Marco Rubio: "Gipfel der rückgratlosen Unterwürfigkeit" - Erklärungsversuche scharf kritisiert
Marco Rubio versucht Donald Trumps Aussagen, Venezuela nach dem Angriff führen zu wollen, abzumildern. Der US-Außenminister versucht sich in Interviews an Erklärungen. Doch Experten zeigen sich kritisch.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- Marco Rubio äußerte sich in Interviews nach Donald Trumps Äußerungen, dass die USA Venezuela nach dem Angriff führen
- Der US-Außenminister widersprach Trumps Aussagen, betonte aber, dass eine Ölblockade politische Veränderungen herbeiführt
- Rubio weicht Antwort über rechtliche Grundlage aus -Experten zeigen sich über Rubios Worte entsetzt
US-Außenminister Marco Rubio bemühte sich am Sonntag (04.01.2026), die kontroversen Äußerungen von Präsident Donald Trump nach dem US-Angriff auf Venezuela abzumildern. Das verärgerte einige Experten.
Marco Rubio rudert nach Trump-Aussage zurück
Trump hatte zuvor bei einer Pressekonferenz angekündigt, die USA würden Venezuela für einen unbestimmten Zeitraum "führen". In einem Interview bei CBS News' "Face the Nation" schlug Rubio einen anderen Ton an. Er sagte, dass Washington Venezuela nicht regieren werde, mit Hilfe einer bereits bestehenden Ölblockade aber politische Veränderungen in dem Land herbeiführen werde. Die Blockade sei ein "enormer Hebel" und bleibe so lange bestehen, bis zentrale Forderungen erfüllt seien. Es gehe darum, dass die riesigen Ölreserven Venezuelas nicht weiter unter der Kontrolle von Gegnern der USA stünden, sagte Rubio dem Sender NBC News.
Washington werde nicht zulassen, dass Venezuela zu einem Stützpunkt für Länder wie China, Russland, den Iran oder die proiranische Miliz Hisbollah werde, sagte er. Die Ausbeutung von Ressourcen durch externe Akteure, wie sie in anderen Weltregionen zu beobachten sei, werde Washington in Lateinamerika nicht akzeptieren. "Hier leben wir, und wir werden nicht zulassen, dass die westliche Hemisphäre als Operationsbasis für Gegner, Konkurrenten und Rivalen der Vereinigten Staaten dient", sagte Rubio. Die USA hatten in der Nacht auf Samstag Ziele in Venezuela angegriffen, Maduro und seine Frau wegen angeblicher Drogengeschäfte gefangen genommen und außer Landes gebracht.
Rechtliche Grundlage für Venezuela-Führung? Trumps Außenminister weicht Frage aus
Auch zur rechtlichen Grundlage für die von Trump angesprochene Kontrolle äußerte sich Rubio in einem Interview mit George Stephanopoulos für ABC News ausweichend. Rubio sprach stattdessen darüber, wie die aggressive Vorgehensweise der Trump-Regierung Venezuela davon abhalten würde, als "Knotenpunkt für viele unserer Gegner auf der ganzen Welt, darunter Iran und Hisbollah", zu fungieren. Der Journalist bekam keine Antwort auf seine Frage und hakte erneut nach. "Lassen Sie mich die Frage noch einmal stellen", sagte er. "Auf welcher rechtlichen Grundlage regieren die Vereinigten Staaten Venezuela?" Rubio blieb seiner Antwort treu, lieferte aber nur eine kurze Begründung. "Was unsere rechtliche Befugnis angeht (...) ist es ganz einfach: Wir haben Gerichtsbeschlüsse!", so Rubio. "Ich weiß nicht, ist ein Gericht keine rechtliche Instanz? Die rechtliche Instanz sind die Gerichtsbeschlüsse, die wir haben!" Auf welche Gerichtsbeschlüsse er sich beruft, ließ Rubio offen.
Experten entsetzt: Gefährlicher Präzedenzfall für die Weltordnung
Seine Äußerungen beruhigten Experten nicht. Die "New York Times" bezeichnete dies in Bezug auf Rubios Aussagen über die Ölblockade als deutliche Kurskorrektur gegenüber Trumps ursprünglichen Aussagen. Der linksgerichtete Podcaster Armand Domalewski bezeichnete das Vorgehen auf der Social-Media-Plattform X als "Wahnsinn". "Das Absurdeste daran ist vielleicht, dass wir militärische Gewalt einsetzen, um Venezuela dazu zu zwingen, die US-Ölindustrie ins Land zu lassen, obwohl diese selbst sehr zögert, die erforderlichen Investitionen zu tätigen", so der Podcaster. Die chinesische Menschenrechts- und Demokratieaktivistin Yaqui Wang sieht Amerikas Glaubwürdigkeit bei der regelbasierten internationalen Ordnung "völlig am Boden". Sie forderte ihre Kollegen auf, alternative Ansätze zur Förderung von Menschenrechten und Demokratie zu erkunden, die nicht auf US-Macht oder amerikanische Finanzierung angewiesen seien.
Tracy Westerman, Gründerin des Jilya Institute for Indigenous Mental Health, äußerte sich ebenfalls kritisch auf X. Die offizielle Begründung für das Vorgehen sei die Vollstreckung eines Haftbefehls gegen einen illegitimen, autoritären Machthaber gewesen. "Doch Venezuela wurde bombardiert, Berichten zufolge wurden Zivilisten getötet, und nun wird demselben Regime gesagt, es könne an der Macht bleiben, wenn es seinen Ölsektor für US-Unternehmen öffnet. Dieser Präzedenzfall ist gefährlich", schrieb sie.
Viele Nutzer zeigten sich auch nach dem Interview mit ABC entsetzt:
- "Rubio windet sich, um Trumps illegale Machtübernahme in Venezuela ohne einen Funken rechtlicher Begründung zu verteidigen – das ist der Gipfel der rückgratlosen Unterwürfigkeit", schreibt ein User.
- "Gerichtsbeschlüsse wofür genau – Festnahme, Inhaftierung oder Verwaltung", fragt sich ein Nutzer.
- "Stellen Sie sich einen Job vor, in dem Sie die meiste Zeit damit verbringen, der Öffentlichkeit zu erklären, was Ihr Chef gesagt haben wollte", heißt es in einem weiteren Kommentar.
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bos/loc/news.de/dpa/stg
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