Landtagswahl: Gordon Schnieder bringt die CDU zurück
Sachlich, verbindlich, keine persönlichen Angriffe und vor allem keine Fehler: Gordon Schnieder hat einen ruhigen Wahlkampf in Rheinland-Pfalz geführt – wie es aussieht, mit Erfolg.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Gordon Schnieders hitzigster Moment im Wahlkampf war wohl der Angriff auf den AfD-Spitzenkandidaten Jan Bollinger in der SWR-Wahlarena. "Sie sollten sich schämen!", rief der 50 Jahre alte CDU-Spitzenkandidat dem Landeschef der AfD zu, von der er sich deutlich abgrenzt. Es ging um Äußerungen über die Abschiebung von Syrern mit deutschen Pässen. Zuvor hatte Schnieder bereits mehrmals klargemacht: "Keine Zusammenarbeit mit der AfD!" Wer mit ihr zusammenarbeite, müsse sich fragen, ob die CDU noch seine politische Heimat sei. Nun steht Schnieder vor einem großen Erfolg, scheint es ihm doch gelungen zu sein, einen Schlussstrich unter 35 Jahre Opposition in Rheinland-Pfalz zu ziehen.
Gegen den amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer (SPD) setzte der Herausforderer die ein oder andere Spitze, vor allem bei seinen Herzensthemen kommunale Finanzen und Bildung. Im direkten Duell mit Schweitzer im TV punktete der Mann aus der Eifel unerwartet angriffslustig. Aber beide wirkten auch wie künftige Koalitionäre. Persönlich wurde Schnieder nicht, Attacken überließ er seinem Generalsekretär – etwa mit einer Kampagne gegen Rot-Rot-Grün.
Zeichen standen schon lange auf GroKo
Dass CDU und SPD nach der Wahl erstmals in einer Regierung zusammenarbeiten könnten, schien schon lange sicher. Eine Neuauflage der amtierenden Ampel galt als extrem unwahrscheinlich, schon wegen der Schwäche der FDP. Der deutlich bekanntere Schweitzer mit dem Amtsbonus hatte mehr zu verlieren, als der noch unbekanntere jüngere Bruder von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Fehler vermeiden, sachlich bleiben, einige Punkte setzten, Kurs halten, aber nicht zu viel versprechen und nicht zu viel Kontroverse mit der SPD: Das waren Schnieders Leitplanken.
Schnieder kann eigentlich nur gewinnen
Schnieder hat die CDU erstmals als Spitzenkandidat in die Wahl geführt. Aus dem Machtkampf der Christdemokraten nach der verlorenen Wahl im Corona-Jahr 2021 ging er als Sieger hervor, die Partei versammelte sich hinter ihm, in der Hoffnung in der früheren Wirkungsstätte von Helmut Kohl endlich wieder an die Regierung zu kommen. Der aktuell starke Mann der rheinland-pfälzischen CDU führt als Spitzenkandidat auch Partei und Fraktion. Das war bei seinen der SPD zuletzt unterlegenen Vorgängern Julia Klöckner und Christian Baldauf nicht immer so.
Authentisch, bodenständig und geradeaus – so sehen ihn viele. Schnieder gilt als solider Redner, der sich eng an sein Manuskript hält. Anders als seinen Bruder zieht es ihn nicht nach Berlin, auch wenn er Mitglied im Bundesvorstand der Partei ist. Der CDU-Landeschef ist gelernter Diplom-Finanzwirt, hat in Nordrhein-Westfalen in der Finanzverwaltung gearbeitet und je drei Jahre in Köln und Bonn gelebt, bevor er in die Kreisverwaltung in den Eifelkreis Bitburg-Prüm wechselte. Denn er lebt gerne in der Eifel.
Familienmensch mit zwei Sammlungen
Familie ist Schnieder wichtig, er wohnt im Eifelort Birresborn mit drei Generationen in seinem Elternhaus. Er ist Vater von drei Kindern. Auch wenn er aus Termingründen nicht zu Hause übernachten kann, spricht er morgens als Erstes mit seinen Kindern und seiner Frau, wie er sagt. "Das ist mir heilig."
Er entspannt beim Wandern oder Radfahren, hat eine Briefmarken- und Münzsammlung, kocht und grillt gerne – und hat eine Schwäche für Gummibärchen und Schokolade. Außerdem hat er die Gabe, "immer und überall schlafen" zu können.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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