen, ob sie noch in Sachsen-Anhalt investieren". Schulze untermauerte das mit konkreten Beispielen: Investoren, die einen dreistelligen Millionenbetrag in einen nahe gelegenen Industriepark stecken wollten, würden den Wahlausgang am 6. September abwarten.
CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze ging zuletzt auf Distanz zu Friedrich Merz
Das Verhältnis zwischen Merz und seinem Spitzenkandidaten ist dabei alles andere als unkompliziert. Der 47-jährige Schulze distanziert sich seit Monaten bewusst von der Berliner Parteizentrale und scheut auch den offenen Konflikt nicht. Im Sommer stellte er sich gemeinsam mit den anderen ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren – ein zentrales Element der schwarz-roten Rentenreform.
Umso bemerkenswerter war der betont freundliche Ton beim Treffen in Quedlinburg. Schulze unterstrich gleich zu Beginn, der Besuch sei "Wunsch der CDU hier vor Ort" gewesen. Nach dem Gespräch gab er sich versöhnlich: "Ich muss nicht immer einer Meinung sein mit jedem, der Verantwortung trägt an anderer Stelle. Aber wir sollten zusehen, dass wir gemeinsam dann Lösungen finden, die sowohl für die Bundesländer als auch den Bund tragbar sind."
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Aktuelle Umfragen: CDU droht heftige Wahlniederlage
Die Ausgangslage für die CDU ist alarmierend: In den aktuellen Umfragen erreicht die AfD Werte um die 40 Prozent, während Schulzes Christdemokraten bei rund 23 Prozent verharren. Merz verwies dennoch auf die Landtagswahl 2021, als die CDU trotz prognostiziertem Kopf-an-Kopf-Rennen am Ende mit 37,1 Prozent klar vor der AfD (20,8 Prozent) lag. "Ich habe die Zuversicht, dass es am Sonntag ein gutes Ergebnis geben wird für Sven Schulze und die CDU", sagte der Kanzler.
Einen klassischen Wahlkampfauftritt von Merz vor großem Publikum wird es in Sachsen-Anhalt allerdings nicht geben. Am Donnerstag steht lediglich eine nicht-öffentliche Werksbesichtigung in Leuna an. Den Tag vor der Wahl verbringt Merz stattdessen in Hannover – bei einer CDU-Veranstaltung zu den niedersächsischen Kommunalwahlen.
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gom/loc/news.de/dpa/stg
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