Ukraine-Krieg: Neue Drohne zielt aus nächster Nähe - wird sie Putins Soldaten gefährlich?

Mit einer neuen Drohne könnte die Ukraine den Kriegsverlauf beeinflussen. Das unbemannte Flugobjekt soll aus nächster Distanz zielen. Das bietet ukrainischen Einheiten massive Vorteile. Wird die Innovation Putins Soldaten gefährlich?

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Ein ukrainisches Unternehmen will eine "Ein-Mann"-Drohne in den Ukraine-Krieg bringen (Symbolfoto). (Foto) Suche
Ein ukrainisches Unternehmen will eine "Ein-Mann"-Drohne in den Ukraine-Krieg bringen (Symbolfoto). Bild: picture alliance/dpa | Thomas Frey
  • Neue Drohne Shadox im Ukraine-Krieg geplant
  • Es braucht nur einen Soldaten: Ukraine-Drohne attackiert schon aus geringer Distanz
  • Eigenes System, schneller Einsatz: Waffe bietet Ukraine Vorteile gegenüber Putins Soldaten

Das ukrainisch-estnische Verteidigungs-Tech-Unternehmen Black Forest Systems (BFS) will eine spezialisierte Drohne an die Front bringen. Shadox soll künftig zur Ausrüstung eines jeden Soldaten gehören. Der CEO der Firma, Oleksandr Davydenko, erklärte im Interview mit "Kyiv Post", was die Drohne so besonders macht.

Ukraine-Krieg aktuell - neue Drohne braucht nur einen Soldaten

Das Unternehmen verfolgt die Vision "One man, one drone", bei der Drohnen zur Standardausrüstung jedes einzelnen Soldaten werden sollen – ähnlich wie sich Nachtsichtgeräte von Spezialequipment zu Massenware entwickelten. Shadox unterscheidet sich von FPV-Drohnen (Drohnen aus der Sicht einer Person, Anm. d. Redaktion) durch ihre einfache Handhabung.Das System sei so einfach, dass es "ein Achtjähriger fliegen könnte", erklärte der CEO. Man benötigt keine akrobatischen Fähigkeiten; die Steuerung erfolgt mit nur einem Finger. Für die Bedienung braucht es also nur eine Person, anders als bei anderen Drohnen. Hier sind oft fünf Personen notwendig, um sie einzusetzen. Soldaten nutzen nur eine Drohne und ein Touchpad. 

Vision einer günstigen Drohne - Angriffe im Ukraine-Krieg aus kurzer Distanz

Sie eignet sich zur Aufklärung und für kurze Distanzen von bis zu drei Kilometern in einem offenen Gelände. Besonders effektiv agiert das unbemannte Flugobjekt mit seinem geschützten Propeller-Design auf 500 bis 1.000 Meter. Shadox wurde speziell für den Einsatz in Gebäuden und Schützengräben konzipiert. Für den Kampf kann sie mit einem Gefechtkopf von 330 Gramm bestückt werden. Mit FPV-Drohnen soll Shadox nicht konkurrieren. "Dies ist eine Drohne für taktische Zwecke, die in erster Linie für die Bedürfnisse von Spezialeinheiten und Infanterie entwickelt wurde, wo ein schneller Start und eine einfache Bedienung wichtig sind", betont Davydenko.

Die Drohnenproduktion ermöglicht es der Ukraine, günstige Kampfmittel herzustellen. Eine Shadox soll 1.000 Dollar kosten. Der Preis könnte sinken, wenn sie in Massen produziert werden. Davydenko rechnet damit, zunächst 500 Stück produzieren zu lassen. Die Menge kann sich steigern.

"Transparentes Schlachtfeld" - Super-Drohne wird zum Nachteil für Putins Soldaten?

Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die individuellen Drohnen auf den Kriegsverlauf haben könnten. Für den schwedischen Investor und CEO von Front Ventures Jonas Malmgren bietet Shadox einige Vorteile. Zum einen verfügen sie über ein selbst entwickeltes Kontrollsystem, während FPV-Drohnen auf Standardkomponenten setzen. Dadurch kommt es seltener zu Störungen. Zum anderen verwies Malmgren auf einen weiteren Pluspunkt: "Es ist eine Drohne, die man direkt aus dem Rucksack nehmen kann und die innerhalb von 25 bis 30 Sekunden in der Luft ist." Damit könnten Soldaten schneller agieren, was gerade in Schützengräben hilfreich sein kann.

Die von Black Forest System verbreitete Vision, dass jeder Soldat seine eigene Drohne im Rucksack trägt, führt zu einem "transparenteren Schlachtfeld". Russische Soldaten können sich kaum noch unbemerkt bewegen, wenn jeder ukrainische Soldat die Möglichkeit hat, mit wenigen Handgriffen die Umgebung zu überprüfen und aus der Nähe anzugreifen. Zudem wird kein spezialisiertes Pilotenteam mehr nötig sein, weil Soldaten mit der Drohne alleine kämpfen können. Das könnte russischen Einheiten einen Nachteil bieten. Es erschwert es ihnen, die Drohnenfähigkeit einer ganzen Einheit zu unterbinden, wenn sie einen Spezialisten ausschalten. Gleichzeitig stellen die extrem kurzen Entwicklungszyklen in der Ukraine einen massiven technologischen Vorteil gegenüber den oft langsameren Beschaffungsprozessen dar. Es gibt direktes Feedback, wodurch sich die Drohnen weiterentwickeln lassen.

Inwieweit die Drohnen Russlands Kriegsführung gefährden könnten, wird sich zeigen. Die Drohnen sind noch nicht an der Front. Das Unternehmen hat aber bereits ein Investment von 400.000 US-Dollar erhalten.

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