Ukraine-Krieg aktuell: Putin offenbart Probleme - Moskau holt Benzin aus Indien

In der anhaltenden Benzinkrise greift Russland auf Öl aus Indien zurück. Gleichzeitig hat der Kreml seinen Raffinerien erlaubt, Kraftstoff herzustellen, der seit über einem Jahrzehnt verboten war. 

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Wladimir Putin hielt eine Krisensitzung wegen der anhaltenden Benzinkrise. (Foto) Suche
Wladimir Putin hielt eine Krisensitzung wegen der anhaltenden Benzinkrise. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Gavriil Grigorov
  • Spritkrise in Russland: Putin holt Benzin aus Indien
  • Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien verstärken die Versorgungsknappheit
  • Kremlchef gibt Folgen zu und will reagieren
  • Kreml senkt Qualitätsstandards für Kraftstoff
  • Afrikanische Raffinerien rücken in das Blickfeld

Russland muss nun Benzin aus dem Ausland einführen. Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende für ein Land, das sich traditionell auf seine eigene Raffineriekapazität verlässt. Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien, Treibstofflager und Terminals haben die heimische Produktion derart geschwächt, dass Moskau gezwungen ist, alternative Versorgungswege zu suchen.

Spritkrise in Russland - Kreml verschifft Benzin aus Indien

Laut "Reuters" wurden bereits mindestens 60.000 Tonnen Benzin aus Indien nach Russland verschifft. Weitere Tanker mit Ladungen zwischen 30.000 und 40.000 Tonnen seien unterwegs. Insgesamt plant Russland monatliche Importe von 400.000 Tonnen Treibstoff aus verschiedenen Ländern, darunter auch das Nachbarland Belarus, berichtet "Business Insider Africa".

Putin-Regierung muss reagieren - Moskau senkt Qualitätsstandards für Kraftstoff

Um die Versorgungslage zu stabilisieren, hat die russische Regierung am 2. Juli einen ungewöhnlichen Schritt unternommen: Ein von Premierminister Michail Mischustin unterzeichnetes Dekret erlaubt Raffinerien landesweit, bis Jahresende Benzin nach dem veralteten Euro-3-Standard herzustellen, schreibt "Kyiv Independent". Diese Kraftstoffklasse enthält deutlich mehr Schwefel als der bisher gültige Euro-5-Standard – mit entsprechend höheren Sicherheitsrisiken und stärkerer Umweltbelastung.

Die neuen Vorschriften gestatten einen maximalen Schwefelgehalt von 150 Milligramm pro Kilogramm. Produkte nach diesem Standard dürfen allerdings nicht exportiert werden und erhalten keine Konformitätskennzeichnung der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU).

Bereits Ende Juni berichtete "Kommersant", der Kreml erwäge sogar eine Absenkung auf Euro-2-Niveau – einen Standard, der in Russland seit 2013 verboten ist. Der entsprechende Entwurf sah eine Gültigkeit bis Juli 2027 vor und hätte auch Importe minderwertiger Kraftstoffe ermöglicht.

Wladimir Putin räumt Versorgungsprobleme ein

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die angespannte Lage am 28. Juni öffentlich angesprochen. "Leider gibt es immer noch Schlangen an Tankstellen, und die richtige Benzinsorte ist nicht immer verfügbar", sagte er. Auch die Schwierigkeiten für Landwirte und Agrarbetriebe während der Sommersaison seien ihm bewusst. Dennoch bezeichnete Putin die Engpässe als "nicht kritisch" und "vorübergehend".

Besonders dramatisch stellt sich die Situation auf der Krim dar. In Sewastopol stiegen die Benzinpreise innerhalb einer Woche um 30 Prozent, nachdem ukrainische Angriffe die Versorgungslinien der 2014 annektierten Halbinsel getroffen hatten. Zuletzt wurden sogar angebliche Evakuierungspläne für Menschen auf der annektierten Halbinsel laut.

