Friedrich Merz: Kanzler verteidigt Reformpaket – und spricht von "genialer Idee"

Steuerentlastungen, neue Regeln für Krankschreibungen und eine Rentenreform: Friedrich Merz hat das Koalitionspaket in einer Sondersendung von "maybrit illner" offensiv verteidigt. Kritik an der vergleichsweise geringen Steuerentlastung wies er zurück.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Friedrich Merz verteidigte bei "maybrit illner" das Reformpaket. (Foto) Suche
Friedrich Merz verteidigte bei "maybrit illner" das Reformpaket. Bild: ZDF / Svea Pietschmann
  • Friedrich Merz verteidigt das neue 34-Punkte-Paket der Koalition als "wirklich gutes Paket"
  • Der Kanzler erklärt die neue Krankschreibungsregel und wirbt für eine kapitalgedeckte Rentenreform
  • Kritik an der Steuerentlastung weist Merz zurück und verweist auf enge Spielräume im Haushalt

In einer Sondersendung von "maybrit illner" verteidigte Friedrich Merz am Donnerstagabend (02.07.2026) das frisch beschlossene Reformpaket seiner Regierungskoalition. Das Paket umfasst 34 Punkte: Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen in Höhe von zehn Milliarden Euro, eine verpflichtende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag, Maßnahmen gegen Sozialmissbrauch sowie umfangreiche Bürokratieentlastungen.

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Friedrich Merz verteidigt Reformpaket bei "maybrit illner"

"Wir haben wirklich ein gutes Paket hinbekommen", bilanzierte Merz den nächtlichen Koalitionsausschuss. Die Zusammenarbeit sei "sehr, sehr vertrauensvoll" gewesen – nichts sei über Nacht an die Medien gelangt. Bei der Steuerpolitik rang die Koalition am längsten, wie Merz einräumte. Die Spielräume im Haushalt seien schlicht zu eng gewesen. Für eine vierköpfige Familie mit 60.000 Euro Jahreseinkommen bedeutet das Paket eine Entlastung von 600 Euro jährlich – oder, wie Illner trocken nachrechnete: "Das sind 50 Euro im Monat."

Der Kanzler verteidigte die Summe dennoch als "ernsthafte Entlastung". Um den Kompromiss zu finanzieren, steigt der Spitzensteuersatz von 45 auf 47 Prozent. Den Begriff "Reichensteuer" setzte Merz demonstrativ in Anführungszeichen – im Steuerrecht existiere er schließlich nicht. Steuerzahler-Präsident Reiner Holznagel hatte das Paket zuvor als "XXS-Steuerreform" auf Schmalspur-Niveau kritisiert. Merz konterte: "Wunsch und Wirklichkeit müssen auch zusammenpassen."

Doch kein Arztbesuch am ersten Tag nötig?

Die neue Krankschreibungsregelung sorgte im Vorfeld für Aufregung – zu Unrecht, wie Merz klarstellte. Arbeitnehmer müssten nicht am ersten Krankheitstag in der Praxis sitzen, sondern lediglich eine Bescheinigung vorweisen können, die diesen Tag abdeckt. Der Gang zum Arzt dürfe auch später erfolgen. "Wir kehren damit zu der Regelung zurück, die wir bis Corona hatten", erklärte der Kanzler. Die telefonische Krankschreibung sei damals eingeführt worden, um Ansteckungsgefahren zu reduzieren – nicht um das Krankmelden zu erleichtern. Seitdem seien die Krankschreibungen deutlich gestiegen. Betriebe und Tarifparteien können laut Merz abweichende Vereinbarungen treffen.

Friedrich Merz verkauft kapitalgedeckte Rente als "geniale Idee"

Die Rentenreform bezeichnete Merz als historischen Durchbruch. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik werde ein umfassender kapitalgedeckter Anteil in die gesetzliche Rentenversicherung integriert. "Das hätten wir schon vor 30 Jahren machen sollen", so der Kanzler. Konkret sollen Arbeitnehmer künftig zwei Prozent zusätzlich einzahlen – allerdings nicht in die Umlage für heutige Rentner, sondern in einen persönlichen Kapitalstock. Jeder Versicherte erwerbe damit vom ersten Tag an einen individuellen Anspruch. Merz lobte dies als "geniale Idee der Kommission". Das Konzept orientiert sich am schwedischen Modell und nutzt den Zinseszinseffekt für die Altersvorsorge. SPD-Chefin Bärbel Bas hatte das Gesamtpaket als "Gesamtkunstwerk" bezeichnet – eine Formulierung, die sich Merz ausdrücklich zu eigen machte.

Umschwung dauert länger als erhofft

Merz gab offen zu, dass die wirtschaftliche Erholung mehr Zeit beansprucht als ursprünglich geplant. "Es dauert länger, als ich es selber erwartet habe und auch gehofft habe", räumte er ein. Vom eingeschlagenen Kurs wolle er sich dennoch nicht abbringen lassen. Als Gründe für die Verzögerung nannte der Kanzler externe Faktoren: den Zollstreit mit den USA, hohe Energiekosten und unfairen Wettbewerb durch Überkapazitäten auf dem Weltmarkt. Die Regierung habe in einen beginnenden Aufschwung hinein zu regieren begonnen und sei dann von Ereignissen überrollt worden. Die Koalitionsarbeit habe sich mittlerweile eingespielt. "Wir mussten uns ja auch zunächst einmal ein bisschen aneinander gewöhnen", so Merz. Inzwischen arbeite man vertraulich und vertrauensvoll zusammen.

Die komplette Sendung gibt es als Video-on-Demand in der ZDF-Mediathek.

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