Ukraine-Krieg aktuell: Vormarsch im Schritttempo - Putins Verschleierungstaktik entlarvt
Die Verluste nehmen für Russlands Armee zu. Das ist der blutige Preis, den Moskaus Frühjahrs-Sommeroffensive nach zwei Monaten kostet, ohne dass ein einziger bedeutsamer Durchbruch gelungen wäre. Der Kreml propagiert weiter Erfolgsgeschichten.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- Bilanz zu Russlands Sommeroffensive: Vormarsch vollzieht sich nur langsam
- Die Verluste für Putins Armee erzielen monatlichen Höchstwert
- Kreml verschleiert mit Propaganda die minimalen Fortschritte
Zwei Monate nach dem Start der russischen Frühjahrs-Sommeroffensive 2026 fällt die Bilanz laut dem Institute for the Study of War (ISW) ernüchternd aus: Trotz enormer Anstrengungen und beispielloser Opferzahlen hat Moskaus Armee keinen einzigen operativ bedeutsamen Geländegewinn erzielt. Putins Truppen bewegen sich langsam vorwärts.
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Nüchterne Bilanz im Ukraine-Krieg - Ukraine-Verluste erreichen neuen Rekordwert
Allein im Juli verzeichneten die russischen Streitkräfte nach Angaben des ukrainischen Generalstabs vom 1. August 42.860 Gefallene und Verwundete. Damit erreichen die Verluste einen neuen Monatshöchstwert seit Beginn des Krieges. Seit Februar 2026, als noch 26.090 Verluste registriert wurden, steigen die Zahlen kontinuierlich an. Insgesamt hat das russische Militär seit dem Start von Russlands völkerrechtswidrigen Angriffen 1,4 Millionen Soldaten verloren.
Russlands Sommeroffensive im Schneckentempo
Besonders erschreckend ist das Verhältnis von Verlusten zu erobertem Terrain: Im Durchschnitt fielen 353 russische Soldaten pro Quadratkilometer, in den sie vordrangen oder eindrangen. Bezogen auf tatsächlich gesichertes Gebiet liegt die Zahl sogar bei 1.132 Opfern pro Quadratkilometer. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezifferte die russischen Gesamtverluste seit Februar 2022 am 31. Juli auf fast 700.000 Gefallene und rund 1,6 Millionen Opfer insgesamt. Jeder Quadratmeter Boden wird mit einem enormen Blutzoll bezahlt.
Wladimir Putins Propagandamaschine entlarvt - Kreml kaschiert Erfolgsmeldungen
Dieser blutige Preis steht in keinem Verhältnis zu den minimalen territorialen Zugewinnen. Der Kreml versucht, diese Realität durch aufgeblähte Erfolgsmeldungen und gezielte Informationskriegsführung zu kaschieren. Damit wollen sie das Bild einer siegreichen Armee zeichnen. Sowohl das russische Verteidigungsministerium als auch die staatliche Nachrichtenagentur TASS veröffentlichten am 31. Juli aufgeblähte Angaben über angeblich eingenommene Ortschaften im Juli. Ziel dieser Kampagne ist es laut ISW, die westlichen Partner der Ukraine davon zu überzeugen, ihre Unterstützung einzustellen.
Russische Gruppe belügt offenbar den Kreml über Fortschritte
Besonders auffällig: Die russische Nordgruppe der Streitkräfte und die oberste Militärführung belügen dem ISW zufolge wahrscheinlich sogar den Kreml selbst über vermeintliche Fortschritte in den Oblasten Sumy und Charkiw. Verfügbare Belege vom Schlachtfeld stützen diese Behauptungen nicht. Dieser Frontabschnitt stagniert seit fast zwei Jahren weitgehend. Doch selbst Moskaus großzügigste Darstellung entlarvt das Scheitern: Die beanspruchte Vormarschrate beträgt lediglich 18,49 Quadratkilometer pro Tag – kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit und weit entfernt von dem Tempo, das für die erklärten Kriegsziele nötig wäre.
Selbst Kreml-treue Blogger zweifeln an Erfolgen
Bemerkenswert ist, dass sogar prominente, vom Kreml kooptierte Militärblogger der offiziellen Darstellung zur Lage im Norden der Ukraine widersprechen. Gleichzeitig gehen ukrainische Einheiten in einigen Gebieten der Nordukraine zum Gegenangriff über – ein direkter Widerspruch zur russischen Erzählung von flächendeckenden, ungehinderten Vorstößen. Am 1. August erzielten weder russische noch ukrainische Truppen bestätigte Geländegewinne. In der Borova-Richtung rückten ukrainische Kräfte zuletzt sogar vor.
Die Informationskampagne des Kremls richtet sich laut ISW auch nach innen: Die russische Bevölkerung soll überzeugt werden, dass die enormen Opferzahlen, die wirtschaftliche Belastung, ukrainische Angriffe auf russischem Boden und die Zensurmaßnahmen gerechtfertigt sind.
Rekordbeschuss und Drohnenkrieg über der Ukraine
Parallel zur Bodenoffensive intensivierte Russland im Juli den Luftkrieg massiv. Die russischen Streitkräfte feuerten eine Rekordzahl an Raketen auf ukrainische Ziele ab - mehr als sie monatlich produzieren können. Um Engpässe bei ballistischen Raketen auszugleichen, greifen sie zunehmend auf neue Raketen sowie S-400- und Zirkon-Raketen zurück.
In der Nacht zum 1. August startete Russland 255 Drohnen gegen die Ukraine. Zudem nutzte Moskau die ukrainische Knappheit an Patriot-Abfangraketen aus und führte eine weitere massive Angriffswelle mit ballistischen Raketen und Drohnen durch, die vor allem auf die Oblast Kiew zielte. Russische Einheiten verstärken zudem ihre Attacken auf ukrainische Treibstoff- und Energieinfrastruktur sowie auf zivile Logistikzentren und Lagerhäuser.
Die Ukraine reagiert ihrerseits mit Langstreckenangriffen: Am 31. Juli und 1. August setzten ukrainische Kräfte ihre Schläge gegen russische Öl- und Benzininfrastruktur auf russischem Territorium fort.
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