Wiesbaden: Minister zu documenta: Freiheit der Kunst ist unverhandelbar
Nach der Antisemitismus-Debatte bei der documenta 15 formuliert Hessens Kulturminister Erwartungen an die 16. Auflage im nächsten Jahr. Wie geht es nach den früheren Kunsteklats in Kassel weiter?
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Hessens Kulturminister Timon Gremmels (SPD) hat mit Blick auf die von Antisemitismusvorwürfen überschattete Weltkunstausstellung documenta in Kassel betont, dass die Freiheit der Kunst nicht verhandelbar sei. Landesverfassung und Grundgesetz gäben hier einen klaren Auftrag. "Wir müssen die Kunst schützen und dürfen keinen Versuchungen unterliegen, sie lenken zu wollen - auch wenn wir die Urteile, Meinungen und Darstellungen nicht teilen, die dabei geäußert werden", sagte Gremmels in einer Regierungserklärung im hessischen Landtag in Wiesbaden.
Die nächste 16. documenta in Kassel ist vom 12. Juni bis 19. September 2027 geplant. Die 15. Ausgabe im Jahr 2022 hatte die Schau in eine Krise mit internationalen Antisemitismus-Diskussionen gestürzt. Bereits vor Beginn war unter anderem dem indonesischen Kuratorenkollektiv Ruangrupa eine Nähe zur anti-israelischen Boykottbewegung BDS vorgeworfen worden. Dann wurde eine Arbeit mit antisemitischer Bildsprache entdeckt und abgehängt. Später lösten weitere Werke Kritik und Forderungen nach einem Abbruch aus. Als Reaktion wurden die Strukturen der documenta reformiert, etwa mit der Berufung eines wissenschaftlichen Beirats.
Kulturminister dringt auf klare Haltung gegen Antisemitismus
Auf diese Änderungen verwies auch Kulturminister Gremmels: Der aktuellen künstlerischen Leitung und der Geschäftsführung sei ihre Verantwortung bewusst. Zugleich betonte der SPD-Politiker, vor dem Hintergrund der documenta 2022 erwarte er "eine klare, erkennbare Haltung" gegen Antisemitismus, Rassismus und "jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit".
Gremmels versicherte aber auch, es gehe ihm um verlässliche Rahmenbedingungen, in denen sich Kunst frei entfalten könne: "Der Staat ist nicht der oberste Kunstkritiker. Aber der Staat ist der Garant der Freiheit." Politische Festlegungen, welche Kunst gezeigt und welche nicht gezeigt werden dürften, wären ein Angriff gegen den offenen demokratischen Raum. Es müsse mit demokratischen Mitteln verhindert werden, dass die AfD mit so einem Kulturbegriff jemals in einem Bundesland in die Regierung gelange.
Mit Blick auf den Spardruck infolge der Ebbe in den staatlichen Kassen betonte Gremmels gleichwohl die Bedeutung von Kultur: Sie sei Daseinsvorvorsorge. Die Förderung der Musikschulen etwa habe das Land sogar erhöht - von 3,8 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 6,3 Millionen Euro 2026. "Wir wollen, dass jedes Kind die Voraussetzungen hat, ein Musikinstrument zu erlernen, ganz unabhängig vom Geldbeutel der Eltern", ergänzte der Kulturminister.
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