"Markus Lanz": Deutschland braucht Trumps Raketen nicht – Sicherheitsexperte rät zur Eile

Deutschland muss nach Einschätzung des Sicherheitsexperten Nico Lange zum Schutz vor Putins Marschflugkörpern selber Raketen produzieren. Diese seien besser als die amerikanischen Tomahawks. Bei "Markus Lanz" riet er zur Eile.

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Laut einem Militärexperten kann Deutschland Trumps Raketen ersetzen. (Foto) Suche
Laut einem Militärexperten kann Deutschland Trumps Raketen ersetzen. Bild: picture alliance/dpa/AP | Matt Rourke
  • Truppenabzug und Trumps Raketenpläne waren bei "Markus Lanz" am 5. Mai Thema
  • Sicherheitsexperte sieht Handlungsbedarf wegen Putins Iskander-Raketen
  • Truppenstärke sichern, wenn Trump US-Truppen aus Europa abzieht
  • Experte rät Deutschland zur eigenen Raketenproduktion

Die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz, dass die USA im Iran-Krieg unter anderem keine Strategie haben, soll Donald Trump dazu bewegt haben, mit dem Abzug von US-Truppen aus Deutschland zu drohen. Sicherheitsexperte Nico Lange findet die Worte des Bundeskanzlers unglücklich. "Man hätte das besser vermieden", sagte er am Dienstag (05.05.2026) bei "Markus Lanz". Dennoch steht der Abzug im Raum. Gleichzeitig sollen die geplanten Tomahawk-Raketen nicht wie versprochen nach Deutschland geliefert werden. Deutschland muss jetzt handeln, wie Lange in der ZDF-Sendung deutlich machte – und selbst zum Produzenten werden.

Sicherheitsexperte bei "Markus Lanz": Bei Trumps Truppenabzug müsste Ersatz an der Ostflanke her

Ein Abzug von US-Truppen sieht der Experte vor allem zur Verteidigung an der Ostseite der Nato. Das US-Verteidigungsministerium hat angekündigt, rund 5.000 der etwa 39.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten abzuziehen. Der Bayerische Rundfunk hat am Montag berichtet, dass es um die sogenannte Stryker-Brigade in Vilseck gehen soll. Diese Einheit habe bereits an der Ostflanke Übungen absolviert, erklärte Lange. "Die entscheidende Frage ist: Wird die innerhalb Europas verlegt, dann ist das aus europäischer Sicht überhaupt gar kein Problem, weil die Verteidigung soll ja an der Ostflanke stattfinden.Wenn die aber aus Europa abgezogen würde, dann müsste diese Stärke 5000 mit dieser mechanisierten Infanterie ersetzt werden", sagte Lange. Diese Verteidigungsstärke sei an der Ostflanke wichtig. Hinzu kommen die Mittelstreckenraketen. Die Diskussion um die Stationierung einer sogenannten Multi-Domain-Task-Force, also mehrerer Raketentypen, darunter auch Mittelstreckenwaffen, ziehe sich bereits seit Jahren hin. Schon 2018 habe Deutschland es versäumt, auf die Bedrohung durch russische Iskander-Raketen angemessen zu reagieren. Diese seien auch auf Deutschland gerichtet, so Lange. Experten warnten zuletzt vor einem Sicherheitsrisiko durch eine mögliche Abwehrlücke.

Putins Raketen als Gefahr für Europas Sicherheit: Deutsche Produktion besser als Trumps Tomahawks

Statt eine Gegenstationierung zu organisieren, habe man die Gefahr damals heruntergespielt und auf Beschwichtigung gesetzt, kritisierte Lange. Falls auch jetzt keine Einigung mit den USA zustande komme, bleibe nur ein Ausweg: Deutschland müsse schnellstmöglich eigene Mittelstreckenraketen fertigen. Lanz fragte, ob wir das selbst könnten. Auf die Nachfrage des Moderators, ob eine solche Eigenproduktion realistisch sei, antwortete Lange eindeutig: "Wir könnten innerhalb von wenigen Monaten Dinge produzieren, die frei vom Einfluss der Amerikaner sind, mit einer Lieferkette in Deutschland." Die Fertigung könnte mit Technologien von Partnern erfolgen, jedoch vollständig auf deutschem Boden stattfinden. Diese Waffen wären nach seiner Einschätzung "sogar besser als die Tomahawk".

Lange begründete seine Einschätzung mit einem grundlegenden Wandel in der Rüstungsstrategie. Die amerikanischen Tomahawk-Raketen seien schlicht zu kostspielig – ein Problem, das auch in den USA seit Langem diskutiert werde. Entscheidend sei die Fähigkeit, große Stückzahlen an Raketen herzustellen, die deutlich preiswerter ausfallen. Im Ernstfall müsse man den gegnerischen Luftraum regelrecht "überfluten" können, erläuterte der Experte. 

Sicherheitsexperte mahnt zur Eile

Trotz seiner Zuversicht mahnte Lange zur Eile. Ein solches Rüstungsprojekt dürfe keinesfalls in den gewohnten bürokratischen Abläufen steckenbleiben. Langwierige europäische Großvorhaben mit jahrelangen Planungsphasen seien in der aktuellen Situation fehl am Platz.

Stattdessen müssten innerhalb weniger Monate konkrete Ergebnisse vorliegen, forderte der Militärexperte. An den grundsätzlichen Fähigkeiten Deutschlands zweifelt er dabei nicht: "Ich bin davon überzeugt, dass wir das können", betonte Lange bei "Markus Lanz". 

Auf die Nachfrage des Moderators, ob eine solche Eigenproduktion realistisch sei, antwortete Lange eindeutig: "Wir könnten innerhalb von wenigen Monaten Dinge produzieren, die frei vom Einfluss der Amerikaner sind, mit einer Lieferkette in Deutschland." Es braucht keine großen europäischen Projekte, das "muss man jetzt mal in wenigen Monaten schaffen". Und ich weiß auch, dass einige schon ganz gute Ideen haben, wie man das angehen kann", so Lange.

Die komplette Ausgabe können Sie in der ZDF-Mediathek in voller Länge als Video-on-Demand sehen.

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