Ukraine-Krieg: Front stagniert, Hinterland brennt - Putins Kriegsmaschine schwächelt

Die Ukraine verlagert den Krieg zunehmend nach Russland – mit Langstrecken-Drohnen, die tief im Hinterland einschlagen. Während Raffinerien und Militäranlagen brennen, bleibt Putins Offensive im Donbass weit hinter den Erwartungen zurück. Doch Experten warnen: Von einer echten Trendwende kann keine Rede sein.

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Der Ukraine-Krieg verläuft derzeit nicht nach Putins Vorstellungen. (Foto) Suche
Der Ukraine-Krieg verläuft derzeit nicht nach Putins Vorstellungen. Bild: picture alliance/dpa/Pool EPA/AP | Maxim Shipenkov
  • Ukrainische Drohnen treffen Ziele bis zu 1.500 Kilometer tief in Russland
  • Angriffe richten sich vor allem gegen Öl-, Energie- und Militärinfrastruktur
  • Trotz hoher Verluste kommt Russland im Donbass nur langsam voran

Die Ukraine erhöht den Druck auf Russland mit einer neuen Strategie: Langstreckendrohnen attackieren mittlerweile Ziele bis zu 1.500 Kilometer von der Grenze entfernt. Gleichzeitig kommt Moskaus Offensive im Donbass kaum voran – trotz erheblicher Verluste auf russischer Seite.

Ukraine-Krieg setzt Putin zu: "Deep Strikes" sollen Russlands Kriegsmaschine schwächen

Kiews Streitkräfte treffen gezielt Raffinerien, Ölterminals und militärische Einrichtungen tief im russischen Hinterland, wie unter anderem der "Merkur" berichtet. Diese sogenannten "Deep Strikes" sollen Russlands Kriegswirtschaft nachhaltig schwächen. An der Front stabilisiert sich die Lage für die Ukraine zunehmend.

Dennoch mahnen Fachleute zur Vorsicht. Von einer echten Wende im Konflikt könne keine Rede sein, da Kiew selbst keine besetzten Gebiete zurückerobern könne.

Ukrainische Drohnen erreichen Ziele bis nach Baschkortostan

Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Angriffsstrategie deutlich ausgeweitet. Laut dem Institute for the Study of War (ISW) trafen Kiews Drohnen zuletzt Anlagen in Krasnodar, Jaroslawl, Astrachan und Baschkortostan. Allein seit Anfang Mai führte die Ukraine Dutzende solcher Langstreckenoperationen durch.

Ukraine will russische Flugabwehr überlasten

Der ukrainische Militärexperte Mykola Bielieskow erläuterte gegenüber dem "Tagesspiegel" die Absicht hinter dieser Taktik: Ölexporte und Waffenproduktion sollen getroffen und die russische Flugabwehr überlastet werden. Muss Moskau Luftabwehrsysteme zum Schutz von Raffinerien abziehen, entstehen Lücken an anderen Stellen.

Das ISW bewertet die Strategie als wirksam – Russland könne seine kritische Infrastruktur immer schlechter schützen.

Putins Truppen kommen im Donbass kaum voran

Trotz massiver Anstrengungen gelingt Russland kein operativer Durchbruch an der Front. Seit Jahresbeginn rückten die russischen Streitkräfte im Gebiet Donezk lediglich um etwa 350 Quadratkilometer vor – bei enormen Verlusten.

Militärexperte Bielieskow sieht kurzfristig keine Chance auf einen entscheidenden Erfolg Moskaus. Zwar könnten sich russische Einheiten Städten wie Slowjansk oder Kramatorsk annähern. "Doch bei ihrem aktuellen Tempo und Waffenbestand schaffen sie keinen Durchbruch", betonte er gegenüber dem "Tagesspiegel". Das Ergebnis seien "langsame Vorstöße, hohe Verluste, aber keine entscheidenden Erfolge".

Das ISW bestätigt diese Einschätzung: Moskaus territoriale Forderungen passten derzeit kaum zur tatsächlichen Lage auf dem Schlachtfeld.

Keine Trendwende trotz ukrainischer Erfolge

Experten warnen vor überzogenem Optimismus. Bielieskow stellt klar: Die Ukraine sei zwar besser aufgestellt als noch 2024 oder 2025, könne aber selbst keine größeren Gebiete zurückerobern. Die Lage verschlechtere sich lediglich nicht weiter.

Massive Defizite belasten Kiew weiterhin. Moderne Raketen- und Flugabwehrsysteme fehlen, ebenso mangelt es an Munition und Personal. Russland greift fast täglich ukrainische Städte mit Drohnen und Raketen an.

Der Konflikt wandelt sich zunehmend zum technologischen Abnutzungskrieg. Künftig könnten Roboterplattformen und unbemannte Systeme klassische Schützengräben teilweise ersetzen. Über den Ausgang entscheiden nicht nur Soldaten, sondern auch Industrie, Logistik und Wirtschaft.

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