Donald Trump: "Durchgeknallt" - selbst Experten fassungslos über den US-Präsidenten

Donald Trumps zweite Amtszeit überrascht selbst Verbündete. Experten warnen vor Radikalisierung, sehen aber auch Chancen für Europa, sich zu stärken und strategische Partnerschaften zu vertiefen.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Donald Trump: Laut Experten ist die zweite Amtszeit des Präsidenten radikaler als erwartet. (Foto) Suche
Donald Trump: Laut Experten ist die zweite Amtszeit des Präsidenten radikaler als erwartet. Bild: picture alliance/dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
  • Experten analysieren Donald Trumps zweite Amtszeit
  • Deutschland und Europa müssen innere Einigung stärken
  • USA bleiben Verbündeter, doch politische Spitze zeigt problematische Tendenzen

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Kaum ein Tag vergeht ohne neue Schlagzeilen aus dem Weißen Haus. Seit dem erneuten Amtsantritt von Donald Trump setzt der US-Präsident auf maximale Eskalation. Forderungen, Drohungen und politische Alleingänge prägen das Bild. Doch selbst innerhalb konservativer Netzwerke wächst das Unbehagen. In einem Podcast-Gespräch von Paul Ronzheimer analysierten der Ökonom Rüdiger Bachmann und der republikanisch vernetzte Politikwissenschaftler Armin Petschner-Multari die neue Lage. Das Fazit fällt ernüchternd aus.

Unerwartete Radikalität in der zweiten Amtszeit

Petschner-Multari räumt offen ein, die Dynamik unterschätzt zu haben und sagte: "Ich habe nicht gedacht, dass die zweite Amtszeit doch so durchgeknallt wird". Zwar sei klar gewesen, dass Trumps Rückkehr ins Weiße Haus konfrontativer ausfallen würde. Doch das Ausmaß habe selbst langjährige Beobachter überrascht. Der Wegfall interner Korrektive wie des früheren Vizepräsidenten Mike Pence habe ein Machtvakuum hinterlassen, das nun ungefiltert gefüllt werde. Besonders kritisch sieht er die stille Anpassung großer Teile der Republikanischen Partei. Hinter verschlossenen Türen werde zwar Zweifel geäußert, öffentlich jedoch kaum widersprochen.

Wo Donald Trump einen Punkt trifft und wo nicht

Trump-Kritiker Bachmann gesteht dem Präsidenten in einzelnen Punkten eine zutreffende Analyse zu. Die starke Gewichtung von Diversitätskriterien an US-Universitäten habe tatsächlich Leistungsprinzipien verdrängt. Diese Debatte werde inzwischen auch jenseits politischer Lager geführt. Gleichzeitig warnt Bachmann davor, berechtigte Kritik als Freibrief für autoritäre Politik zu missbrauchen. Die Grenzen zwischen Reform und ideologischer Abrechnung würden zunehmend verwischt.

Abschiebungen und Sicherheitsbehörden unter Druck

Besonders scharf fällt die Kritik an der aktuellen Praxis der US-Einwanderungsbehörde ICE aus. Brutale Einsätze und tödliche Zwischenfälle hätten eine neue Qualität erreicht. Petschner-Multari verweist auf strukturelle Probleme schlecht ausgebildeter Sicherheitskräfte, die in den USA kein neues Phänomen seien. Für Bachmann überschreitet die politische Reaktion jedoch eine rote Linie. Dass Vizepräsident J.D. Vance beteiligten Beamten faktisch Straffreiheit in Aussicht gestellt habe, sei ein Angriff auf rechtsstaatliche Grundsätze. Seine Wortwahl ist drastisch und lässt keinen Interpretationsspielraum.

Deutschland verliert Einfluss in Washington

Auch der Blick nach Europa fällt kritisch aus. Petschner-Multari wirft insbesondere der Union vor, über Jahre hinweg den Kontakt zu republikanischen Netzwerken vernachlässigt zu haben. Diese Lücke sei inzwischen von der AfD genutzt worden. Das habe Folgen für das Deutschlandbild in den USA. In konservativen Kreisen werde Europa zunehmend durch eine rechtspopulistische Brille wahrgenommen und mit negativen Auswirkungen auf diplomatische Beziehungen. Petschner-Multari räumt ein, dass dies aber ein Versagen von Deutschland selbst ist.

Streitpunkt Meinungsfreiheit auf beiden Seiten des Atlantiks

Die Diskussion um Meinungsfreiheit sorgt ebenfalls für Spannungen. Während Washington Europa Zensur vorwirft, sehen die Experten auch in den USA massive Eingriffe. Petschner-Multari kritisiert Melde- und Strafsysteme in Europa, Bachmann hält dagegen: Die US-Regierung selbst gehe gegen Presse, Wissenschaft und Kunst vor. Moralische Belehrungen seien daher wenig glaubwürdig. Das Vertrauen zwischen den Partnern leide zunehmend unter Doppelmoral und politischer Instrumentalisierung.

Verlässlichkeit weicht Unberechenbarkeit

Die Gespräche zeigen: Selbst Kenner konservativer Strukturen wirken alarmiert. Trumps Politik stößt längst nicht mehr nur bei Gegnern auf Skepsis. Die zweite Amtszeit offenbart eine Radikalisierung, die internationale Beziehungen belastet und alte Gewissheiten infrage stellt. Rudi Bachmann betonte, dass Europa auf sich selbst achten und eine stärkere innere Einigung anstreben sollte. Gleichzeitig riet er, dass Europa verstärkt auf Partnerschaften achten sollte, die seinen Werten näher stehen, etwa mit Ländern wie Kanada oder Australien. Europa werde zur Großmacht werden müssen, selbst gegen seinen eigenen Widerwillen. Armin Petschner-Multari sieht die USA weiterhin als Verbündeten und betonte, dass es trotz einzelner problematischer Akteure im Senat noch recht vernünftig zugeht. Seine Worte dazu: "Die Spitze hat ein Problem, aber der Mittelbau funktioniert immer noch."

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