16.06.2020, 10.58 Uhr

Coronavirus-News aktuell: 400 Millionen Impf-Dosen gesichert! DAS steckt hinter Spahns Plan

Weltweit suchen Forscher nach einem Corona-Impfstoff. Nun schließen vier EU-Staaten - darunter auch Deutschland - einen Vertrag mit einem Pharmakonzern über Hunderte Millionen Impfdosen ab. Was weiß man über den Wirkstoff?

Die Bundesregierung hat einen Impfstoff-Deal mit einem Pharmakonzern. Bild: news.de-Fotomontage (dpa; AdobeStock / Khunatorn)

Weltweit hoffen Menschen auf einen Impfstoff, um die Verbreitung des Coronavirus endlich zu stoppen. Nun haben Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande am Wochenende mit einem Pharmakonzern AstraZeneca einen Vertrag bis zu 400 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus geschlossen, wie das Bundesgesundheitsministerium am Samstag in Berlin mitteilte. Im günstigsten Fall könnte die Entwicklung des Impfstoffs schon zum Jahresende abgeschlossen sein, hieß es weiter.

Coronavirus-News aktuell: Impfstoff-Deal mit Pharmakonzern! Spahn bestellt 400 Millionen Impfdosen

Das Pharmaunternehmen hatte nach eigenen Angaben zuvor schon ähnliche Vereinbarungen unter anderem mit Großbritannien, den USA und Indien über insgesamt 1,7 Milliarden Impfdosen abgeschlossen. Dabei geht es um den an der britischen Universität Oxford entwickelten Covid-19-Impfstoff AZD1222. Der beruht auf einer abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem das Virus Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Die Impfung soll das Immunsystem auf Trab bringen, damit es den Erreger im Falle einer Infektion unschädlich machen kann. In den kommenden Monaten soll der Impfstoff in einer Studie, die im Mai begonnen hat, an insgesamt gut 10.000 Erwachsenen geprüft werden.

"Dieses Projekt ist momentan am weitesten fortgeschritten", sagt der Leiter des Instituts für Virologie der Universität Marburg, Stephan Becker, der selbst einen ähnlichen Impfstoff erforscht. "Die bisherigen Daten zeigen, dass AZD1222 eine Immunantwort auslöst. Ob der Impfstoff tatsächlich vor Sars-CoV-2 schützt, kann man noch nicht genau sagen."

Gesundheitsminister sicher: "Impfstoff ist einzige endgültige Lösung für Covid-19"

"Viele Länder der Welt haben sich schon Impfstoffe gesichert, Europa noch nicht", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag zum Vertragsabschluss. Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza betonte, der Versuchsprozess sei in einem "fortgeschrittenen Stadium" und werde im Herbst abgeschlossen. Dann könne bis Ende des Jahres mit der Verteilung der ersten Tranche begonnen werden. "Der Impfstoff ist die einzige endgültige Lösung für Covid-19", schrieb er auf Facebook.

Die vier EU-Staaten haben sich laut Bundesgesundheitsministerium zu einer Impfallianz zusammengeschlossen und sind mit mehreren Unternehmen im Gespräch, die an Impfstoffen forschen. "Damit Impfstoffe sehr zügig nach einer möglichen Zulassung in diesem oder im nächsten Jahr in großer Zahl verfügbar sind, müssen Produktionskapazitäten schon jetzt vertraglich gesichert werden", hieß es.

Pharmakonzern bereitet Massenproduktion für Corona-Impfstoff vor

Nach Angaben des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa) gab es im Mai weltweit mehr als 120 Impfstoff-Projekte, von kleinen Firmen wie Biontech aus Mainz oder Curevac in Tübingen bis zu Konzernen wie Sanofi und GlaxoSmithKline. Doch wann eine Impfung zugelassen wird, weiß derzeit niemand. Noch vor kurzem wurden für die Entwicklung solcher Wirkstoffe Zeiträume von vielen Jahren veranschlagt. Neue Technologien und Vorgehensweisen könnten den Prozess jedoch beschleunigen: So bereitet etwa AstraZeneca schon jetzt die Massenproduktion des Präparats vor.

Wie lange die britische Studie braucht, um belastbare Resultate zu erbringen, hängt auch vom Verlauf der Pandemie ab: "Wenn die Übertragungsrate hoch bleibt, könnten wir in einigen Monaten genug Daten haben, um zu beurteilen, ob die Impfung funktioniert", schrieb die Universität Oxford. "Aber wenn die Übertragung abfällt, könnte dies bis zu sechs Monate dauern." Daher würden in der Studie vor allem Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko wie etwa Mitarbeiter im Gesundheitswesen getestet. Möglicherweise, so der Experte Becker, sei es sinnvoll, Teile der Studie in Regionen auszulagern, in denen die Epidemie noch akut sei.

Und wenn die Impfung doch nicht schützt oder andere Hersteller schneller sind? Die Uni Oxford räumt ein, dass ein beträchtlicher Teil der Impfstoffe in klinischen Studien scheitert. Dafür, so das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage, gebe es Vertragsklauseln. Auf jeden Fall, sagt der Virologe Becker, sollten Staaten mehrere Impfstoff-Projekte im Auge behalten: "Es macht Sinn, seine Eier nicht nur in ein Nest zu legen."

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bua/loc/news.de/dpa

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