Migrationskrise in Ceuta: Hat Marokko die Grenze geöffnet? Neue Fragen nach Massenansturm
Eine Tragödie erschüttert Europas Außengrenze: Beim Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta starben mindestens 67 Menschen im Meer. Während Rettungskräfte weiter nach Opfern suchen, wächst der politische Streit über die Verantwortung für die Katastrophe. Nun geraten Marokko, Spanien und die EU zunehmend unter Druck.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Mindestens 67 Menschen starben beim Versuch, von Marokko schwimmend nach Ceuta zu gelangen
- Spanien und EU-Vertreter prüfen, warum der Massenansturm offenbar nahezu ungehindert möglich war
- Die Krise entfacht erneut Streit über Europas Grenzschutz und das gemeinsame Asylsystem
Eine Tragödie erschüttert Europas südlichste Außengrenze: Beim verzweifelten Versuch, die spanische Exklave Ceuta zu erreichen, sind mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen ertranken im Meer, als sie von Marokko aus schwimmend die nur wenige Kilometer entfernte EU-Grenze überwinden wollten.Seit Freitagnachmittag bargen Einsatzkräfte der spanischen Guardia Civil weitere Leichen aus dem Wasser. Die Suche nach möglichen weiteren Opfern wurde am Samstag fortgesetzt. Parallel dazu versuchen Spanien und die EU, die Hintergründe des außergewöhnlichen Massenansturms aufzuklären.
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Schwere Vorwürfe gegen Marokko nach Massenansturm auf Ceuta
Die Lage in Ceuta hatte sich nach dem dramatischen Ansturm inzwischen beruhigt. Nach Angaben des spanischen Außenministers José Manuel Albares sind fast alle der bis zu 60.000 irregulär eingereisten Menschen inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Viele hätten dort keine Möglichkeit für Unterkunft, Versorgung oder eine Weiterreise gesehen. Doch die Bilder der vergangenen Tage bleiben: Tausende Menschen, die über Zäune, Strände und das Meer versuchten, europäisches Gebiet zu erreichen.
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Für besondere Brisanz sorgen Berichte über das Verhalten der marokkanischen Behörden. Spanische Sicherheitskreise berichten, dass Grenzpolizisten kurz vor Beginn des Massenansturms ihre Posten verlassen hätten. Erst später hätten Sicherheitskräfte mit Tränengas und Wasserwerfern eingegriffen. Auch mehrere Migranten schilderten ähnliche Beobachtungen. Der 26-jährige Youssef Alaoui berichtete gegenüber der "New York Times", marokkanische Polizisten hätten den Menschen sogar den Weg gezeigt: "Sie sagten immer nur: 'Geht dort entlang, geht dort entlang'." Spanische Behörden vermuten einen Zusammenhang mit den angespannten Beziehungen zwischen Madrid und Rabat. Besonders kritisch beobachtet Marokko jede Annäherung Spaniens an Algerien – unter anderem wegen des ungelösten Westsahara-Konflikts.
Gerichtsurteil sorgt für Gerüchte über sichere Einreise
Eine weitere Entwicklung könnte den Ansturm zusätzlich verstärkt haben. Kurz zuvor hatte Spaniens Oberster Gerichtshof entschieden, dass Menschen, die Ceuta schwimmend erreichen oder aus dem Meer gerettet werden, nicht automatisch nach Marokko zurückgebracht werden dürfen. Stattdessen müsse jeder Fall individuell geprüft werden. In sozialen Netzwerken verbreitete sich daraufhin schnell die Behauptung, wer es bis nach Ceuta schaffe, sei vor einer Abschiebung geschützt. Nach Einschätzung der spanischen Regierung könnte dieses Gerücht zahlreiche Menschen zu dem lebensgefährlichen Versuch bewegt haben.
Die Ereignisse sorgen inzwischen auch in Brüssel für Alarm. Experten der 27 EU-Mitgliedstaaten kamen zu einer Krisensitzung zusammen. Im Mittelpunkt stehen mögliche Hilfen für Spanien sowie die diplomatischen Folgen des Konflikts mit Marokko. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner erklärte nach einem Gespräch mit Außenminister Albares: "Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten." Für Ceuta und Melilla gelten innerhalb des Schengen-Raums Sonderregeln. Eine Weiterreise aufs spanische Festland ist nicht automatisch möglich.
Streit in Europa: Länder fordern härteren Grenzschutz
Die Krise verschärft die ohnehin hitzige Debatte über Migration in Europa. Mehrere Regierungen reagierten mit scharfen Forderungen: Italien setzte das Schengen-Abkommen gegenüber Spanien vorübergehend aus und führte wieder Kontrollen ein. Frankreich verstärkte die Überwachung an der Grenze zu Spanien. Deutschland kündigte eine Verlängerung der bestehenden Grenzkontrollen an. Finnland forderte strengere Konsequenzen für Länder, die ihre Außengrenzen nicht ausreichend schützen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte: "Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration."
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Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez wehrte sich gegen Vorwürfe aus anderen EU-Staaten. Auf der Plattform X schrieb er: "Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig – die Einhaltung der europäischen Verträge hingegen nicht."Er warnte davor, Europa durch die Krise zu spalten. Währenddessen blieb die Lage angespannt: Am Freitagabend versuchten rund 500 Menschen, die zweite spanische Exklave Melilla zu erreichen. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften.
Neue EU-Asylreform steht vor erster Bewährungsprobe
Die Ceuta-Krise trifft die EU zu einem heiklen Zeitpunkt. Das reformierte Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) ist erst seit wenigen Wochen aktiv und muss nun erstmals zeigen, ob der neue Krisenmechanismus funktioniert. Dieser sieht vor, dass EU-Staaten betroffene Länder unterstützen und Verantwortung teilen. Doch genau dieses Solidaritätsprinzip steht nun erneut auf dem Prüfstand. Die Frage bleibt: Kann Europa seine Außengrenzen gemeinsam schützen – oder droht der nächste Streit zwischen den Mitgliedstaaten?
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bua/news.de/dpa/stg
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