US-Truppenabzug und fehlende Raketen: Experte warnt vor sicherheitsrelevanter Abwehrlücke gegen Putin
Mehr als 5.000 US-Soldaten sollen Deutschland verlassen, die geplanten Marschflugkörper gegen Russland kommen nicht. Sicherheitsexperten sehen die Entwicklung problematisch. Sie warnen vor einer Abschreckungslücke an der Nato-Ostflanke.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- US-Verteidigungsministerium plant Abzug von mehr als 5.000 US-Soldaten aus Deutschland - Merz nicht überrascht
- Geplante Lieferung von US-Mittelstreckenraketen soll nicht wie geplant stattfinden
- Experten warnen vor Truppenabzug
- Militärexperte sieht fehlende Raketen als größeres Problem als den Truppenabzug. Das ermöglicht eine Abschreckungslücke gegenüber Russland.
Das US-Verteidigungsministerium will mehr als 5.000 Soldaten aus Deutschland abziehen – ein historischerEinschnitt in der transatlantischen Sicherheitspartnerschaft. Zudem soll die Bundeswehr die von Joe Biden während seiner Amtszeit versprochenen US-Mittelstreckenraketen nicht erhalten.
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Friedrich Merz nicht über Trumps Truppenabzug überrascht
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich am Sonntagabend (03.05.2026) bei "Miosga" nicht überrascht von der Entscheidung der US-Regierung, die Truppen zu reduzieren. "Also da ist jetzt auch nicht alles neu, was wir in den letzten Tagen da hören. Es wird vielleicht ein bisschen zugespitzt, aber neu ist es nicht." Nach seinem Gespräch mit Trump im Weißen Haus im März hatte der Kanzler allerdings noch ganz anders geklungen. Trump habe ihm "erneut versichert, dass die Vereinigten Staaten an ihrer militärischen Präsenz in Deutschland festhalten", sagte er damals. "Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe."
Experte mahnt: Bundeswehr kann fehlenden US-Schutzschirm nicht abfedern
Der geplante Truppenabzug löst bei Fachleuten große Besorgnis aus. Sicherheitsexperte Prof. Peter Neumann bezeichnete die Entwicklung gegenüber "Bild" als "verheerendes Signal", dass sich die USA aus der europäischen Verteidigung zurückziehen würden. Besonders kritisch sei der Zeitpunkt: "Und das zu einem Zeitpunkt, da unsere eigene Verteidigung nicht in der Lage ist, diesen Schutzschirm so einfach zu ersetzen." Aus amerikanischen Zivilkreisen wird gewarnt, dass der Abzug die östliche Nato-Flanke erheblich schwächen würde. Mit den Soldaten verschwinden auch hochspezialisierte Panzerführer, Waffenexperten und Piloten. Die technologische Überlegenheit der US-Streitkräfte lässt sich nicht einfach durch zusätzliche deutsche oder europäische Truppen ausgleichen.
Nach Informationen von "Bild" würde der Truppenabzug die "Garrison Bavaria" am stärksten treffen. Diese Heeresgarnison in der Oberpfalz gilt als größte und strategisch bedeutsamste US-Armeeeinrichtung außerhalb amerikanischen Territoriums. Die Hauptstandorte Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels beherbergen zusammen rund 26.000 Soldaten. Andere wichtige Stützpunkte bleiben vorerst verschont. Prof. Neumann erklärte gegenüber "Bild": "Standorte wie Stuttgart und Ramstein sind von dem Abzug zwar bisher nicht betroffen, weil sie für die globale Militärprojektion der Amerikaner einfach zu wichtig sind." Allerdings warnte er, dass auch diese Basen langfristig zur Disposition stehen könnten.
Keine Tomahawk-Marschflugkörper – Deutschland fehlt Schutz vor Putins Raketen
Für Sicherheitsexperte Nico Lange stellt die ausbleibende Stationierung der Marschflugkörper das gravierendere Problem dar. Im Podcast von "Bild"-Vize Paul Ronzheimer erklärte er: "Seit einigen Jahren wird Deutschland bedroht von Raketen aus Kaliningrad. Aber hat keine Gegenbedrohung aufgebaut." Genau diese Lücke sollten die amerikanischen Waffen schließen.
Die europäischen Verbündeten hatten die USA ausdrücklich um diese Raketen gebeten, weil ihnen eine wirksame Abschreckungskapazität fehlt. Lange betonte: "Das ist die schwierigere Nachricht, nicht die 5.000 Soldaten, sondern dass die Stationierung von diesen Raketen nicht stattfinden soll." Ohne diese Waffensysteme bleibe eine sicherheitsrelevante "Abschreckungskomponente" gegenüber Russland bestehen.
Biden-Zusage geplatzt? Trumps Militär sollen Raketen fehlen
Merz hält es aktuell für unwahrscheinlich, dass die USA die 2024 von Präsident Joe Biden zugesagten Tomahawk-Mittelstreckenraketen an Deutschland liefern. "Wie ich es im Augenblick sehe, gibt es auch aus den USA heraus ganz objektiv kaum eine Möglichkeit, Waffensysteme dieser Art abzugeben", sagte Merz in der ARD-Sendung. "Wenn ich es richtig weiß, haben die Amerikaner zurzeit selbst nicht genug." Über das Thema werde seit Monaten gesprochen, "bis jetzt ohne Zusage der USA". Der Zug sei aber noch nicht abgefahren.
Biden hatte Deutschland beim Nato-Gipfel vor zwei Jahren zugesagt, erstmals seit dem Kalten Krieg wieder Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen zur Abschreckung in Deutschland zu stationieren, die bis nach Russland reichen. Trump hat sich bisher öffentlich weder zu der damaligen Entscheidung Bidens bekannt, sie aber auch nicht zurückgenommen.
Medienberichten zufolge soll das US-Verteidigungsministerium aber im Zuge der geplanten Reduzierung der US-Truppen in Deutschland um 5.000 Soldaten auch die geplante Stationierung einer Einheit zur Bedienung, Unterhaltung und Wartung der Mittelstreckenraketen zurückgenommen haben.
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bos/bua/news.de/dpa/stg
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