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Donald Trump vs. Joe Biden: "Würden Sie mal die Klappe halten, Mann?" SO lief das katastrophale TV-Duell

US-Präsident Trump und sein Herausforderer Biden standen erstmals vor der Wahl im November gemeinsam auf einer Bühne. Sie lieferten sich eine hitzige Debatte und überzogen sich gegenseitig mit Vorwürfen. SO lief das katastrophale TV-Duell.

Donald Trump beim TV-Duell in Cleveland. Bild: dpa

In der heißen Phase des US-Wahlkampfes sind der republikanische Amtsinhaber Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer erstmals direkt aufeinandergetroffen. Bei der ersten TV-Debatte am Dienstag (Ortszeit) in Cleveland im Bundesstaat Ohio ging es unter anderem um die Corona-Pandemie, das Oberste US-Gericht, die Integrität der Wahl und die Lage der US-Wirtschaft. Kommentatoren bezeichneten das TV-Duell als chaotisch, als ein schreckliches Durcheinander oder die schlimmste Debatte, die es je gegeben habe.

SO lief die TV-Schlacht vor der US-Wahl
TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden
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US-Wahlen 2020: Erstes TV-Duell zwischen Trump und Biden

TRUMPS BEHAUPTUNG: "Er (Biden) will unser Land schließen."

BEWERTUNG: Das ist irreführend.

FAKTEN: Biden verspricht, die Corona-Pandemie mit Hilfe einer nationalen Strategie einzudämmen. So sagte er etwa, dass er dabei dem Rat von Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten folgen würde. Falls diese zur Eindämmung der Pandemie neue Ausgangsbeschränkungen empfehlen sollten, würde er dem Folge leisten, sagte Biden. "Ich wäre bereit, alles Nötige zu tun, um Leben zu retten", sagte er im Gespräch mit dem Fernsehsender ABC. In den USA gibt es mehr als sieben Millionen bestätigte Corona-Infektionen und mehr als 205 000 Todesfälle - so viele wie in keinem anderen Land der Welt.

Der Trump-Herausforderer Joe Biden hier im Porträt

TV-Debatte Trump vs. Biden fünf Wochen vor der US-Wahl

TRUMPS BEHAUPTUNG: Man wisse nicht, wie viele Corona-Tote es in China, Russland und Indien gebe.

BEWERTUNG: In der absoluten Formulierung stimmt das nicht.

FAKTEN: Es gibt weltweite Vergleichszahlen, etwa von der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität. Diese nutzt für ihre Angaben zum Beispiel nationale Gesundheitsbehörden oder die Weltgesundheitsorganisation WHO als Quellen sowie lokale Medienberichte. Demnach sind etwa in Indien bislang mehr als 96 000 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Die USA mit mehr als 205 000 Toten stehen in relativen Zahlen weltweit an der Spitze. Experten gehen allerdings von hohen Dunkelziffern aus.

Corona-Debatte beim TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden

BIDENS BEHAUPTUNG: Einer von Tausend Afroamerikanern ist im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Bewertung: Richtig.

Joe Biden traf in Cleveland auf Donald Trump. Bild: dpa

FAKTEN: Die unabhängige Forschergruppe APM Research Lab hat Daten aus fast allen US-Bundesstaaten ausgewertet. Sie zeigen, dass einer von 1020 schwarzen Amerikanern nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben ist. Das entspricht rund 98 Todesfällen auf 100 000 Menschen. Einen so großen Anteil gibt es bei keiner anderen ethnischen Gruppe in den USA. Bei Indigenen sind es rund 82 Todesfälle auf 100 000 Menschen, bei Weißen nur rund 47.

"Masken sind nicht gut": Trump spricht sich gegen Maskenpflicht aus

TRUMPS BEHAUPTUNG: Der Immunologe und Präsidentenberater Anthony Fauci habe gesagt, "Masken sind nicht gut". Dann habe er seine Meinung geändert.

BEWERTUNG: Das ist eine vereinfachte Darstellung.

FAKTEN: Fauci hat in einem Interview mit dem Sender CBS News Anfang März - also zu einem frühen Zeitpunkt der Pandemie in den USA - gesagt: "Derzeit sollten Leute in den Vereinigten Staaten nicht mit Masken herumlaufen." Fauci begründete dies mit dem Mangel an Schutzmasken für Kranke und medizinisches Personal. Zudem sagte er, dass Masken nicht den "perfekten Schutz" böten, den Menschen annähmen. Die Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt seit Anfang April, dass im Kampf gegen das Coronavirus auch gesunde Menschen ohne Symptome Stoffmasken in der Öffentlichkeit tragen sollten. Fauci weist immer wieder darauf hin, dass sich der Kenntnisstand über das Virus und die Verbreitung über die Monate verändert habe und sich Empfehlungen dadurch auch ändern können.

