07.01.2021, 19.54 Uhr

Coronavirus-News am Donnerstag: Saarland erlaubt Ausnahmen bei Kontaktbeschränkungen

Die Corona-Pandemie hält Deutschland weiter in Atem. Das Saarland will nun wie Berlin Ausnahmen bei den Kontaktbeschränkungen erlauben. Hier erfahren Sie die neuesten Informationen, Zahlen und Fakten zur Coronavirus-Krise.

Kanzleramtschef Helge Braun räumte Fehler ein. "Wir hätten schon Mitte Oktober entscheidender und deutlicher handeln müssen", so der CDU-Mann. Bild: picture alliance/dpa/dpa-pool | Michael Kappeler

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 26.391 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 1070 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI am Donnerstagmorgen bekanntgab. Der Höchststand von 1129 neuen Todesfällen war am 30. Dezember erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33 777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden - darin waren jedoch 3500 Nachmeldungen enthalten.

Coronavirus-News: Aktuelle RKI-Zahlen, Sieben-Tage-Inzidenz und Todesfälle im Überblick

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Donnerstagmorgen bei 121,8. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch enorm: Die höchsten Inzidenzen hatten Sachsen mit 269,8 und Thüringen mit 232,4. Den niedrigsten Wert hatte Bremen mit 74,0. Wegen der Feiertage sind die Wochenwerte aber ebenfalls mit Vorsicht zu bewerten.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 1.835.038 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 07.01., 00.00 Uhr). Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 37.607. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1.474.000 an.

R-Wert in Deutschland aktuell bei 0,83

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Bericht vom Mittwoch bei 0,83 (Dienstag: 0,81). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 83 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Das RKI betonte, dass der R-Wert wegen der Verzögerungen gegebenenfalls unterschätzt werde.

Coronavirus-News aus Deutschland am Donnerstag (07.01.2021) im Überblick

Die aktuellen Geschehnisse und Entwicklungen rund um die Coronavirus-Pandemie lesen Sie hier in unserem News-Ticker zur aktuellen Corona-Lage.

+++ Saarland erlaubt Ausnahmen bei Kontaktbeschränkungen +++

Das Saarland will bei den verschärften Corona-Bestimmungen mit Blick auf die Kontaktbeschränkungen wie auch Berlin Härtefälle berücksichtigen. Das gaben Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und seine Stellvertreterin Anke Rehlinger (SPD) am Donnerstag nach einer Kabinettssitzung bekannt, bei der Änderungen der Rechtsverordnung für Maßnahmen in der Corona-Pandemie beschlossen worden waren. Die verschärften Regeln gelten ab Montag bundesweit.

So soll im Saarland eine wechselseitige Kinderbetreuung zwischen zwei festen Bezugshaushalten zulässig sein und auch, dass statt einem zwei Kinder zur Betreuung bei den Großeltern abgegeben werden dürfen. Außerdem können beispielsweise Tochter und Ehemann gemeinsam pflegebedürftige Eltern besuchen. Auch in Berlin soll es eine Ausnahmeregelung für Alleinerziehende geben.

Die Länderchefs hatten sich am Dienstag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf geeinigt, dass private Zusammenkünfte nur noch im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstandes mit maximal einer weiteren Person gestattet sind.

Die Runde im Saarland entschied zudem, dass auch die Bewegungsbeschränkungen in Hotspots weniger restriktiv als in anderen Bundesländern ausfallen sollten: Die 15-Kilometer-Grenze für Landkreise, die eine Sieben-Tages-Inzidenz von über 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner aufweisen, soll explizit nur für tagestouristische Ausflüge gelten. Private Besuche können dadurch noch möglich sein.

+++Ramelow: "Richtiger Lockdown" zur Pandemiebekämpfung nötig +++ 

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für noch weitreichendere Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus ausgesprochen. "Wir müssen endlich in einen richtigen Lockdown gehen", sagte der Linke-Politiker im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitag). Er ärgere sich, nicht bereit gewesen zu sein, den Dezember mit seinen vielen Feiertagen für eine bundesweit Generalpause zu nutzen. "Alles, was nicht lebensnotwendig ist oder systemisch nicht abgestellt werden kann, hätte vier Wochen lang angehalten werden müssen."

