Ukraine-Krieg aktuell: Russland unter Druck - Politologe warnt vor Gefahr, die Putin überdauern wird
Angriffe auf russische Ölanlagen und weit bis in das Hinterland. Ein Politologe sieht die Entwicklung für die Ukraine positiv. Mit gezielten Angriffen setzen sie Putins Militär unter Druck. Dennoch warnt der Experte vor einer Gefahr, die nach Putin bestehen bleiben könnte.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- Ukraine vollzieht Kehrtwende
- Ukrainisches Militär setzt Russland auf drei Ebenen zu
- Umdenken im Kreml? Experte zeigt, betrachtet die Situation vorsichtig
- Politologe hält Putinismus für Sicherheitsrisiko für Europa
Das Blatt hat sich im Ukraine-Krieg gewendet. Das ukrainische Militär schafft es, Russlands Armee zurückzudrängen, strategische Ziele wie Ölanlagen anzugreifen und Gebietsgewinne zu verhindern. Der Politologe und Sicherheitsexperte Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr in München hat die Kehrtwende bemerkt. Er bewertet die militärische Lage der Ukraine deutlich positiver als noch vor eineinhalb Jahren. Im Gespräch mit dem "Münchner Merkur" erklärte er, die Ukraine befinde sich mittlerweile "in der Vorderhand". "Es sah eine ganze Weile wirklich düster aus, das hat sich gedreht", so Sauer.
Kehrtwende im Ukraine-Krieg setzt Putin unter Druck
Das Land unternehme derzeit etwas "sehr Spannendes" und sei möglicherweise dabei, eine "Antwort auf die Frage, wie man Russland dazu bringt, aufzuhören", zu finden. Entscheidend sei, dass sich die Ukraine – unterstützt durch erhebliche finanzielle Mittel von außerhalb – vor allem durch eigene Innovationskraft geholfen habe. Mit einem selbst entwickelten Arsenal an Waffensystemen setze das Land Russland in "drei Tiefen" unter massiven Druck.
Wie die Ukraine Russland in drei Ebenen zusetzt
An der Frontlinie nutze die ukrainische Armee eine hochwirksame Kombination aus Artillerie und Drohnen, erläuterte Sauer. Dadurch würden nicht nur feindliche Geländegewinne verhindert – inzwischen fielen auch "mehr Russen, als rekrutiert werden können". Das sei "aus einer humanitären Perspektive katastrophal, aber militärisch ist es eine Wahrheit, die gut ist für die Ukraine", so der Experte.
In einer zweiten Ebene jenseits der Artilleriereichweite – ab etwa 100 Kilometern – sei es gelungen, die russische Versorgungslogistik weitgehend zu kappen. Als anschauliches Beispiel nannte Sauer die Krim. Die dritte Dimension bildeten Angriffe tief im russischen Hinterland auf Raffinerien oder Energieinfrastruktur. Infolgedessen beginne es im Gebälk der russischen Wirtschaft spürbar zu knarzen, urteilte der Sicherheitsexperte.
Erste Risse im Kreml? Plötzliches Umdenken in Moskau
Trotz dieser positiven Entwicklungen zeigte sich Sauer äußerst zurückhaltend bei der Frage, ob Russland tatsächlich zum Umdenken gezwungen werden könne. "Ich bin da sehr, sehr vorsichtig", betonte er. Dennoch gebe es erste zaghafte Anzeichen für ein mögliches Umdenken in Moskau bei Oligarchen und in der Bevölkerung. Der Ukraine-Krieg ist längst in Russland sichtbar. Ein baldiges Ende wird sich immer deutlicher gewünscht, wie eine Umfrage aufzeigt. Zudem warnte der Experte vor übertriebenen Erwartungen.
Allerdings spiele die Bevölkerung in einer Diktatur wie Russland kaum eine entscheidende Rolle. Es bleibe lediglich die Hoffnung, dass Putin angesichts steigender Inflation erkenne, dass "hier tatsächlich nichts mehr zu holen ist". Wie lange dieser Prozess dauere und wie ein mögliches Einlenken aussehen könnte, sei "ganz offen", räumte der Experte ein.
Putinismus bleibt nach Ende des Ukraine-Kriegs ein Sicherheitsrisiko
Auch die Zeit nach Putin birgt nach Einschätzung des Experten große Unsicherheit. "Ein Herr Putin wird auch nicht ewig leben. Die Frage, wer danach kommt, ist völlig offen", sagte Sauer. Selbst ausgewiesene Russland-Kenner könnten darauf keine Antwort geben.
Eines stehe jedoch fest: Eine Rückkehr zu den alten Verhältnissen – mit umfangreichen Gasimporten aus Russland und der Illusion einer friedlichen Koexistenz – sei endgültig ausgeschlossen. "Ich finde das extrem bedauerlich", sagte Sauer. Eigentlich wären Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnahmen wünschenswert. Doch genau diese Grundlagen habe der Putinismus zerstört. Dieses ideologische System werde Europa noch auf lange Sicht als Sicherheitsrisiko begleiten.
So hilft sich die Ukraine selbst
Mit Blick auf die westliche Unterstützung plädierte Sauer für konsequente "Hilfe zur Selbsthilfe". Dieser Ansatz sei weitaus wirksamer, als der Ukraine "in homöopathischen Dosen 50 Marschflugkörper in die Hand zu drücken". Die Ukraine hat bereits mit eigenen Drohnen und eigenen Technologien gezeigt, dass sie sich mit eigenen Waffen gegen den Aggressor Russland wappnen können. Das schnelle Umdenken der Ukraine hat dem Land einen entscheidenden Vorteil verschafft. Die moderne Kriegsführung setzt Russland unter Druck.
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