Hamburg: Frühes Sauerstoffloch in der Elbe bedroht Jungfische
Das Bündnis Lebendige Tideelbe schlägt Alarm: Tausende Fische könnten sterben, weil die Sauerstoffkonzentration in der Elbe zu niedrig ist. Was die Umweltbehörde dazu sagt.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Die Sauerstoffkonzentration in der Elbe im Hamburger Hafen ist in diesem Jahr besonders früh unter einen kritischen Wert gefallen. So sei sie bereits Anfang Juni unter drei Milligramm pro Liter (mg/l) gesunken, an der Messstation Seemannshöft liege sie sogar bei unter zwei mg/l und sei damit im akut tödlichen Bereich für Fische, teilte das Bündnis Lebendige Tideelbe mit. Bei der Messstation Blankenese lag die Sauerstoffkonzentration am Montag zeitweilig ebenfalls schon bei unter zwei mg/l, wie aus Daten des Hamburger Wassergütenetzes hervorging. Vor einem Jahr wurden ähnliche Werte erst rund zwei Wochen später gemessen.
Die Umweltbehörde erklärte am Abend auf Anfrage, die Sauerstoffkonzentrationen im Hamburger Hafen (Seemannshöft) und Blankenese befänden sich aktuell deutlich unter der ökologisch notwendigen Mindestkonzentration von 4,0 mg/l. Dies treffe zeitweise auch in Bunthaus zu.
Niedrige Werte vor allem für Jungfische lebensbedrohlich
Der Zusammenschluss aus den Umweltverbänden BUND, Nabu und WWF warnte: "Je früher die Werte unter vier mg/l sinken und je niedriger sie sind, desto größer die Lebensgefahr etwa für Jungfische, die zum aktuellen Zeitpunkt noch in der Entwicklung sind." Bei solch niedrigen Werten würden Tausende Fische in der Tideelbe verenden, die meisten unsichtbar unter der trüben Wasseroberfläche. Aber auch erwachsene Tiere seien betroffen.
Im vergangenen Jahr bestand das sogenannte Sauerstoffloch mit weniger als vier Milligramm Sauerstoff je Liter den Angaben zufolge über 80 Tage. Im Jahr zuvor seien es sogar 90 Tage gewesen, davon 26 Tage bei tödlichen Werten unterhalb von zwei mg/l. "Der Hamburger Hafen wird jedes Jahr zu einer Todeszone für Gewässerorganismen", erklärte das Bündnis.
Die Umweltbehörde erklärte mit Blick auf niedrige Sauerstoff-Werte an den Messstationen Blankenese, Seemannshöft und Bunthaus, "lokale Fischsterben (insbesondere Fischlarven und Jungfische) sind sehr wahrscheinlich". Seit Ende Mai liege ein ausgeprägtes Sauerstofftal im Bereich der Hamburger Tideelbe vor. Vorwiegend der Flussabschnitt, der für die Seeschifffahrt genutzt werde, stromab der Elbbrücken bis zur Landesgrenze, sei betroffen.
Bündnis fordert Rücknahme der jüngsten Elbvertiefung
Eine grundsätzliche Verbesserung sei derzeit nicht in Sicht und sei mit Blick auf die prognostizierten klimatischen Veränderungen ohne ein Gegensteuern auch nicht zu erwarten. Mit Blick auf mögliche Flachwasserzonen betonten BUND, Nabu und WWF: "Seit Jahren lässt derweil die Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen auf sich warten."
Hauptursache für das jährliche Sauerstofftal ist aus Sicht der Verbände der Ausbau des Flusses. "Die zusätzliche Tiefe in der Fahrrinne der Elbe wird kaum genutzt, dafür zahlt die Natur einen hohen Preis." BUND, Nabu und WWF forderten daher die jüngste Elbvertiefung zurückzubauen.
Ursachen
Die Umweltbehörde erklärte: "Die Ursachen für den regelmäßig während der Vegetationsperiode in der Hamburger Tideelbe auftretenden Sauerstoffmangel sind vielfältig." Die hydromorphologische Überprägung des Gewässers (Ausbau und Unterhaltung der Tideelbe für die Seeschifffahrt) sei hierbei ein wesentlicher Faktor. "Umgekehrt tritt in den Wintermonaten jedoch kein O2-Mangel in diesem Flussabschnitt auf. Dies bedeutet, dass es weitere maßgebliche Faktoren geben muss: Die Gewässertemperatur, die Nährstoff- und Algenfracht sowie die Oberwassermenge sind exemplarisch zu nennen."
Sinkt die Sauerstoff-Konzentration unterhalb von 6 mg/l, 4 mg/l, 2 mg/l ab, betrifft dies nach Angaben der Umweltbehörde alle im Wasser lebenden Organismen. "Beispielsweise unterbrechen Langdistanz-Wanderfische ihren Laichzug von der Nordsee in die Mittel- und Oberelbe. Es stellt sich in dieser Zeit eine ökologische Barriere ein. Fischlarven und Jungfische reagieren besonders empfindlich gegenüber Sauerstoffmangel." Sie seien nicht in der Lage, aktiv die Mangelzone zu verlassen. "Als Folge sterben sie größtenteils ab. Exemplarisch ist der Stint zu nennen, der für das Ökosystem Tideelbe eine besonders wichtige Leitart ist."
Die Behörde verneinte Fragen, ob der Begriff Sauerstoffloch wissenschaftlich fundiert sei und sie ihn selbst benutze: "In der medialen Diskussion wird der Begriff häufig als Kurzbezeichnung des komplexen Phänomens verwendet."
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