Hannover/Bremen: Bäume umgestürzt, Camp geräumt - aber auch Naturschauspiel
Der Nordwesten erlebt ein wechselhaftes Wetter-Wochenende. Umgestürzte Bäume richten Schäden an, ein Zeltlager für Kinder wird geräumt. Das Hurricane-Festival hat erst einmal Glück.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Ein abgetriebenes Schiff, mehrere umgestürzte Bäume und ein fliegendes Hochzeitszelt: Unwetter über dem Nordwesten haben am Wochenende an vielen Orten die Einsatzkräfte gefordert. Auf Norderney gab es aber auch schöne Facetten des Wetters zu beobachten. Und das Hurricane-Festival blieb zunächst vom befürchteten Gewitter und Starkregen verschont.
Obwohl am Sonntagmorgen eine Gewitterfront mit Starkregen über Teile Niedersachsens hinwegzog, blieben die Folgen zunächst überschaubar. In Hameln meldete die Regionalleitstelle eine vollgelaufene Baugrube und einen verstopften Gullydeckel. In Pattensen bei Hannover schlug ein Blitz in einen Dachfirst ein. Meldungen über Verletzte gab es nicht.
Zeltlager mit etwa 300 Kindern beendet
Weil es zu heftig stürmte, musste in Moormerland im Landkreis Leer nach Angaben der Polizei am Samstag ein Zeltlager mit etwa 300 Kindern geräumt werden. Zusammen mit der Feuerwehr wurden die Kinder nach Hause gebracht oder von ihren Erziehungsberechtigten abgeholt. Alle blieben unverletzt.
Hitze beim Hurricane-Festival
Beim 30-jährigen Bestehen des Hurricane-Festivals in Scheeßel krachte es zunächst nur auf den Bühnen. Das für Samstagabend befürchtete Gewitter zog offenbar vorüber. Wegen der hohen Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius waren bei den rund 78.000 Besucherinnen und Besuchern auf dem Musikfestival in der Gemeinde zwischen Bremen, Hannover und Hamburg vor allem Sonnencreme und Wasser gefragt.
Für negative Schlagzeilen sorgten zwei mutmaßliche Ticketbetrüger. Eine 35-Jährige und ein 34-Jähriger sollen nach Polizeiangaben mehrere Festivalbesucher betrogen haben. Wie genau die Taten abliefen, wie viele Festivalgäste betrogen wurden und wie hoch der Schaden ist, wird noch ermittelt.
Ostfriesland heftig betroffen
In Ostfriesland waren die Einsatzkräfte ganz besonders gefordert. In Leer und Emden rückten Polizei und Feuerwehr nach vorläufigen Angaben zu mehr als 70 Einsätzen aus. Auf dem Schützenfestgelände in der Gemeinde Uplengen im Landkreis Leer stürzte ein Baum auf einen Schaustellerwagen, auch hier wurde einer Mitteilung der Feuerwehr zufolge niemand verletzt.
In Emden stürzte ein großer Baum auf ein Wohnhaus, das anschließend aus Sicherheitsgründen evakuiert wurde. Ferner meldeten die Einsatzkräfte: Umgestürzte Bäume beschädigten zwei Autos; eine als Rettungsweg notwendige und von Bäumen und Ästen blockierte Straße musste geräumt werden; eine Baustellenabsicherung stürzte auf einer Länge von etwa 80 Metern in einen Graben.
Hochzeitszelt fliegt davon
In Aurich entstanden vor allem durch umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste Schäden an Dächern oder Fassaden. Die Feuerwehr aus der Gemeinde Ihlow berichtete zudem von einem Einsatz bei einer Hochzeitsfeier. Dort sei das Zelt einer Hochzeitsgesellschaft durch den Sturm auf ein Scheunendach geweht worden. Von den etwa 50 Feiernden sei niemand verletzt worden, teilte ein Feuerwehrsprecher mit. Das auf dem Scheunendach liegende Festzelt musste ihm zufolge aber Stück für Stück auseinandergebaut werden.
Leinen gerissen – 180-Meter-Schiff treibt ab
Im Emder Hafen gaben die Leinen eines unter der Flagge Panamas fahrenden Autotransporters bei Windböen von teils mehr als 150 Kilometern pro Stunde nach. Dabei hatte der Kapitän des Schiffes in Erwartung eines Unwetters zusätzliche Leinen veranlasst, wie die Wasserschutzpolizei mitteilte. Dennoch trieb das knapp 180 Meter lange Schiff ab. Nur durch den Einsatz mehrerer Schlepper und das Fallenlassen beider Buganker konnte ein komplettes Querschlagen im Hafenbecken verhindert werden.
20-jähriger Autofahrer leicht verletzt
In Delmenhorst stürzte in der Nacht ein durch den Sturm entwurzelter Baum auf ein fahrendes Auto. Der 20 Jahre alte Fahrer wurde dadurch laut Polizei leicht verletzt. Der Wagen war nicht mehr fahrbereit.
Clevere Tricks bei Reitturnier in Luhmühlen
Bei den deutschen Meisterschaften im Vielseitigkeitsreiten trotzten die Reiter und ihre Pferde mit Elektrolyten für Mensch und Tier den Temperaturen um die 30 Grad Celsius. "Wir sind Profis", sagte Olympiasiegerin Julia Krajewski in Luhmühlen. Nach dem Ritt und einer ersten Abkühlung im Schatten der Bäume im Zielbereich würden die Pferde mittels eisgekühltem Wasser abgekühlt, schilderte die Reiterin.
Naturschauspiel am Strand
Die schönen Facetten des Sommerwetters durften die Menschen auf Norderney erleben. Am Nordstrand der ostfriesischen Insel ließ sich in der Nacht zu Samstag Meeresleuchten beobachten. Nach einer Beschreibung vom BUND handelt es sich dabei um ein ganz besonderes Naturschauspiel. An Nord- und Ostsee kann ein Massenauftreten winziger, einzelliger Planktonalgen demnach ein blau-grünliches Aufblitzen auslösen.
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