Trump attackiert Bidens Sohn Hunter bei TV-Duell

TRUMPS BEHAUPTUNG: Bidens Sohn Hunter hat 3,5 Millionen Dollar von der Witwe des früheren Bürgermeisters von Moskau, der Unternehmerin Elena Baturina, bekommen.

BEWERTUNG: Dafür liegen keine Beweise vor.

FAKTEN: Die Republikaner im US-Senat haben die Geschäfte von Hunter Biden unter die Lupe genommen und in der vergangenen Woche einen Bericht dazu veröffentlicht. Darin schreiben sie, dass Baturina im Februar 2014 ein Beraterhonorar in Höhe von 3,5 Millionen US-Dollar auf das Bankkonto der Firma Rosemont Seneca Thornton überwiesen haben soll. In dem Bericht heißt es zudem, dass Hunter Biden 2013 die Investmentgesellschaft mitbegründet habe. Dass Hunter Biden das Geld direkt bekommen haben soll - wie Trump sagt - geht nicht daraus hervor.

Hunter Bidens Anwalt, George Mesires, sagte nach der Veröffentlichung des Berichts US-Medien wie der "Washington Post", dass sein Mandant weder Anteile an der Firma gehalten habe noch ein Mitbegründer von ihr war. Der Vorwurf, Hunter Biden habe 3,5 Millionen US-Dollar von Baturina erhalten, sei demnach falsch.

Alle Infos rund um das TV-Duell zwischen Trump und Biden bei news.de. Bild: dpa

Trump warnt vor Wahlbetrug durch Briefwahl

TRUMPS BEHAUPTUNG: Die Wahl "wird nicht gut enden".

BEWERTUNG: Das ist rein hypothetisch.

FAKTEN: Trump traf seine Aussage mit Blick auf die Briefwahl. Wegen der Corona-Pandemie wird damit gerechnet, dass viel mehr Wähler als in normalen Jahren ihre Stimme per Post abgeben. Trump warnt immer wieder vor massivem Wahlbetrug bei einer großflächigen Briefwahl, hat dafür allerdings keine stichhaltigen Beweise angeführt.

Mehrere demokratisch regierte US-Staaten, darunter Washington, Kalifornien, Nevada oder New Jersey, senden Briefwahlzettel an jeden registrierten Wähler. Auch im republikanisch regierten Utah werden Briefwahlzettel an jeden registrierten Wähler geschickt. FBI-Chef Christopher Wray sagte kürzlich im Senat, in den USA habe es bislang keinen Wahlbetrug im großen Stil gegeben, sondern von Zeit zu Zeit Fälle auf lokaler Ebene.

CBS-Blitzumfrage: Zwei Drittel von Fernsehdebatte zwischen Trump und Biden genervt

Die erste Fernsehdebatte vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat eine große Mehrheit der Amerikaner vor allem als anstrengend empfunden. In einer Blitzumfrage des Senders CBS sah eine knappe Mehrheit den demokratischen Herausforderer Joe Bilden als Sieger im Schlagabtausch mit Präsident Donald Trump.

Befragt nach ihrem überwiegenden Gefühl beim Anschauen der Debatte antworteten in der CBS-Blitzumfrage mehr als zwei Drittel (69 Prozent), die Diskussion habe sie vor allem verärgert. Nur 31 Prozent fühlten sich davon unterhalten. In der Umfrage mit mehreren Antwortmöglichkeiten gaben zudem 19 Prozent an, sie seien nach der Sendung pessimistisch. Lediglich 17 Prozent erklärten, die Debatte sei für sie informativ gewesen.

Den Ton der Diskussion, bei der vor allem der republikanische Amtsinhaber Trump seinem Herausforderer wiederholt ins Wort fiel, empfanden 83 Prozent der Befragten als negativ, nur 17 Prozent als positiv. Auf die Frage, wer die Debatte gewonnen hat, nannten 48 Prozent Biden und 41 Prozent Trump. Rund zehn Prozent bewerteten den Ausgang als unentschieden.

Debatte Trump vs. Biden: Aktuelle Termine weiterer TV-Duelle

Nach dem 29. September treffen die Präsidentschafts-Kandidaten noch bei zwei weiteren TV-Duellen aufeinander:

Am Donnerstag, 15. Oktober, im Adrienne Arsht Center in Miami, Florida.
Am Donnerstag, 22. Oktober, in der Belmont University in Nashville, Tennessee.

Das TV-Duell zwischen dem aktuellen Vizepräsidenten Mike Pence und Kamala Harris, Vizepräsidentschaftskandidatin der Demokraten, findet am Mittwoch, 7. Oktober, in der University of Utah in Salt Lake City statt.

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sba/hos/news.de/dpa