Wladimir Putin: Kremlchef vor dem Sturz? Experte erkennt "ernsthafte Gefahr"
Russen, die den Krieg gegen die Ukraine ursprünglich befürworteten, äußern mittlerweile immer lautere Kritik an Wladimir Putin. Einem Experten zufolge muss der Kremlchef zudem die Rückkehr von ernüchterten Soldaten ins eigene Land fürchten.
Erstellt von Martin Gottschling - Uhr
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- Befürworter des Ukraine-Kriegs äußern zunehmend Kritik an Wladimir Putin
- Hintergrund sind unter anderem Internetabschaltungen und steigende Lebensmittelpreise in Russland
- Oppositionspolitiker Andrei Piwowarow sieht Putins Macht insbesondere durch aus der Ukraine zurückkehrende Soldaten bedroht
- Laut Ex-Verteidigungsattaché John Foreman ist der Kremlchef zudem mittlerweile international isoliert
Der Druck auf Wladimir Putin wächst. Die russischen Truppen vermelden in der Ukraine kaum noch Erfolge. Dem britischen Geheimdienst MI6 zufolge steht Kiew aktuell an der Front so gut da wie seit zehn Monaten nicht mehr.Darüber hinaus zieht der Kremlchef durch Internetabschaltungen und Sperren von Social-Media-Apps wie Telegram den Unmut der eigenen Bevölkerung auf sich. Selbst Hardliner, die ihn bislang unterstützten, wenden sich zunehmend gegen Putin. Einige Analysten sehen seine Macht deshalb in Gefahr.
Hardliner wenden sich gegen Wladimir Putin nach Telegram-Sperre in Russland
Wie das britische Boulevardblatt "The Sun" berichtet, äußerte sich zuletzt unter anderem die eigentlich kriegsbefürwortende Bloggerin Anastasia Kaschewarowa kritisch über Putin. "Zwischen Volk und Regierung wächst eine Mauer des Misstrauens und der Missverständnisse", schrieb sie. Im Zusammenhang mit den flächendeckenden Internetausfällen und der Telegram-Blockade äußerte sie kein Verständnis für das Verhalten der Regierungsbeamten. Zu den scharfen Worten der Kreml-Anhängerin sagte der 2024 aus einem Gefängnis entlassene Oppositionspolitiker Andrei Piwowarow gegenüber "The Sun":
- "Wir sehen eine Reihe kritischer Kommentare von Leuten, die bis vor Kurzem noch Teil der Kreml-Propagandamaschine waren. Für sie ist Telegram nicht nur eine Plattform. Es ist eine Quelle von Einfluss, Geld und Status. Wenn Telegram angegriffen wird, sehen sie das als direkte Bedrohung ihrer eigenen Position innerhalb des Systems."
Putin bald gestürzt? Aus Ukraine heimkehrende Soldaten könnten zu "ernsthafter Gefahr" werden
Außerdem ächzt die russische Bevölkerung unter steigenden Lebensmittelpreisen. Auch Unternehmen geraten unter Druck. Noch habe Putin laut Piwowarow aber die Kontrolle:
- "Es ist wichtig zu verstehen, dass Russland nach wie vor eine Diktatur ist, in der sich öffentliche Unzufriedenheit nicht automatisch in Proteste verwandelt. Sie wird von den Sicherheitsdiensten, Propaganda und Angst unterdrückt."
Größere Probleme könnte der Kremlchef dem Experten zufolge jedoch durch aus der Ukraine zurückkehrende Soldaten bekommen:
- "Diejenigen, die ursprünglich an den Kreml glaubten, und insbesondere diejenigen, die zum Kampf gezwungen wurden, könnten für Putin zu einer ernsthaften Gefahr werden."
Während sich die Lebensbedingungen der Menschen verschlechtern, würden Zweifel am Sinn des Krieges lauter:
- "Kaum jemand glaubt mehr an die alten Parolen von Entnazifizierung und Entmilitarisierung. Die Menschen fragen sich, warum täglich Tausende sterben, wofür. Das eroberte Land ist oft verwüstet, zerstört und selbst für die Besatzer wertlos."
Besonders stark ausgeprägt sei dieses Unmutsgefühl innerhalb der russischen Armee.
Muss der Kremlchef einen weiteren Putschversuch befürchten?
Piwowarow glaubt, dass ein Putsch, wie ihn die Söldnergruppe Wagner bereits im Juni 2023 versuchte, heute größere Aussicht auf Erfolg hätte:
- "Wenn ich mit aktiven Soldaten spreche, höre ich immer wieder, dass Prigoschin mit seinem Aufstand zu früh gehandelt hat. Sie sagen, wenn er es jetzt versuchen würde, würden alle marschieren."
Prigoschin selbst wird keinen zweiten Aufstand gegen den Kreml anzetteln können: Er starb im August 2023 unter mysteriösen Umständen bei einem Flugzeugabsturz.
Wladimir Putin laut Experte international zunehmend isoliert
Ein weiteres Problem für Putin erkennt John Foreman, ehemaliger britischer Verteidigungsattaché in Russland und der Ukraine. Nach dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien sowie den US-Angriffen auf den Iran und Venezuela sei Russland international isoliert da: "Russland spricht gern über seine Partner, aber ich glaube nicht, dass es überhaupt noch starke, wahre Freunde hat", so der Experte gegenüber "The Sun". Putin könne seine Verbündeten nur unzureichend unterstützen, während er selbst immer abhängiger von der neuen Großmacht China werde. Foreman prognostiziert den baldigen Sturz des Kremlchefs:
- "Ein weiterer Stoß, weitere getötete Russen, weitere Sanktionen oder Propaganda – und das wird das Fass zum Überlaufen bringen."
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gom/news.de
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