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Christian Drosten: "Dies ist ein Notruf!" Virologe weist auf dramatische Corona-Lage hin

"Dies ist ein Notruf!" Es sind ungewöhnlich deutliche Worte, die Virologe Christian Drosten am Donnerstag auf Twitter mit Blick auf die Zahlen des Divi-Intensivregisters zur Belegung der Intensivbetten an die Öffentlichkeit richtet.

Christian Drosten setzte bei Twitter einen Corona-Notruf ab.  Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Christian Drosten formuliert ungern Handlungsempfehlungen für die Politik. Umso überraschender dürfte für einige der aktuelle Tweet des Chef-Virologen der Berliner Charité gewesen sein. Darin richtet er deutliche Worte an die Öffentlichkeit. "Dies ist ein Notruf", warnt der Coronavirus-Experte.

Christian Drosten auf Twitter: "Dies ist ein Notruf"

Christian Drosten twittert seltener als seine Kollegen. Allgemein meidet der Virologe das Licht der Öffentlichkeit eher, als es zu suchen. Umso mehr Dringlichkeit drückt sein aktueller Tweet auf dem Kurznachrichtendienst Twitter aus, in dem er einen Tweet von Christian Karagiannidis, dem wissenschaftlichen Leiter des "DIVI"-Intensivregisters (Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) zur Belegung der Intensivbetten teilt. "Christian Karagiannidis ist wissenschaftlicher Leiter des #DIVI Intensivregisters. Hierher stammen die Daten zur Belegung der Intensivbetten. Dies ist ein Notruf", schreibt Drosten.

Divi-Leiter Karagiannidis twittert beängstigende Grafik

Karagiannidis teilt eine Grafik, die die Belegung der Intensivbetten laut DIVI-Register zeigt. Die Belegung der Intensivbetten bewege sich demnach mittlerweile auf einem Niveau zwischen 4000 und 5000. Ab einer Belegung von 5000 bis 6000 müssen Krankenhäuser auf einen Notbetrieb umstellen. "Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen bevor Ihr reagieren wollt??? Wir verpassen jede Ausfahrt zur Senkung der Zahlen. Unser Prognosemodell im Abgleich mit den realen Zahlen (in Grün) spricht Bände. Bitte handelt endlich!" fleht Karagiannidis in seinem Tweet.

"Städte wie #Bonn oder #Bremen oder #Köln haben kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder #covid Patienten!", fährt der Mediziner in seinem Thread fort und erklärt: "Einen instabilen Patienten kann man NICHT einfach dorthin verlegen wo gerade Platz ist. Ein freies Bett in Ostwestfalen hilft da NICHT."

Dr. Uwe Janssens besorgt - Krankenhäuser müssen auf Notbetrieb umstellen

Auch der ehemalige Divi-Chef Dr. Uwe Janssens hatte am Mittwoch auf eine drohende Überlastung der Krankenhäuser hingewiesen."Wenn das so weiter geht, werden wir in Kürze auch leider Gottes über 5.000 Covid-19-Patienten haben", erklärte Janssens im Gespräch mit ntv und RTL. Die Berliner Charité hatte bereits bekannt gegeben, ab nächster Woche planbare Eingriffe zurückfahren zu müssen. Das berichtet unter anderem "Focus online".

Divi warnt seit Wochen steigender Zahl an Intensivpatienten

Die Divi warnt seit Wochen davor, dass die Zunahme der Corona-Infektionszahlen sich auch in den Krankenhäusern zeigen werde. Zahlreiche Modellierungen sagten die derzeitige Situation in der Gesundheitsversorgung seit Wochen voraus. Die Politik blieb dennoch tatenlos. Das stößt auch auf Twitter auf Unmut. "Währenddessen schwafelt @MpStephanWeil von entspannter Lage in den Krankenhäusern und schwärmt von zurückgehenden Zahlen - alle wissen, dass die Zahlen wegen fehlender Erfassung sinken und die Betten erst mit Verzug belegt werden!", antwortet etwa eine Userin auf Christian Drostens Tweet.

Coronavirus-News: Twitter-User sauer auf die Politik

"Wie oft und verzweifelt sollen die Wissenschaft und die Medizin eigentlich noch flehen, damit politisch endlich gehandelt wird?", fragt sich ein anderer Nutzer. "Ich habe ja das Gefühl, dass die politischen Entscheider vor den lauten Covidioten und vor Lobbyisten in die knie gegangen sind - vielleicht weil die Mehrheit die durchaus Verständnis hat für Massnahmen (und auch noch mehr fordert) nicht laut genug ist", äußert ein Nutzer einen Verdacht. Wir dürfen gespannt sein, ob die Politik sich noch zum Handeln bewegen lassen kann.

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sig/news.de