Eine permanente Verlängerung von Einzelmaßnahmen, die aber insgesamt nicht zum Austrocknen des Virus führten, sei ein teurer und falscher Weg. Ramelow kritisierte auch die Ungleichheit der bisherigen Maßnahmen, für die ausschließlich Gastronomen, Hoteliers, Künstler und Solo-Selbstständige, Schausteller und alle Kinder zur Pandemieabwehr in Verantwortung genommen würden - die gesamte weitere Wirtschaft aber so tue, als wäre nichts.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe den heftigen Anstieg der Infektionszahlen schon im Oktober vorausgesagt. "Die Kanzlerin hatte Recht, und ich hatte Unrecht", sagte Ramelow rückblickend. Der Thüringer Landeschef hatte sich lange gegen besonders harte Maßnahmen in der Pandemie gestemmt.

+++ Erstmals neue Variante des Coronavirus in Sachsen nachgewiesen +++

In Sachsen ist erstmals die neue Variante des Coronavirus aus Großbritannien nachgewiesen worden. Wie das Gesundheitsministerium des Landes am Donnerstag mitteilte, trat die Mutation bei einer Person aus Dresden auf, die aus Großbritannien zurückgekehrt war.

Das Gesundheitsamt gehe nicht davon aus, dass die Gefahr einer weiteren Verbreitung bestehe, hieß es. Die betroffene Person habe sich nach der Ankunft in Dresden sofort in Quarantäne begeben. Die Virus-Variante sei durch ein strichprobenartiges Screening positiver Proben beim Robert Koch-Institut nachgewiesen worden.

In Sachsen lag die sogenannte 7-Tage-Inzidenz am Donnerstag bei 269,8. Der Wert gibt an, wie viele Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen verzeichnet worden sind. Sachsen bleibt damit wie seit Wochen schon Negativ-Spitzenreiter. Bundesweit lag der wichtige Corona-Kennwert nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 122. Die Daten sind derzeit aber noch schwierig zu interpretieren, weil es über den Jahreswechsel Verzögerungen gegeben hat.

Angesichts der angespannten Situation in Sachsen und der nun festgestellten neuen Virus-Variante fordert die Gesundheitsministerin des Landes, Petra Köpping (SPD), die Maßstäbe bei der Verteilung der Impfstoffe zu überdenken. "Bisher erfolgt die Verteilung des Impfstoffes nach der Einwohnerzahl der Bundesländer. Ich glaube, dass auch andere Faktoren bei neuen Lieferungen eine Rolle spielen sollten."

+++ Kanzleramtschef Helge Braun: Hätten schon im Oktober entscheidender handeln müssen +++

Kanzleramtschef Helge Braun hat im Interview mit "RTL/ntv" Fehler im Umgang mit der Corona-Pandemie eingeräumt. Er erklärte, dass sich die zweite Welle auf der Ministerpräsidentenkonferenz am 14. Oktober bereits abgezeichnet hätte. "Wir haben diesen Vorsprung, den wir den ganzen Sommer lang hatten, erst aufgebraucht, bevor wir angefangen haben, dann konsequenter zu handeln. Auch die Lockdown-Maßnahmen im November seien ja erkennbar nicht genug gewesen", gestand Braun im Interview und fügte an: „Das heißt: Wir hätten schon Mitte Oktober entscheidender und deutlicher handeln müssen," sagt er weiter.

+++ Mehr als 417 000 Covid-19-Impfungen beim Robert Koch-Institut erfasst +++

Die Zahl der ans Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Impfungen gegen Covid-19 in Deutschland ist im Vergleich zum Vortag um mehr als 46 000 gestiegen. Seit dem Beginn der Impfkampagne Ende Dezember ist das Mittel damit nun mindestens 417 060 Menschen gespritzt worden. Diese Gesamtzahl ergibt sich aus bisherigen Meldungen der Bundesländer, wie aus einer RKI-Statistik vom Donnerstag (Stand: 11.00 Uhr) hervorgeht. Pro 1000 Einwohner sind bundesweit demnach bisher fünf Menschen gegen die Krankheit geimpft worden.

