Landtagswahl: Schweitzers Devise: alles oder nichts

Ministerpräsident Schweitzer trat im Wahlkampf als erfahrener Landesvater, Regierungschef und Problemlöser auf – und hoffte auf den Bonus des Amtsinhabers.

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Bei der Landtagswahl wird das Parlament eines Bundeslands gewählt (Symbolbild). (Foto) Suche
Bei der Landtagswahl wird das Parlament eines Bundeslands gewählt (Symbolbild). Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

Sport-Fan Alexander Schweitzer sprach selbst vom "Kampf meines Lebens" und machte schnell klar: Sollte er die Landtagswahl gegen seinen Herausforderer Gordon Schnieder (CDU) verlieren, wird er nicht Minister in dessen Kabinett. Der 52-Jährige setzte im Wahlkampf auf den Kandidaten- und Amtsbonus. Wie es nach den Prognosen von ARD und ZDF aussieht, hat es wohl nicht gereicht. Auch wenn Schweitzer bei den Umfragen im direkten Vergleich mit Schnieder stets deutlich vorn lag.

Im Haustürwahlkampf wirkte der Landesvater neugierig, locker, bodenständig und humorvoll. In Diskussionsveranstaltungen trat Schweitzer auch staatsmännisch auf. Bürgern, die Probleme schilderten oder Fragen stellten, dankte er für ihr Engagement und stellte persönliche Lösungen in Aussicht.

Ihm sei gesagt worden, seine Landesregierung sei ein bisschen nachrichtenarm, berichtete er wenige Tage vor der Wahl. "Eigentlich ist das ein Lob für meine Landesregierung. Wir produzieren nicht den ganzen Tag Überschriften, sondern Ergebnisse", beschrieb er seinen Regierungsstil.

Schweitzer will für Lösungen stehen

Schweitzer spricht in der Regel frei, orientiert sich dabei an grafisch angeordneten Stichworten. "Ich schreibe keine Reden." Wichtig ist dem Regierungschef im Wahlkampf wie im Landtag die Konzentration auf seine Themen und Botschaften: "Blutrünstige Reden über politische Gegner werden Sie von mir nicht hören." Der Sozialdemokrat will für Lösungen und nicht für Streit stehen.

Bei seiner Wahl zum Nachfolger der zurückgetretenen Malu Dreyer im Juli 2024 konnte Schweitzer über Parteigrenzen hinaus punkten: Er bekam drei Stimmen mehr, als die amtierende Ampel-Regierung hat. Noch am Abend traf er sich mit den kommunalen Spitzenverbänden – statt zu feiern.

Die schwierige Finanzlage der Kommunen und eine Reform des Sozialstaats sind neben Bildung und Wirtschaft seit dem ersten Tag seiner Amtszeit Schwerpunkte seiner Politik. Damit setzt er andere Akzente als seine Vorgängerin. Als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz nimmt sich Schweitzer dieser Themen besonders an und geht auch mal auf Distanz zur Bundesregierung und zur eigenen Bundespartei, deren stellvertretender Vorsitzender er ist.

Schweitzer mag das Gespräch mit Bürgern

Seit seiner Wahl ist Schweitzer rastlos im Land unterwegs, sucht überall den Kontakt zu Bürgern und Bürgerinnen. "Am Ende zählt immer die Nähe zu den Menschen", ist seine Überzeugung. Damit ist er nah bei seinem Vorvorgänger Kurt Beck (SPD). Der langjährige Ministerpräsident (1994 bis 2013) soll Schweitzers politisches Talent entdeckt haben. Schweitzer erzählt gerne aus der Zeit, als er Wahlkampf für Beck gemacht hat. Beide sind Südpfälzer, Beck ist in Bad Bergzabern geboren, wo Schweitzer mit seiner Familie lebt.

Lob von Volker Wissing

Unerwartete Unterstützung bekam er vom früheren FDP-Landeschef und Ex-Bundesverkehrsminister Volker Wissing. "Rheinland-Pfalz wird seit Jahren gut regiert", sagte der inzwischen parteilose Wissing der "Rheinpfalz". Schweitzer sei verlässlich und verfüge über viel Erfahrung in verschiedenen Spitzenämtern. Die beiden kennen sich schon lange persönlich, aus der Zeit der ersten Ampel-Regierung in Rheinland-Pfalz und sie waren auf derselben Schule.

Kindheit auf einem Binnenschiff

Schweitzer ist der Sohn eines Binnenschiffers und wuchs die ersten sechs Jahre auf einem Schiff auf, wollte als Kind Schleusenwärter werden. Der 2,06 Meter große Mann ist glühender Fan des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Selbst hat er früher vor allem Basketball gespielt.

Familienmensch, Musik- und Sportfan

Musik gehört zu seinen Hobbys und Entspannungsquellen, Schweitzer ist großer Anhänger der Britpop-Band Oasis, ein Song von ihr wurde auch beim SPD-Landesparteitag in Kaiserslautern eingespielt. Seine Playlist mit den zehn All-Time-Favorites führt Taylor Swift nach dem "Palzlied" an, er trägt – wie viele Swift-Fans – ein buntes Friendship-Armband am Handgelenk. Schweitzer lebt seit rund zehn Jahren vegan und verzichtete im Wahlkampf auf Alkohol.

Mit seiner Frau Barbara, einer Lehrerin, hat er zwei Söhne im Alter von 15 und 16 Jahren. Zur Familie gehört auch die Tochter Lilly (27) aus einer früheren Beziehung – und der Hund Mimi.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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