Dmitri Medwedew: Selenskyj-Attacke geht nach hinten los - Putin-Blogger zerlegen Ex-Kremlchef
Er wollte gegen Wolodymyr Selenskyj austeilen, doch plötzlich steht Dmitri Medwedew selbst im Feuer. Nach einer neuen Pöbel-Attacke auf Telegram kassiert der Putin-Vertraute ausgerechnet aus dem eigenen Lager scharfen Spott.
Von news.de-Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- Dmitri Medwedew bezeichnete Wolodymyr Selenskyj in einem Telegram-Video als "grünes Insekt"
- Mit seiner Tirade wollte der Putin-Vertraute den ukrainischen Präsidenten verspotten
- Doch selbst kremlnahe Z-Blogger reagierten mit scharfer Kritik und Spott
Er wollte einmal mehr gegen Wolodymyr Selenskyj austeilen, doch diesmal schlägt die Attacke auf Dmitri Medwedew selbst zurück. Der frühere russische Präsident und heutige Vizechef des russischen Sicherheitsrats hat den ukrainischen Staatschef in einem neuen Telegram-Video erneut wüst beschimpft. Medwedew bezeichnete Selenskyj als "grünes Insekt" und machte sich über dessen Reise in die Golfstaaten lustig. Doch was als Kreml-Hetze gedacht war, wurde schnell zum peinlichen Eigentor. Denn ausgerechnet pro-russische Militärblogger aus dem eigenen Lager reagierten mit Spott und stellten eine Frage, die in Moskau besonders weh tun dürfte.
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Medwedew verspottet Selenskyj nach Reise in die Golfstaaten
In dem auf Telegram veröffentlichten Video wetterte Medwedew gegen den ukrainischen Präsidenten in gewohnt scharfem Ton. "Es ist so lustig zu sehen, wie das grüne Insekt durch die Golfstaaten hüpft und Schutz vor Drohnen anbietet", sagte der Putin-Vertraute. Hintergrund der Tirade ist ein Vorstoß Selenskyjs in der Golfregion. Der ukrainische Präsident hatte den Staaten dort ukrainische Drohnenabwehrsysteme in Aussicht gestellt – ein Angebot, das Medwedew als "surreal" abtat. Doch dabei blieb es nicht. Mit der Frage, ob Selenskyjs nächste Reise wohl zum "Tijuana-Kartell" oder "Sinaloa-Kartell" führe, spielte Medwedew zusätzlich auf kriminelle Organisationen an und unterstellte dem ukrainischen Präsidenten indirekt Drogenkonsum.
Kreml-Blogger verhöhnen Medwedew-Auftritt
Brisant wurde der Auftritt aber vor allem deshalb, weil der Widerspruch diesmal nicht aus Kiew oder dem Westen, sondern aus dem pro-russischen Lager selbst kam. Mehrere kremlnahe Militärblogger – die sogenannten Z-Blogger – reagierten mit offener Verachtung auf Medwedews Rhetorik. "Diese Versuche, witzig zu sein, wären vielleicht angemessen – wenn sie wenigstens mit einem Hauch von Selbstreflexion einhergingen", schrieb ein kremlnaher Blogger auf Telegram. Er machte damit deutlich, was viele Hardliner offenbar zunehmend stört: die Kluft zwischen großspurigen Beleidigungen und der militärischen Realität. Der Blogger trifft die russischen Kriegspropaganda mitten ins Herz. Denn wenn der Gegner tatsächlich so schwach, lächerlich und bedeutungslos sei, wie Medwedew es darstellt, warum gelingt es Russland dann seit Jahren nicht, ihn entscheidend zu schlagen?
Der Blogger formulierte es drastisch: Wenn Selenskyj wirklich nur ein "grünes Insekt" oder ein "Nichts" sei – wie könne es dann sein, dass dieses angebliche "Insekt" die angeblich zweitgrößte Armee der Welt seit Jahren an der Nase herumführe? Noch schärfer fiel der nächste Punkt aus: "Warum zerstören die Drohnen dieses 'Nichts' systematisch unsere Häfen und Raffinerien, während wir uns in Metaphern üben?" Damit zielt die Kritik direkt auf einen wunden Punkt: Ukrainische Drohnenangriffe treffen immer wieder Ziele tief im russischen Hinterland, während Moskaus Propaganda gleichzeitig weiter mit Verachtung und martialischen Bildern arbeitet.
Z-Blogger rechnen brutal mit Medwedew ab
Am härtesten war am Ende das politische Fazit aus dem eigenen Lager. Der Blogger machte klar: Selenskyj sei aus russischer Sicht ein Feind, aber eben ein ernstzunehmender. Er müsse entsprechend behandelt werden – nicht als Witzfigur in sozialen Netzwerken, sondern als Gegner, der militärisch geschlagen werden müsse. Besonders vernichtend fiel dabei dieses Urteil aus: "Wenn du deinen Feind mit Dreck bewirfst, ohne ihn nach vier Jahren aktiver Kampfhandlungen auch nur aus den Grenzen der Volksrepubliken Luhansk und Donezk vertreiben zu können, demütigst du nicht ihn – du demütigst dich selbst und deine Armee." Das ist deshalb so brisant, weil die Kritik nicht von Oppositionellen, sondern ausgerechnet von kriegsnahen, loyalen Stimmen kommt, die Moskaus Kurs im Kern eigentlich stützen.
Warum die Kritik für Medwedew besonders unangenehm ist
Medwedew gilt seit Jahren als einer der lautesten und aggressivsten politischen Scharfmacher im Umfeld des Kremls. Gerade auf Telegram fällt er immer wieder mit Drohungen, Beleidigungen und martialischer Kriegsrhetorik auf. Doch genau diese Rolle wird für ihn zunehmend zum Problem, wenn selbst Unterstützer der russischen Kriegsführung anfangen, den Tonfall als peinlich, leer oder realitätsfern zu betrachten. Denn die Kritik zielt nicht nur auf seine Wortwahl. Sie zielt auf das, was dahintersteht: viel Pathos, viel Propaganda – aber keine entscheidenden militärischen Durchbrüche. Und genau diese Diskrepanz lässt sich inzwischen offenbar selbst im eigenen Lager immer schwerer übertönen.
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