Die meisten Impfungen pro 1000 Einwohner wurden laut der Statistik bisher für Mecklenburg-Vorpommern erfasst (13,5), die wenigsten für Thüringen (2,5). In absoluten Zahlen kommt Bayern auf den höchsten Wert von mehr als 84 000 Geimpften laut RKI. Die Werte, die den Behörden der einzelnen Bundesländer vorliegen, können deutlich höher liegen als die vom RKI gemeldeten, da die Meldungen teilweise mit einigem Verzug an das Institut übermittelt werden.

Die meisten Menschen - mehr als 201 000 - wurden laut RKI-Daten aus beruflichen Gründen geimpft. Es kann sich dabei zum Beispiel um Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte mit sehr hohem Ansteckungsrisiko und um Personal in der Altenpflege handeln. Zudem wurde das Präparat inzwischen mehr als 168 000 Bewohnern von Pflegeheimen verabreicht. Die Impfungen können derzeit auch wegen hohes Alters und/oder aus medizinischem Anlass geboten sein.

+++ Präsenzunterricht ab 11. Januar in Berlin +++

Wie aus einer Pressemitteilung der Berliner Senatsverwaltung hervorgeht, möchte Berlin ab dem 11. Januar den Präsenzunterricht wieder aufnehmen. Der Unterricht soll demnach in den Klassen 9 bis 13 wieder in den Schulen stattfinden. Ab dem 18. Januar sollen die Klassen 1 bis 3 folgen, und ab 25. Januar die Klassen 4 bis 6.

+++ Schüler von deutschem Privatgymnasium in England in Quarantäne +++

Eine Schülergruppe einer Privatschule aus Torgelow (Mecklenburgische Seenplatte) befindet sich derzeit in Großbritannien in Quarantäne. Dabei handelt es sich um elf Mädchen und Jungen einer neunten Klasse und zwei Betreuer des Schlossgymnasiums mit Internat bei Waren an der Müritz, wie Leiter Mario Lehmann am Donnerstag sagte. Die Klasse sei am Montag von Berlin aus mit allen nötigen Genehmigungen zu einem regulären Schüleraustausch in die Nähe von Oxford geflogen, dort dann aber von den plötzlich verhängten Corona-Schutzmaßnahmen in England überrascht worden. Die Schüler kommen aus acht Bundesländern, darunter Berlin, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Zuvor hatte der Neubrandenburger «Nordkurier» über den Fall berichtet. An der Internatsschule Torgelow lernen 250 Schüler aus Deutschland und dem Ausland.

Die betroffenen Neuntklässler waren die zweite neunte Klasse, die in diesem Schuljahr - ungeachtet der Corona-Einschränkungen in Deutschland - aus Torgelow den Schüleraustausch mit England praktizieren sollte. Sie waren mit negativem Tests aus den Weihnachtsferien nach Berlin gekommen und von dort geflogen. "Wenn die zehn Tage Quarantäne in England um sind, können sie an die englische Schule, aber dort lernen derzeit nur internationale Schüler", sagte Lehmann. Die englischen Schüler dürften derzeit dort nicht zur Schule. Insofern müssen entschieden werden, ob der Austausch Sinn mache oder die Gruppe lieber wieder zurückgeholt werde.

Das Internatsgymnasium habe für den Internatsbetrieb in Torgelow eine Ausnahmegenehmigung des Kreises. Bevor der Schulbetrieb nach dem Jahreswechsel startete, seien alle Schüler und Mitarbeiter getestet worden. Dabei habe es einen positiven Fall bei einem Betreuer gegeben, der aber keinen Kontakt zu anderen hatte.

+++ Merkel: Haben schwerste Monate der Pandemie noch vor uns +++

Bei der Corona-Pandemie in Deutschland ist aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch keine Entwarnung möglich. "Natürlich haben wir die schwersten Monate - das kann man glaube ich erahnen - der Pandemie noch vor uns", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin bei der Klausurtagung der CSU-Abgeordneten im Bundestag. Dies sei jedoch «gepaart mit einem Stück Hoffnung" durch die inzwischen zur Verfügung stehenden Impfstoffe.

