Donald Trump News: "Wirtschaftskrieg" gegen Iran: Wie weit reicht Trumps Druck?

Knapp ein halbes Jahr nach Beginn des Iran-Kriegs will US-Präsident Donald Trump die iranische Führung mit wirtschaftlichem Druck in die Knie zwingen. Was können Sanktionen noch bewirken?

Erstellt von - Uhr

Donald Trump bei einer Rede. (Foto) Suche
Donald Trump bei einer Rede. Bild: picture alliance/dpa/AP | Matt Rourke

US-Präsident Donald Trump will im festgefahrenen Iran-Krieg die Führung in Teheran mit wirtschaftlichem Druck zum Einlenken bewegen. Die Regierung dort zeigt sich nach Außen jedoch unbeeindruckt. Fragen und Antworten zum angedrohten "Wirtschaftskrieg":

Welche Sanktionen bestehen bereits gegen den Iran?

Gegen den Iran wurden im Laufe der Jahre von den Vereinten Nationen, den USA und der Europäischen Union umfangreiche Sanktionen verhängt. Grund dafür ist einerseits das umstrittene iranische Atomprogramm, andere Sanktionen wurden auch mit Menschenrechtsverletzungen oder der iranischen Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine begründet.

Die Sanktionen zielen auf Irans Einnahmequellen und die zentralen Wirtschaftsbereiche. Sie beschränken vor allem den Export und Handel mit Öl und petrochemischen Erzeugnissen sowie Geschäfte mit Banken. Hinzu kommen Verbote und Auflagen für Waffen, Rüstungsgüter und sensible Technologien. Zahlreiche iranische Politiker und Funktionäre sind zudem mit Einreiseverboten belegt und ihre Vermögen im Ausland eingefroren. Regelmäßig werden neue Unternehmen mit Sanktionen belegt.

Daher sind auch die sogenannten Sekundärsanktionen zentral: So können etwa Banken, die mit iranischen Akteuren Handel treiben, den Zugang zum US-Finanzmarkt verlieren. Für Banken ist das abschreckend, weil in der internationalen Verwebung von Finanzmärkten jede Bank irgendwo den US-Markt berührt und somit bei Verstoß gegen die Sanktionen schwere Einbußen zu verzeichnen wären. Einige Sektoren wie etwa der Handel mit einigen Landwirtschaftsgütern und Medizin sind von den Regelungen ausgenommen.

Was unternimmt der Iran gegen die Sanktionen?

Während die iranische Staatsführung phasenweise auf eine Annäherung an den Westen setzte, baute der Machtapparat parallel ein immer ausgefeilteres System auf, um westliche Sanktionen zu umgehen.

Ein erheblicher Teil der Erdöl-Exporte nach China wird über eine sogenannte Schattenflotte abgewickelt. Dabei verschleiern Tanker ihre Routen, schalten Ortungssignale ab oder nutzen Umladungen auf See. Iranisches Öl wird dabei teils mit anderer Herkunft deklariert. Verkauft wird es vor allem an kleinere, unabhängige chinesische Raffinerien, die sogenannten Teapots, wie aus einer Analyse der Denkfabrik Atlantic Council hervorgeht.

Wie Russland ist auch der Iran vom internationalen Finanzsystem weitgehend abgeschnitten. Kreditkarten wie Visa oder Mastercard funktionieren im Land nicht. Um dennoch Handel und Zahlungen abzuwickeln, hat Teheran ein paralleles Finanznetz aus Wechselstuben, Strohfirmen und Zwischenhändlern aufgebaut, mit wichtigen Knotenpunkten unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Wer treibt Handel mit dem Iran?

Zu den wichtigsten Handelspartnern des Irans zählen China, das Nachbarland Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate. Auch die Türkei spielt bei den Wirtschaftsbeziehungen eine große Rolle.

China galt bislang als Hauptkäufer iranischen Öls. Erst vor einer Woche sicherte die Volksrepublik dem Iran bei einem Treffen der Vize-Außenminister beider Länder in Peking zu, die Beziehung voranzubringen, wie Chinas Außenministerium mitteilte. 2016 hatten beide Länder eine "umfassende strategische Partnerschaft" vereinbart. Die USA werfen China vor, dem Iran beim Umgehen der Sanktionen zu helfen. Der Iran wiederum beliefert China aus US-Sicht mit kostengünstigem Öl.

Das bilaterale Handelsvolumen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und dem Iran beläuft sich jährlich auf Dutzende Milliarden US-Dollar. Die VAE sind für den Iran vor allem eine Finanzdrehscheibe. Über Dubai werden Waren wie Smartphones in den Iran weiterverkauft, zugleich investieren viele Iraner dort in Immobilien und Unternehmen. Die VAE gaben vor einigen Tagen bekannt, dass der Golfstaat alle Handelsbeziehungen und Finanztransaktionen mit dem Iran bis auf weiteres aussetzen wird. Ob die Drohung wahr gemacht wird, ist noch nicht klar.

Zwischen dem Iran und dem Irak beläuft sich das Handelsvolumen jährlich auf rund 10 Milliarden US-Dollar. Gehandelt werden etwa Lebensmittel und Medikamente. Der Irak bezieht auch Gas und Strom aus dem Iran. Allerdings lassen sich die Kosten für die Lieferungen wegen der US-Sanktionen nicht einfach begleichen, sodass sich rund 11 Milliarden US-Dollar aufgestaut haben.

Das Handelsvolumen zwischen der Türkei und dem Iran betrug laut türkischem Statistikamt 2025 rund 5,5 Milliarden US-Dollar, ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Die Türkei exportiert in das Nachbarland Maschinen und Ersatzteile, sowie verschiedene chemische und landwirtschaftliche Erzeugnisse, während der Iran hauptsächlich Gas liefert.

Wie groß sind die Auswirkungen der Sanktionen?

Im Iran treffen die Sanktionen vor allem die einfache Bevölkerung. Eine hohe Inflation, Währungsverfall und Kaufkraftverluste haben insbesondere die Mittelschicht in den letzten Jahren erodieren lassen. Gleichzeitig profitieren Teile des Machtapparats von der Schattenwirtschaft. Dazu gehören auch die Revolutionsgarden und mit ihnen verbundene Unternehmen.

Wie können die USA dennoch wirtschaftlichen Druck ausüben?

Die USA dürften bei ihrem geplanten Vorgehen auch speziell China ins Visier genommen haben; und rund einen Monat vor der geplanten US-Reise von Chinas Staatschef Xi Jinping zu US-Präsident Donald Trump. Sanktionen gegen weitere Raffinieren oder Schritte gegen chinesische Finanzinstitute, die Zahlungen abwickeln und bislang noch nicht Ziel von Sanktionen waren, gelten als möglich.

Peking hatte bereits vor solchen Schritten gewarnt und zur Zurückhaltung gemahnt. China werde die Entwicklungen aufmerksam beobachten und notwendige Maßnahmen ergreifen, sagte Außenamtssprecher Lin Jian am Montag.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

Weitere aktuelle News im Ressort "Politik":

Noch mehr Nachrichten über Donald Trump lesen Sie hier.* Die Psychologie der Macht - warum Trumps Botschaften so stark wirken

/roj/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.