Drohnen-Vorfall an Leipziger Flughafen: Innenminister spricht von "hybrider Bedrohung" - Defekt verhinderte Katastrophe

Nach dem Drohnen-Vorfall am Leipziger Flughafen verdichten sich die Hinweise auf hochprofessionelle Täter. Innenminister Dobrindt spricht von einem "hybriden Anschlagsszenario", das zum Handeln zwingt.

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Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hält den Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle für einen Anschlag, der auf hochprofessionelle Täter zurückgeht. (Foto) Suche
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hält den Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle für einen Anschlag, der auf hochprofessionelle Täter zurückgeht. Bild: Hendrik Schmidt/dpa/dpa
  • Drohnen-Alarm am Leipziger Flughafen legt Flugverkehr lahm
  • Innenminister Dobrindt spricht von "hybridem Anschlagsszenario"
  • Technischer Defekt verhinderte Explosion - waren "fremde Mächte" am Werk?

In der Nacht zum 5. August ist auf dem Flughafen Leipzig/Halle eine mit dem militärischen Sprengstoff Semtex bestückte Drohne entdeckt worden. Das unbemannte Flugobjekt befand sich auf der sogenannten Südpiste – in unmittelbarer Nähe ukrainischer Transportflugzeuge vom Typ Antonow AN-124 Condor. Nur ein technischer Defekt am Zünder verhinderte eine Detonation.

Drohnen-Alarm auf Leipziger Flughafen - Innenminister Dobrindt spricht von "hybridem Anschlagsszenario"

Gegen 23.40 Uhr hatte die Sichtung eines unbekannten Flugobjekts zur sofortigen Einstellung des Flugbetriebs geführt. Mehrere Maschinen, darunter ein Passagierflugzeug, wurden an andere Airports umgeleitet. Sprengstoffexperten der Bundespolizei entschärften die Vorrichtung. Der Nordbereich des Flughafens konnte ab 01.55 Uhr wieder genutzt werden, die Südpiste blieb zunächst gesperrt. Laut "Bild" war die Drohne mit einer selbst gebauten Fernzündung ausgestattet, die jedoch nicht auslöste. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bestätigte bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend: "Der Zünder war abgerissen."

"Kein amateurhaftes Vorgehen" - hatten "fremde Mächte" ihre Finger im Spiel?

Dobrindt (CSU) unterbrach wegen des Vorfalls seinen Sommerurlaub in Italien und reiste umgehend nach Leipzig. Dort traf er sich mit dem sächsischen Innenminister Armin Schuster (CDU) sowie den Spitzen der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern zu einer Lagebesprechung. Bei der anschließenden Pressekonferenz ordnete Dobrindt den Vorfall als "hybrides Anschlagsszenario" ein. Für eine solche Operation seien umfangreiche technische Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit Explosivstoffen erforderlich. Beim verwendeten Semtex handele es sich nach bisheriger Einschätzung um militärischen Sprengstoff. "Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin", betonte der Minister.

Dobrindt schloss auch die Beteiligung "fremder Mächte" nicht aus. Man habe es mit einem Wettbewerb zu tun, bei dem Akteure offenkundig erhebliche Verunsicherung in Deutschland erzeugen wollten. Zugleich mahnte er, in alle Richtungen zu ermitteln – voreilige Spekulationen könnten "grundfalsch sein".

Zweite Drohne trifft DHL-Frachtflugzeug beim Durchstarten

Neben der Sprengstoff-Drohne war offenbar noch ein weiteres unbemanntes Flugobjekt im Einsatz. Wie das sächsische Landeskriminalamt mitteilte, kollidierte es mit einem DHL-Frachtflugzeug, das wegen der Pistensperrung nicht wie vorgesehen landen konnte und durchstarten musste. Nach der sicheren Umleitung nach Hannover stellten Techniker leichte Beschädigungen im Frontbereich der Maschine fest. Nach Informationen der "Bild" handelte es sich bei diesem zweiten Flugobjekt vermutlich um eine Beobachtungsdrohne. Sie soll mit einer Kamera ausgerüstet gewesen sein, um den geplanten Anschlag zu dokumentieren.

Die Drohne mit der Sprengvorrichtung war in der Nacht zum Mittwoch auf der Start- und Landebahn "Südpiste" am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden. (Foto) Suche
Die Drohne mit der Sprengvorrichtung war in der Nacht zum Mittwoch auf der Start- und Landebahn "Südpiste" am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden. Bild: Hendrik Schmidt/dpa/dpa

Die Lage des Flughafens verschärft das Gefahrenpotenzial zusätzlich: In unmittelbarer Nähe befindet sich das World-Cargo-Center, in dem rund um die Uhr Hunderte Beschäftigte arbeiten. Auch die Autobahnen A9 und A14 verlaufen nur etwa einen Kilometer entfernt.

Was hinter dem Begriff "hybride Bedrohung" steckt

Der von Dobrindt verwendete Begriff beschreibt verdeckte Angriffe, die gezielt unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Konflikts bleiben. Ziel solcher Operationen ist es, Verunsicherung zu schüren und das Vertrauen in staatliche Institutionen zu erschüttern. Typische Mittel reichen von Sabotage über Cyberattacken bis hin zu Desinformationskampagnen – die einzelnen Aktionen sind dabei oft schwer einem bestimmten Urheber zuzuordnen.

"Dass eine Drohne bewaffnet mit Sprengstoff sich hier auf einem Flughafengelände befindet, das ist ein neues Bedrohungsszenario", sagte Dobrindt. Die Ermittler prüfen nun sämtliche Spuren ohne Festlegung auf eine bestimmte Richtung. Besonderes Augenmerk liegt auf dem sichergestellten Semtex: Die Experten erhoffen sich durch dessen Analyse Rückschlüsse auf Herkunft und Herstellungsort des Sprengstoffs. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet derartige hybride Aktivitäten im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags.

Flughafenverband warnt: Drohnenabwehr fehlt an sieben Airports

Dobrindt hatte nach dem Vorfall seinen Sommerurlaub unterbrochen, um zu einer Lagebesprechung mit dem sächsischen Innenminister Armin Schuster (CDU) und den Spitzen der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern am Flughafen Halle/Leipzig zu reisen. (Foto) Suche
Dobrindt hatte nach dem Vorfall seinen Sommerurlaub unterbrochen, um zu einer Lagebesprechung mit dem sächsischen Innenminister Armin Schuster (CDU) und den Spitzen der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern am Flughafen Halle/Leipzig zu reisen. Bild: Hendrik Schmidt/dpa/dpa

Dobrindt kündigte an, die Sicherheitsmaßnahmen an kritischer Infrastruktur deutlich auszubauen. Geplant seien unter anderem aktive Drohnenabwehrsysteme sowie eine noch engere Verzahnung der Sicherheitsbehörden. Ähnliche Angriffe könnten auch in Zukunft nicht ausgeschlossen werden, warnte der Minister.

Bereits nach wiederholten Drohnenvorfällen – etwa am Münchner Flughafen im vergangenen Herbst – war bei der Bundespolizei ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum eingerichtet worden. Dieses sei auch im aktuellen Fall aktiv, so Dobrindt. Doch der Flughafenverband ADV sieht weiterhin erhebliche Defizite. Laut ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel warten die sieben großen deutschen Flughäfen Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn nach wie vor auf die vom Innenministerium zugesagten Systeme zur Erkennung und Abwehr von Drohnen.

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