"Freibrief für Ausbeutung": Gewerkschaften warnen vor Merz-Plänen

Fünf Gewerkschaften schließen sich zusammen und drohen mit Straßenprotesten gegen die Regierungspläne zur Lockerung der Arbeitszeitregeln. Unter dem Kampfmotto "Mit Macht für die 8!" formiert sich der größte gewerkschaftliche Widerstand seit Jahren.

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Die Gewerkschaften rufen zum Protest gegen die Pläne der Merz-Regierung auf. (Foto) Suche
Die Gewerkschaften rufen zum Protest gegen die Pläne der Merz-Regierung auf. Bild: picture alliance/dpa | Oliver Berg
  • Angriff auf den 8-Stunden-Tag: Gewerkschaften laufen Sturm gegen Pläne der Merz-Regierung
  • "Mit Macht für die 8!": Verdi, IG Metall & Co. bereiten bundesweite Proteste vor
  • Scharfe Warnungen: Gewerkschaftschefs sprechen von "Freibrief", "Chaos" und "arbeitspolitischem Weltbild aus dem vergangenen Jahrhundert"

Die deutschen Gewerkschaften machen gegen die Pläne der Bundesregierung zur Aufweichung des 8-Stunden-Tages mobil. Unter dem Kampfmotto "Mit Macht für die 8!" bereiten Verdi, IG Metall, IG BCE, IG BAU und NGG gemeinsam Protestaktionen vor.

Ende des 8-Stunden-Tages: Gewerkschaften rufen zum Widerstand gegen Merz-Plän auf

Verdi-Bundesvorsitzender Frank Werneke richtet deutliche Worte an die Regierung. Er warnt "eindringlich vor den negativen Folgen des geplanten Streichens der täglichen Höchstarbeitszeit", wie er gegenüber "Bild" erklärte. Die Reformvorhaben würden Arbeitgebern "einen Freibrief" ausstellen, um aus überlasteten Beschäftigten "das Letzte rauszuholen". Das geltende Arbeitszeitgesetz biete bereits ausreichend Spielraum für flexible Lösungen. Die Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, stellt sich ebenfalls hinter den Widerstand. "Demonstrationen, Aktionen, auf die Straße gehen und laut werden, das ist für uns als Gewerkschaft immer eine Möglichkeit", betonte sie. Scharfe Kritik kommt auch von Michael Vassiliadis, dem Chef der IG BCE. Er hält die Regierungspläne für "überflüssig wie ein Kropf". Eine deutliche Mehrheit von 77 Prozent der Industriebeschäftigten spreche sich gegen die Änderungen aus. Die Arbeitnehmer hätten kein Verständnis dafür, sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten um ihre Jobs sorgen zu müssen und gleichzeitig Debatten über 12-Stunden-Schichten zu erleben. Die Reformideen stammten aus "einem arbeitspolitischen Weltbild aus dem vergangenen Jahrhundert".

8-Stunden-Tag als Fundament sozialer Gerechtigkeit

Robert Feiger, Bundesvorsitzender der IG BAU, verteidigt die bestehenden Regelungen vehement. "Das bestehende Arbeitszeitgesetz funktioniert. Wer daran rüttelt, riskiert Chaos statt Fortschritt", warnt er. Der 8-Stunden-Tag sei "kein Relikt vergangener Zeiten, sondern ein Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit". Besonders besorgt zeigt sich Feiger um Beschäftigte ohne tarifvertraglichen Schutz. Für diese Gruppe bedeute eine Aufweichung der Regeln vor allem eines: verlängerte Arbeitszeiten bei weniger Erholungsphasen und erhöhtem Druck am Arbeitsplatz. Die Leidtragenden wären damit gerade jene Arbeitnehmer, die ohnehin über weniger Schutz verfügen.

Bessere Arbeitsbedingungen statt längerer Arbeitstage

Der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler richtet den Blick auf die besonders belastete Gastronomiebranche. Dort liege die Niedriglohnquote bei über 50 Prozent. Hinzu kämen hohe Arbeitsbelastung, Wochenenddienste und unregelmäßige Schichten. Zeitler hält die Regierungspläne für den falschen Ansatz im Kampf gegen den Fachkräftemangel. "Wer den Personalmangel ernsthaft bekämpfen will, muss Arbeitsbedingungen verbessern, statt Arbeitstage auf bis zu 13 Stunden auszudehnen", kritisierte er. Statt flexiblerer Arbeitszeiten brauche es attraktivere Konditionen, um Beschäftigte in der Branche zu halten.

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