Markus Söder: "Im Schmerz füreinander da" - Söder-Post schürt Hass-Nachrichten

Der bayerische Ministerpräsident, Markus Söder, erinnert im Netz an das Attentat auf das Olympia-Einkaufszentrum in München vor zehn Jahren. Doch seine Worte schüren Hass statt Mitgefühl.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Markus Söder (59) richtet in Gedenken an das Attentat auf das Olympia-Einkaufszentrum vor zehn Jahren mahnende Worte an seine Community. Doch die reagiert zunehmend mit Ablehnung. (Foto) Suche
Markus Söder (59) richtet in Gedenken an das Attentat auf das Olympia-Einkaufszentrum vor zehn Jahren mahnende Worte an seine Community. Doch die reagiert zunehmend mit Ablehnung. Bild: picture alliance/dpa/Sven Hoppe
  • Söder-Post bei Instagram erinnert an Olympia-Attentat vor zehn Jahren
  • Gedenkworte verfehlen ihre Wirkung - Netz reagiert vermehrt mit Kritik
  • Politikverdrossenheit und Rassismus-Debatte dominieren Kommentare bei Social Media
  • Auch Bundeskanzler Friedrich Merz kämpft mit Negativ-Reaktionen

Es war ein grausames Ereignis, welches vor zehn Jahren die bayerische Hauptstadt München erschütterte. Ein 18-jähriger Täter erschoss neun Menschen im Olympia-Einkaufszentrum und sorgte stundenlang für Panik und Angst in der Bevölkerung. Während die Tat zunächst als Amoklauf eingestuft wurde, korrigierte man später das Motiv. Heute geht man von einer als rassistisch und rechtsmotiviert eingestuften Tat aus.

Attentat im Olympia-Einkaufszentrum in München jährt sich zum 10. Mal

Das schreckliche Ereignis jährt sich in diesem Jahr zum zehnten Mal. Ranghohe Politiker:innen erinnerten in einer Gedenkveranstaltung an die zahlreichen Opfer - darunter unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und eben auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. In den sozialen Netzwerken richtete sich Söder anschließend an die Bevölkerung, um an die Schreckenstat zu erinnern und um sich gegen Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus auszusprechen. Doch seine ernsten Worte fallen im Netz keinesfalls auf fruchtbaren Boden.

Markus Söder: "Bayern hält zusammen..."

Söder, der als einer der wenigen Politiker:innen im Netz regelmäßig aktiv ist - und auch schon die ein oder andere Häme einstecken musste, beginnt seinen Gedenkpost mit folgenden Worten: "Bayern hält zusammen: (...)". Man werde die Opfer nicht vergessen und lasse die Angehörigen mit ihrer Trauer nach dem "völlig sinnlosen" Angriff nicht alleine. "Gerade im Schmerz sind wir füreinander da und gehen auf die Sorgen und Nöte der Betroffenen ein", betont der CSU-Politiker noch einmal nachdrücklich. Und er mahnt: "Es ist ganz klar: Rassismus und Antisemitismus haben bei uns keinen Platz!"

Bayerischer Ministerpräsident in der Kritik: Kommentare bei Instagram arten aus

Dass Söders Worte leider nicht jeden im Netz erreichen, zeigen die anschließenden Reaktionen bei Instagram. Hier heißt es in der Kommentarspalte unter anderem:

  • "So viel Verlogenheit und Scheinheiligkeit an einem Ort."
  • "Machen euch ca. 80 Messertaten PRO Tag (laut Polizei) auch betroffen oder sind das die Kollateralschäden, die die Massenmigrationsparteien CDU/CSU billigend in Kauf nehmen?"
  • "Kein Wort von euch zum gewaltsamen Tod von Marius vor ein paar Tagen .Eure Scheinheiligkeit widert mich nur noch an..."
  • "Komisch, der Mord an einem jungen Studenten hat offenbar keinen von Euch betroffen gemacht. Diese Scheinheiligkeit wird langsam unerträglich."
  • "Deutschland schaut lieber nach hinten in die Vergangenheit als nach vorne! Deswegen fährt sich Deutschland komplett vor die Wand!"
  • "Und dennoch verhindert die CSU ein Verbotsverfahren einer gesichert rechtsextremen Partei … Warum?"

Viele der Kommentare zielen zudem darauf ab, dass der Täter ausländischer Herkunft war. Angesichts dieser Kommentare kaum zu leugnen - die Menschen sind unzufrieden. Sie unterstellen der politischen Führung eine gewisse "Doppelmoral" - dass sich Markus Söder offiziell nicht zum jüngsten Mord an einem Studenten in Trier äußerte, stößt ebenfalls sauer auf.

Rassistische Kommentare und ein "unterirdischer" Ton

Allerdings: Auch innerhalb der Community zeigt man sich besorgt angesichts so mancher Reaktionen innerhalb der Kommentarspalte: "Liebe Leute, der Ton hier unten in den Kommentaren ist teils echt unterirdisch", mahnt ein weiterer User, der sich offenbar erschrocken über die derbe Ausdrucksweise im Netz zeigt.

Klar ist jedenfalls: Selbst bei so wichtigen Themen, beim Andenken an schlimme Ereignisse und bei bewegenden Worten von Markus Söder zeigt sich eine zunehmende Politikverdrossenheit, die teilweise sogar ins Radikale abdriftet. Wie sehr die Meinung im Netz die politische Debatte dominieren kann, zeigt sich aktuell auch beim Bundeskanzler Friedrich Merz. Auch er wurde in jüngster Vergangenheit bei Social Media stark angegangen - sogar Anti-Merz-Demonstrationsaufrufe gab es. Später beklagte der Kanzler den Umgangston und die harsche Kritik seiner Person gegenüber, was es jedoch nur noch schlimmer machte. Markus Söder indes gilt als Medienprofi und weiß, wie man sich im Social-Web bewegen muss. Die neu aufkommende Kritik zeigt dennoch eine erschreckende Entwicklung.

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