Arbeitskräftemangel durch Ukraine-Krieg: Kreml-Politikerin fordert Arbeitslager für Kinder
Russlands Wirtschaft kämpft mit massivem Arbeitskräftemangel. Nun sorgt ein ungewöhnlicher Vorschlag für Aufsehen. Die Kinderrechtsbeauftragte Olga Jaroslawskaja diskutiert über Arbeitslager für Kinder.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Russische Politikerin schlägt Arbeit für Kinder ab 12 Jahren vor
- Auch Jugend-Arbeitslager nach sowjetischem Vorbild stehen wieder zur Debatte
- Hintergrund ist ein massiver Arbeitskräftemangel in der russischen Wirtschaft
Der Arbeitskräftemangel in Russland treibt bizarre Blüten: Die Moskauer Kinderrechtsbeauftragte Olga Jaroslawskaja schlägt vor, das Mindestalter für Ferienjobs von 14 auf zwölf Jahre abzusenken. Damit nicht genug – die 58-Jährige wirbt offen für eine Wiederbelebung von Jugend-Arbeitslagern nach sowjetischem Vorbild.
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Putin-Politikerin fordert "sowjetische Arbeitslager" für Kinder
Bei einer Pressekonferenz zum Thema Kinderschutz erklärte Jaroslawskaja laut russischen Medienberichten, eine Rückkehr solcher Programme sei "ein realistisches Szenario". Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die russische Wirtschaft unter einem beispiellosen Personalmangel ächzt. Nach Angaben des russischen Industrie- und Unternehmerverbands könnten bis 2030 rund drei Millionen Arbeitskräfte fehlen – eine direkte Folge des Ukraine-Kriegs, massiver Fachkräfteabwanderung und demografischer Probleme.
"Wir haben es überlebt" – Jaroslawskajas nostalgische Erinnerungen
Die Kinderrechtsbeauftragte begründet ihren Vorstoß mit dem vermeintlichen Wunsch der Jugendlichen selbst. "Wenn wir mit Jugendlichen ab 12 Jahren sprechen, wollen fast alle im Sommer arbeiten", sagte sie auf der Pressekonferenz. Dafür müsse das Arbeitsrecht entsprechend angepasst werden.
Besonders bemerkenswert: Jaroslawskaja schwärmt von ihren eigenen Erfahrungen in einem sowjetischen Jugendlager. "In der 8. Klasse mussten wir bei 40 Grad in einer Baracke mitten auf dem Feld Tomaten jäten", erzählte sie. "Wir haben es überlebt, und außerdem habe ich 120 Rubel mit nach Hause gebracht." Die Lager würden Jugendlichen Struktur und Beschäftigung bieten – insbesondere jenen, deren Eltern keine dreimonatige Ferienbetreuung organisieren könnten, argumentierte sie.
Beispielloser Personalmangel durch Krieg und Abwanderung
Der Hintergrund des Vorstoßes ist alarmierend: Russland erlebt einen historischen Arbeitskräftemangel. Aktuell fehlen dem Land laut einer "Bloomberg"-Analyse bereits 1,5 Millionen Beschäftigte. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte diese Lücke auf drei Millionen anwachsen. "In der modernen russischen Geschichte haben wir noch nie einen solchen Arbeitskräftemangel erlebt", erklärte Zentralbank-Gouverneurin Elvira Nabiullina im April. Die Ursachen sind vielfältig: Der Angriffskrieg gegen die Ukraine bindet nicht nur Soldaten, sondern hat auch zur Flucht von rund einer Million gut ausgebildeter junger Menschen geführt, die der Mobilmachung entkommen wollten. Verschärft wird die Situation durch eine Geburtenrate auf Rekordtief. Wer an der Front kämpft, fehlt gleichzeitig in Fabriken und Büros – von den hohen Verlusten ganz abgesehen.
Kinderarbeit als Lösung für Wirtschaftskrise?
Nach geltendem russischem Recht dürfen Jugendliche erst ab 14 Jahren einer Beschäftigung nachgehen – vorausgesetzt, ihre Eltern stimmen schriftlich zu. Mit 15 Jahren können sie eigenständig Arbeitsverträge unterzeichnen. Jaroslawskajas Vorschlag würde diese Altersgrenze um zwei Jahre nach unten verschieben. Der Vorstoß der Kinderrechtsbeauftragten dürfte weniger dem Wohl der Minderjährigen dienen als vielmehr der angeschlagenen Wirtschaft. Während die Regierung verstärkt auf patriotische Bildungsinhalte setzt – das Bildungsministerium führte kürzlich eine verpflichtende Sommerleseliste mit Büchern über den Ukraine-Krieg ein – sollen nun offenbar auch die Jüngsten die Lücken auf dem Arbeitsmarkt füllen.
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bua/news.de/stg
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