Gesellschaft: Beratungsstellen sehen brutalen antimuslimischen Rassismus

Eine Frau mit Kopftuch wird ins Gesicht geschlagen, ein Schüler soll sich vom Terrorismus distanzieren. Musliminnen und Muslime sowie Menschen, die dafür gehalten werden, erleben häufig Rassismus.

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Aktuelle Nachrichten zum Thema Kriminalität lesen Sie hier auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / Heiko

Mitarbeiter von Beratungsstellen für von Rassismus betroffene Muslime nehmen eine zunehmende Enthemmung und Brutalität wahr. Von den 4.096 antimuslimischen Vorfällen, die das Netzwerk Claim im vergangenen Jahr dokumentiert hat, waren laut dem aktuellen Lagebild von Claim 214 Körperverletzungen. Das Netzwerk geht von einem hohen Dunkelfeld aus. Insbesondere im schulischen Kontext, aber auch im Kontakt mit Behörden oder der Polizei bestünden "hohe Meldehürden" für Betroffene.

Was Diskriminierung, Beleidigung oder Volksverhetzung angeht, so ist den Angaben zufolge ein gewisser Gewöhnungseffekt zu beobachten. So heißt es in dem bundesweiten Lagebild: "Gleichzeitig zeigt sich, dass alltägliche Formen von Rassismus zunehmend seltener gemeldet werden, da wiederholte Diskriminierungserfahrungen häufig zu einer schleichenden Normalisierung führen." Das bedeute aber nicht, dass die Betroffenen keinen Leidensdruck verspürten, vielmehr beeinträchtigten diese Erfahrungen nachhaltig ihre Lebensqualität und ihr Sicherheitsgefühl.

Es herrsche ein Klima der Angst. Zudem sei eine zunehmende Resignation unter den Betroffenen zu beobachten. Im schulischen Bereich würden Vorfälle häufig nicht gemeldet, weil Eltern Angst vor Repressionen hätten.

Mehr als 4.000 verifizierte Fälle im Jahr 2025

Die 4.096 verifizierten Fälle von antimuslimischem Rassismus oberhalb und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze sind nicht direkt mit den Daten des Vorjahres vergleichbar, da sich inzwischen mehr Beratungsstellen an der Erhebung beteiligen. 2024 waren von den mit dem Netzwerk kooperierenden 26 Beratungsstellen in 13 Bundesländern 3.080 Fälle dokumentiert worden. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 38 Stellen in 15 Ländern.

Fahrradfahrerin mit der Faust ins Gesicht geschlagen

Zu den dokumentierten Fällen gehört das Erlebnis eines Mädchens, das in Greifswald von Jungen mit Sprüchen wie "Ausländer raus" rassistisch beleidigt wurde, während einer der Jungen versuchte, im Vorbeifahren mit dem Fahrrad eine Zigarette an dem Kopftuch des Mädchens auszudrücken. Eine 52-Jährige mit Kopftuch, die in Düsseldorf im Dezember von einem Unbekannten mit der Faust ins Gesicht geschlagen wurde, dadurch vom Fahrrad stürzte und sich erhebliche Verletzungen zuzog, wandte sich anschließend an die Polizei.

Doch nicht nur körperliche Gewalt wirkt oft lange nach. Ein muslimischer Schüler in Schleswig-Holstein berichtet, er werde von der Lehrkraft, sobald es im Unterricht um Extremismus oder Terrorismus geht, entweder gefragt, ob er sich davon "distanzieren" wolle oder "wie Menschen aus seiner Religion" dazu stünden.

Rassismus beginne nicht mit Gewalt, sondern da, "wo Menschen pauschal zum Problem erklärt werden", sagte Said Etris Hashemi bei der Vorstellung des Berichts. Er überlebte das rassistische Attentat am 19. Februar 2020 in Hanau schwer verletzt. "Worte bleiben nicht folgenlos."

Claim-Geschäftsführerin Rima Hanano sagte, ihr mache es Sorgen, dass das Thema antimuslimischer Rassismus aktuell seitens der Bundesregierung "nicht die notwendige Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient".

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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