30.04.2020, 08.32 Uhr

Todesschüsse in Gelsenkirchen: Hausdurchsuchung eskaliert - Polizist trotz Schutzkleidung erschossen

Bei einer Hausdurchsuchung im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen ist am Mittwoch ein SEK-Beamter erschossen worden. Der Polizist wurde trotz Schutzkleidung tödlich verletzt, der mutmaßliche Schütze konnte festgenommen werden.

In Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) ist ein Beamter des Sondereinsatzkommandos bei einer Hausdurchsuchung erschossen worden (Symbolbild). Bild: Friso Gentsch / picture alliance / dpa

Bei einem SEK-Einsatz in Gelsenkirchen ist am Mittwochmorgen ein Polizist getötet worden. Der 28-jährige Beamte soll von einem Beschuldigten in einem Drogen-Ermittlungsverfahren durch einen Schuss tödlich getroffen worden sein, sagte ein Sprecher der Polizei Gelsenkirchen. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.

Schüsse bei Hausdurchsuchung in Gelsenkirchen: Polizist (28) getötet

Demnach seien die tödlichen Schüsse gefallen, als die Polizei mit Unterstützung eines Sondereinsatzkommandos in der Augustin-Wibbelt-Straße im Gelsenkirchener Stadtteil Buer anrückte. In den Morgenstunden sollten die Beamten das Haus eines 29 Jahre alten Mannes durchsuchen, gegen den der Verdacht des Besitzes und Handels mit Drogen bestand.

Was die Drogenfahnder dem 29-jährigen Gelsenkirchener genau vorwerfen, dazu machten die Behörden zunächst keine Angaben. Nur so viel: Bis dahin sei der Mann der Polizei nicht bekannt gewesen. Nun wird nicht nur wegen Drogenbesitzes und -handels gegen den Gelsenkirchener ermittelt, sondern auch wegen der Tötung eines Polizisten.

Polizei will mutmaßlichen Drogendealer filzen - doch der schießt einfach los

Im Vorfeld der Razzia seien die Beamten davon unterrichtet worden, dass der Verdächtige im Besitz von Waffen sein könnte, weshalb das SEK den Einsatz begleitete. Die für solche Situationen vorbereiteten, mit Westen und Helmen ausgestatteten Kollegen des SEK waren deshalb eingebunden worden. Sie sollten helfen, die Wohnung sicher zu betreten. Als sich die Polizei Zugang zu dem Wohnhaus verschaffte, fielen der "Bild" zufolge Schüsse - mindestens zwei Mal soll der 29-Jährige geschossen haben, verriet Polizeisprecher Christopher Grauwinkel der "Bild".

SEK-Beamter in Gelsenkirchen trotz Schutzkleidung erschossen

Laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) sollen die Schüsse beim Öffnen der Wohnungstür gefallen und durch das Türblatt gegangen sein. Einer verfehlte die Truppe, ein anderer traf den jungen Kollegen, wie Grauwinkel berichtete. Die angegriffenen Polizisten hätten das Feuer erwidert, aber den Tatverdächtigen nicht getroffen.

Eines der Geschosse traf einen 28 Jahre alten Polizisten in der Brust - und das, obwohl der Beamte eine schusssichere Weste trug. Ersten Erkenntnissen zufolge sei der Schuss durch eine Armöffnung der Schutzkleidung eingedrungen und habe den Beamten tödlich verletzt. Der Polizist wurde in eine Klinik gebracht, starb dort jedoch wenig später."Die Schutzkleidung schützt nicht den ganzen Körper", erklärte Grauwinkel. "Auch geschulte Spezialkräfte können nun mal bei einem solchen Angriff verletzt werden."

Mordkommission soll tödliche Schüsse auf Münsteraner Polizisten (28) aufklären

Nach den tödlichen Schüssen auf den Polizisten des SEK aus Münster hat eine Mordkommission die weiteren Ermittlungen übernommen. Um den Fall neutral bearbeiten zu können, zeichnen Beamte aus Krefeld für die Ermittlungen verantwortlich. Der 29-jährige mutmaßliche Schütze sei ohne Widerstand festgenommen worden.

Spurensicherung nach tödlichen Schüssen auf Polizisten im Einsatz

Flatterband ist am Vormittag quer durch den Garten des Mehrfamilienhauses mit brauner Klinkerfassade gespannt. Polizisten der Spurensicherung in weißen Schutzanzügen gehen ein und aus, sammeln hinter der geöffneten Tür zum Treppenhaus Beweise, um den Tathergang zu rekonstruieren. Der mutmaßliche Schütze wohnte in der Dachgeschosswohnung. Am Fenster jault ein Hund, der zum 29-Jährigen gehören soll.

Polizei trauert um erschossenen Kollegen: "Wir sind unendlich traurig"

Die nordrhein-westfälische Polizei reagierte betroffen auf den Verlust des noch jungen Kollegen. Umgehend taten viele Dienststellen in den sozialen Medien ihre Bestürzung kund und sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus. "Wir sind unendlich traurig", hieß es da. Oder: "Wir trauern mit den Angehörigen." Die Profilbilder der Polizei bei Facebook und Twitter trugen als Ausdruck der Anteilnahme schwarze Trauerflor-Balken.

"Wir wissen alle, dass sich die Polizistinnen und Polizisten, die uns vor Straftätern schützen, selber in Gefahr begeben. Trotzdem macht uns der Tod unseres Kollegen fassungslos", teilte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Michael Maatz mit. "Mit 28 Jahren stand er erst am Anfang seines Lebens, das jetzt so abrupt beendet worden ist." Gezielte Schüsse auf Polizisten, um sich der Strafverfolgung zu entziehen, seien als Mord zu bewerten und müssten entsprechend bewertet werden.

Polizei stellt bei Hausdurchsuchung in Gelsenkirchen Drogen und Waffen sicher

Nach der Durchsuchung der Wohnung teilte die Polizei am Mittwochabend mit, dort Marihuana im Wert von 1.000 Euro sowie geringe Mengen weiterer Drogen gefunden zu haben; dazu eine größere Menge Bargeld, einen scharfen Revolver, mehrere Luftgewehre, Messer und selbstgebaute Pyrotechnik. Erst am Donnerstag sollte der Tatverdächtige einem Haftrichter vorgeführt werden.

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loc/news.de/dpa

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