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Taliban stellen neue Regierung vor: Vier saßen bereits in Guantánamo! SIE regieren jetzt Afghanistan

Die Taliban haben in Kabul ihre neue Regierung vorgestellt. 33 Männer, die nun Afghanistan regieren werden. Die meisten von ihnen sind keine Unbekannten. Vier von ihnen saßen bereits in Guantánamo und der Innenminister steht auf der Most-Wanted-Liste des FBI.

Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid spricht während einer Pressekonferenz. Bild: picture alliance/dpa/XinHua | Saifurahman Safi

Seit ihrer Machtübernahme bemühen sich die Taliban um eine gemäßigtere Außendarstellung als zu Zeiten ihrer Schreckensherrschaft zwischen 1996 und 2001. Am Dienstag haben sie nun Teile eines Übergangskabinetts für Afghanistan vorgestellt. Demnach wird der öffentlich wenig bekannte Mullah Mohammed Hassan Achund amtierender Vorsitzender des Ministerrats, was dem Amt eines Premierministers gleichkommt. Das erklärte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid bei einer Pressekonferenz in Kabul.

Taliban ernennen Mullah Mohammed Hassan Achund zum Premierminister

Die Ernennung Achunds als Regierungschef gilt als Überraschung. Er ist eines der Gründungsmitglieder der Taliban, war zuletzt im Führungsrat, der Rahbari Schura, und gilt als enger Vertrauter des Taliban-Führers Haibatullah Achundsada. Achund, der in Afghanistan Mullah Hassan genannt wird, hielt bereits während der ersten Taliban-Herrschaft wichtige Posten: UN-Angaben zufolge war er Außenminister und Gouverneur der Provinz Kandahar, aus der er stammt. Achund gilt als gemäßigt. Seit 2001 steht er im Zusammenhang mit den Handlungen und Aktivitäten der Taliban auf einer UN-Sanktionsliste.

Nach der Taliban-Machtübernahme: Diese Männer regieren nun Kabul

Taliban-Sprecher Mudschahid sagte, man habe sich darauf geeinigt, ein Übergangskabinett zu ernennen und bekanntzugeben, "um die notwendigen Regierungsarbeiten durchführen zu können". Insgesamt besetzten die Taliban 33 Posten. Natürlich wurden diese alle mit Männern und nicht einer einzigen Frau besetzt.

Zu einem von zwei Stellvertretern Achunds wurde Mullah Abdul Ghani Baradar ernannt, der bisherige Vizechef der Taliban. Er wurde nach seiner Freilassung aus pakistanischer Haft im Jahr 2018 das öffentliche Gesicht der Islamisten und unterzeichnete 2020 für die Taliban das Abkommen mit den USA unter anderem über ein Ende des US-geführten Militäreinsatzes in Afghanistan. Er telefonierte auch mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Die Ernennung von Achund zeige, "wie wenig wir im Westen über die Taliban wissen und ihre Entscheidungen voraussagen können", sagte der Afghanistan-Experte Thomas Ruttig von der Kabuler Denkfabrik Afghanistan Analysts Network. Vor der Bekanntgabe waren die allermeisten Beobachter davon ausgegangen, dass Mullah Baradar Regierungschef wird. Andere Personalien sind weniger überraschend. Mullah Jakub, der älteste Sohn des langjährigen, verstorbenen Taliban-Chefs Mullah Omar, wird Verteidigungsminister. Er soll etwa Mitte 30 sein und als Taliban-Vizechef die Milizen gesteuert haben.

Neuer Innenminister Afghanistans steht auf der Most-Wanted-Liste des FBI

Siradschuddin Hakkani, der dritte Vizechef der Taliban und Chef des berüchtigten Hakkani-Netzwerkes, wird Innenminister. Das Hakkani-Netzwerk wird für einige der grausamsten Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht, weshalb er auf der Most-Wanted-Liste des FBI steht. Die USA suchen den etwa Mitte-40-jährigen Hakkani mit einem siebenstelligen Kopfgeld.

Ex-Guantánamo-Häftling wirdChef des Geheimdienstes in Kabul

Als Aufsteiger innerhalb der Taliban-Reihen sehen Beobachter Amir Chan Motaki. Er war Bildungs- und Informationsminister während der Taliban-Herrschaft 1996 bis 2001 und wird nun Außenminister. Er gilt als eine der versöhnlichsten Figuren innerhalb der Bewegung und leitete bislang die Aussöhnungskommission der Taliban. Mit Abdul Hak Wasik wird ein ehemaliger Guantánamo-Häftling Chef des Geheimdienstes.

Vier Männer der neuen Regierung saßen in Guantánamo

Wasik ist nicht das einzige Mitglied der Übergangsregierung, welches inGuantánamo eingesessen hat. Wie die "Bild" berichtet saßen auch Norullah Noori (Minister für Grenzen und Stammesangelegenheiten), Mohammad Fazl (stellvertretender Verteidigungsminister) und Khairullah Khairkhah (Minister für Information und Kultur) zuvor im berühmt-berüchtigten US-Knast. Doch warum sitzen diese vier Männer nicht mehr in Guantánamo? Sie waren laut "Bild" von der US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama gegen den Amerikaner Boew Bergdahl ausgetauscht worden.

Neues Leben in Afghanistan unterliegt dem Scharia-Gesetz

Ein Frauenministerium findet sich bisher nicht auf der veröffentlichten Liste. Dafür wurde ein Ministerium für "Einladung, Führung, Laster und Tugend" eingeführt, das die Afghanen vom Namen her an das Ministerium "für die Förderung der Tugend und die Verhütung des Lasters" erinnern dürfte. Diese Behörde hatte während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 Menschen zum Gebet gezwungen oder Männer dafür bestraft, wenn sie keinen Bart trugen.

Afghanistan-Übergangsregierung besteht nur aus Mitgliedern der Taliban

Kritik an der Zusammensetzung des Kabinetts folgte prompt. Die Islamisten hatten zuletzt immer wieder betont, eine "inklusive Regierung" ernennen zu wollen. Kurz nach ihrer Machtübernahme hatten sie regelmäßig andere Politiker des Landes wie etwa den Ex-Präsidenten Hamid Karsai oder den bisherigen Leiter des Hohen Versöhnungsrates, Abdullah Abdullah, zu Gesprächen getroffen. Ihrer Ankündigung wurden sie nun aber nicht gerecht: Bei allen bisher bekannten Besetzungen handelt es sich um Taliban-Mitglieder.

Die Frage der Inklusivität ist relevant, da viele westliche Regierungen davon abhängig machen, ob sie die künftige Regierung anerkennen und das Land, das massiv von ausländischen Hilfsgeldern abhängig ist, unterstützen werden. "Mit so einem Taliban-Kabinett wird die Welt Afghanistan nicht mal mit einem Dollar helfen", schrieb ein afghanischer Journalist auf Twitter.

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fka/bua/news.de/dpa