Dmitri Medwedew: "Grünes Insekt" - Ex-Kremlchef pöbelt gegen Selenskyj

Neue verbale Eskalation aus Moskau: Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew greift den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Video frontal an – mit persönlichen Beleidigungen, Spott über dessen Nahost-Reise und einem besonders provokanten Kartell-Vergleich.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Wladimir Putin mit Dmitri Medwedew im Jahr 2020 (Foto) Suche
Wladimir Putin mit Dmitri Medwedew im Jahr 2020 Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Government/AP | Dmitry Astakhov
  • Dmitri Medwedew bezeichnet Selenskyj in einem Telegram-Video als "grünes Insekt"
  • Der russische Ex-Präsident verspottet dessen Sicherheitsangebot an die Golfstaaten
  • Mit einem Kartell-Vergleich und Drogen-Anspielungen verschärft Medwedew den Ton weiter

Die verbalen Attacken aus Moskau werden immer schriller. Jetzt hat der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Video scharf beleidigt und dabei erneut jede diplomatische Zurückhaltung vermissen lassen.

Dmitri Medwedew attackiert Wolodymyr Selenskyj mit wüsten Beleidigungen

In einem auf seinem Telegram-Kanal veröffentlichten Clip verspottet der frühere russische Präsident Selenskyjs jüngste Reise in die Golfregion und greift ihn mit drastischen Formulierungen persönlich an. Besonders auffällig: Medwedew wählte für seine Attacke eine bewusst entmenschlichende Sprache. "Es ist so lustig zu sehen, wie das grüne Insekt durch die Golfstaaten hüpft und Schutz vor Drohnen anbietet", sagte Medwedew. Der ukrainische Präsident hatte den Ländern der Region offenbar Unterstützung bei der Drohnenabwehr in Aussicht gestellt. Medwedew, der aktuell als stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrats fungiert, nannte dieses Angebot "surreal".

Der russische Politiker machte sich damit nicht nur über den ukrainischen Präsidenten lustig, sondern stellte auch dessen außenpolitisches Auftreten demonstrativ infrage. Auslöser der Attacke war offenbar Selenskyjs Vorschlag, den Golfstaaten ukrainische Drohnenabwehrsysteme anzubieten. Der ukrainische Präsident hatte am Donnerstag seine Ankunft in Saudi-Arabien bekanntgegeben. Dort seien nach seinen Angaben "wichtige Treffen" geplant gewesen. Vor dem Hintergrund der angespannten Sicherheitslage in der Region bot die Ukraine an, Drohnenabwehrsysteme bereitzustellen. Im Gegenzug hoffte Kiew demnach auf Patriot-Raketen.

Der Vorstoß zeigt, dass die Ukraine ihre sicherheitspolitischen Kontakte in der Region weiter ausbauen will – auch mit Blick auf den eigenen Verteidigungsbedarf. Seit dem 28. Februar führen die USA und Israel Luftangriffe auf iranisches Territorium durch, darunter auch auf die Hauptstadt Teheran. Berichten zufolge kam es dabei zu Zerstörungen und zivilen Opfern. Der Iran reagiert demnach mit Gegenangriffen auf israelisches Gebiet sowie auf amerikanische Militäreinrichtungen im Nahen Osten.

Medwedew legt nach – und zieht Drogenkartell-Vergleich

Doch Medwedew beließ es nicht bei Spott über Selenskyjs Reise. In dem Video verschärfte er den Ton noch einmal deutlich und griff den ukrainischen Präsidenten mit weiteren persönlichen Spitzen an. Er bezeichnete die Ukraine als "verschwindendes Land" und stellte deren militärische Fähigkeiten offen infrage. Dabei spielte er auch auf die Verwundbarkeit westlicher Partner in der Region an. Besonders provokant fiel sein nächster Seitenhieb aus. Mit Blick auf Selenskyjs künftige Reisen sagte Medwedew: "Wohin geht die nächste Reise? Am nächsten an den Interessen dieser Person liegt das Tijuana-Kartell. Oder das Sinaloa-Kartell?" Damit unterstellte er dem ukrainischen Präsidenten indirekt Drogenkonsum und versuchte, ihn mit kriminellen Organisationen in Verbindung zu bringen.

Warum Medwedews Ton politisch kalkuliert ist

Die Wortwahl ist kein Zufall. Medwedew gilt seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine als einer der lautesten und radikalsten Scharfmacher aus dem Machtapparat in Moskau. Immer wieder nutzt er soziale Medien und Videoformate, um westliche Staaten, die ukrainische Führung und internationale Unterstützer Kiews mit drastischer Sprache anzugreifen. Seine Aussagen dienen dabei nicht nur der persönlichen Herabwürdigung von Gegnern, sondern auch der politischen Inszenierung: Härte nach außen, Mobilisierung nach innen.

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