Der vom Kreml eingesetzte Krim-Gouverneur Sergej Aksjonow verkündete drastische Maßnahmen: "Kraftstoff wird nur noch an Regierungsbehörden verkauft, die das Funktionieren und die Sicherheit der Republik Krim gewährleisten." Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und bat darum, ausschließlich offiziellen Informationsquellen zu vertrauen.

Putin offenbart Benzinprobleme in Russland

Derweil hat der Kremlchef eine Krisensitzung zu den aktuellen russischen Versorgungsproblemen mit Treibstoff einberufen. Zuallererst müssten die Auswirkungen der wiederholten ukrainischen Angriffe gegen Raffinerien und andere Objekte der Erdölindustrie abgefedert werden. "Wir müssen die Folgen terroristischer Anschläge auf unsere zivilen Einrichtungen und die Infrastruktur reduzieren", wurde er von der Staatsagentur Tass zitiert. An der Sitzung nahmen Vertreter diverser Ministerien sowie der wichtigsten Erdöl-Produzenten Russlands teil.

Die zuletzt verstärkten ukrainischen Angriffe gegen die Erdölindustrie in Russland haben zu ernsthaften Versorgungsproblemen geführt. "An den Tankstellen gibt es Warteschlangen, die benötigten Benzinsorten sind nicht immer vorrätig", sagte Putin. Er bestätigte, dass bereits über ein Exportverbot für Diesel-Treibstoff nachgedacht werde. Russland habe inzwischen begonnen, seine Benzinreserven anzuzapfen. Putin erwartete schon im Juli eine deutliche Erhöhung der Produktion der wichtigsten Treibstoffarten.

Selenskyj verspottet Russland als "Tankstellen-Staat"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Angriffe auf russische Energieanlagen als "Langstrecken-Sanktionen" gegen Moskaus Infrastruktur. Kiew betrachtet die Raffinerien als legitime militärische Ziele, da sie sowohl Treibstoff als auch Einnahmen für die russische Kriegsmaschinerie liefern.

Selenskyj nutzte die Gelegenheit für einen Seitenhieb gegen seinen Kontrahenten: "Putin kann im Fernsehen weiter behaupten, er habe angeblich alles unter Kontrolle", so der ukrainische Präsident. Doch die Russen könnten selbst sehen, dass der Krieg "einen Punkt erreicht hat, an dem sogar ein Ölstaat – eine Tankstelle, wie Russland früher genannt wurde – nun mit Benzinmangel konfrontiert ist."

Die ukrainische Strategie zielt darauf ab, Moskaus militärische Logistik zu schwächen und den Druck zur Beendigung des Krieges zu erhöhen. Die Angriffe treffen dabei einige der größten Raffinerien Russlands und haben die Produktion teilweise vollständig zum Erliegen gebracht.

Blickt Putin nach Afrika? Raffinerien rücken in den Fokus

Russlands Versorgungskrise lenkt den Blick auf Afrikas wachsende Raffineriekapazitäten. Im Zentrum steht Nigerias Dangote-Raffinerie, die derzeit von 650.000 auf 1,4 Millionen Barrel pro Tag erweitert wird – weit mehr als Russlands größte Anlage in Omsk mit rund 425.000 Barrel täglicher Kapazität.

Neben Nigeria verfügen auch Algerien, Ägypten, Angola und Libyen über bedeutende Raffineriekapazitäten. Algerien unterhält dabei besonders enge diplomatische, militärische und energiepolitische Beziehungen zu Moskau.

Dennoch stehen einer Belieferung Russlands erhebliche Hürden im Weg: Sanktionsrisiken, hohe Transportkosten, unterschiedliche Produktspezifikationen sowie Fragen zu Zahlungskanälen, Versicherungsschutz und behördlichen Genehmigungen müssten geklärt werden. Ob afrikanische Produzenten tatsächlich in die Bresche springen, hängt letztlich davon ab, wie weit Moskau seine Suche nach alternativen Lieferanten ausdehnt.

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/loc/news.de/dpa/stg

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