Wladimir Putin: China verfolgt gezielte Erschöpfungsstrategie - Zwei-Fronten-Krieg befürchtet
Schon 2027 könnte China Taiwan militärisch angreifen – und Europa wäre nicht vorbereitet. China-Expertin Janka Oertel erklärt, warum Peking im Ukraine-Krieg ein doppeltes Spiel spielt und welches Albtraum-Szenario den Westen bedroht.
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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Der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in China steht im Schatten zweier brisanter Konflikte. Sowohl der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine als auch die wachsende Bedrohung Taiwans durch Peking prägen die Gespräche mit Staatschef Xi Jinping.
Chinas Rolle im Ukraine-Krieg
China unterstützt Russland aktiv bei dessen Krieg in Osteuropa. Gleichzeitig droht die kommunistische Führung dem demokratischen Inselstaat Taiwan regelmäßig mit einer militärischen Invasion. Für Europa steht dabei viel auf dem Spiel – Taiwan gilt als unverzichtbarer Lieferant für Computerchips, von denen zahlreiche Industriezweige abhängen.
Welche Ziele verfolgt der Kanzler bei seinem Treffen mit dem chinesischen Machthaber? Und was kann er realistisch erreichen? China-Expertin Janka Oertel vom European Council on Foreign Relations ordnet die geopolitische Lage ein.
Taiwan-Angriff schon 2027 möglich
Die Sicherheitsexpertin warnt vor einer militärischen Eskalation in der Taiwanstraße bereits im kommenden Jahr. Das Jahr 2027 "stand immer im Raum", erläutert Oertel im Podcast von "Bild". Ein Grund: Die chinesische Volksbefreiungsarmee begeht dann ihr 100-jähriges Bestehen. Zudem könnte US-Präsident Donald Trump nach den Zwischenwahlen im Herbst 2026 innenpolitisch geschwächt sein.
Großbritannien und Frankreich haben Peking bereits ihre Bedenken mitgeteilt. Nun sei Merz an der Reihe, diese Botschaft zu überbringen. Die Europäer wollen deutlich machen, "dass man sich große Sorgen macht über eine militärische Eskalation in der Taiwanstraße", so Oertel.
In europäischen Hauptstädten laufen bereits Planungen für den Ernstfall. Diskutiert werden mögliche Wirtschaftssanktionen, die Absicherung von Lieferketten und Hilfsmaßnahmen für vor Ort tätige Unternehmen.
Pekings kalkuliertes Spiel mit Moskau
Chinas Haltung im Ukraine-Konflikt folgt einem nüchternen Kalkül. Für Peking sei es "aus nationalen Sicherheitsgründen sehr vorteilhaft, dass Russland nicht nur nicht beschäftigt ist mit seiner Ostgrenze, sondern im Westen beschäftigt ist", erklärt Oertel. Ein militärisch erschöpftes Russland stelle keine Gefahr für China dar.
Dabei blickt die chinesische Führung auf eine konfliktreiche gemeinsame Geschichte zurück. Weite Gebiete im russischen Fernen Osten gehörten bis in die 1860er Jahre zu China – das habe man in Peking nicht vergessen, betont die Expertin.
Weder ein russischer Triumph noch eine Niederlage entspricht demnach Chinas Interessen. Entscheidend sei, dass die NATO keinen großen Sieg feiern könne und kein destabilisiertes Russland entstehe, das womöglich mit Washington kooperiere.
Europas Albtraum: Zwei Fronten gleichzeitig
Die enge Verbindung zwischen Xi Jinping und Wladimir Putin stellt Europa vor ein bedrohliches Szenario. Was geschähe, wenn Russland eine neue Offensive startet, während China gleichzeitig Taiwan angreift? Diese Frage müsse der Westen dringend beantworten, mahnt Oertel.
"Das sind die ganz konkreten Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen können und für die wir Vorbereitung treffen müssen", betont die Expertin. Eine solche Doppelkrise würde die westlichen Partner vor enorme Herausforderungen stellen.
Konkret geht es um die Sicherung der Rüstungsproduktion, den Schutz europäischer Unternehmen in der Region und die Koordination wirtschaftlicher Gegenmaßnahmen. Europa müsse sich auf eine mögliche Ablenkung an beiden Fronten einstellen.
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