Merkel sagte, gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Deutschland würden nach der Corona-Pandemie "eine noch größere Herausforderung" werden. "Es ist für mich auch die Voraussetzung dafür, dass die Fliehkräfte in unserem Lande nicht immer größer werden", betonte die Bundeskanzlerin.

 

 

+++ Umfrage: Mehrheit gegen Impfpflicht im Kampf gegen Corona +++

Eine Mehrheit der Deutschen lehnt eine Impfpflicht im Kampf gegen die Corona-Pandemie ab. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich 56 Prozent gegen eine zwingende Immunisierung gegen das gefährliche Virus aus. 33 Prozent befürworteten einen solchen Schritt dagegen. 11 Prozent machten keine Angaben.

Nach dem Infektionsschutzgesetz könnte das Bundesgesundheitsministerium mit Zustimmung der Länder im Bundesrat eine Impfpflicht "für bedrohte Teile der Bevölkerung" anordnen, "wenn eine übertragbare Krankheit mit klinisch schweren Verlaufsformen auftritt und mit ihrer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist". Für den Kampf gegen die Corona-Pandemie hat die Bundesregierung aber auf einen solchen Schritt verzichtet.

Eine große Mehrheit von 62 Prozent lehnt auch Vorteile für Menschen ab, die gegen das Coronavirus geimpft sind. Denkbar wäre zum Beispiel, dass Restaurants, Hotels oder auch Fluggesellschaften nur Geimpfte als Gäste oder Passagiere zulassen. Nur sechs Prozent würden das uneingeschränkt befürworten. Weitere 23 Prozent wären dafür, wenn gesichert ist, dass die Geimpften das Virus nicht übertragen können - dafür gibt es bisher noch keine ausreichenden Erkenntnisse.

+++ Kinderschutzbund kritisiert geplante Kontaktbeschränkungen für Kinder +++

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, kritisiert, dass Kinder unter 14 Jahren nicht mehr von den strengeren Corona-Kontaktbeschränkungen ausgenommen sein sollen. "Ich kann nur für unsere Kleinen hoffen, dass die Ausnahme bleibt", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). Kinder bräuchten für ihre Entwicklung Gleichaltrige, um sich zu messen und zu spielen. Auch für die Eltern bedeute eine Verschärfung in diesem Punkt eine "Katastrophe". Viele seien bei der Betreuung von Kindern auf die Hilfe von Familie oder Nachbarn angewiesen. Das aber werde durch die geplante Maßnahme teilweise unmöglich gemacht.

Bund und Länder hatten sich am Dienstag unter anderem auf eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen geeinigt. Alle aktuellen Corona-Maßnahmen finden Sie hier noch einmal im Überblick.

+++ SPD bekräftigt Kritik an Impfstoffbeschaffung +++

Die SPD lässt mit ihrer Kritik an der Beschaffung von Impfstoffen gegen das Coronavirus nicht locker. SPD-Bundesvize Kevin Kühnert hielt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) abermals vor, zu zögerlich bei der Bestellung gewesen zu sein. Zuvor hatten bereits mehrere SPD-Politiker Spahn dafür verantwortlich gemacht, dass Deutschland beim Impfen weniger weit als andere Länder ist. Unterdessen wurde bekannt, dass das Tübinger Unternehmen Curevac und der Chemiekonzern Bayer bei Weiterentwicklung, Produktion und Vertrieb eines Corona-Impfstoffes zusammenarbeiten wollen.

+++ Angela Merkel gab 70 Millionen Corona-Impf-Dosen von Biontech weg +++

Einem Medienbericht zufolge hatte sich Deutschland deutlich mehr Impf-Dosen des Herstellers Biontech gesichert, gab diese allerdings freiwillig aus der Hand. Denn zunächst sei das Mittel in der EU auf Ablehnung gestoßen. Hier erfahren Sie mehr!

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sba/news.de/dpa