28.11.2019, 15.53 Uhr

Juwelen-Raub im Grünen Gewölbe in Dresden: Polizei setzt Halbe Million für Hinweise auf die Täter aus

Nach dem Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe dürfen wieder Besucher ins Dresdner Residenzschloss. Nur in der barocken Schatzkammer geht die Spurensuche weiter - die Kunstexperten dokumentieren dort Verlust und Schäden.

Das Grüne Gewölbe in Dresden wurde zur Zielscheibe von Einbrechern. Bild: dpa

Zwei Tage nach dem Aufsehen erregenden Einbruch ins Historische Grüne Gewölbe in Dresden öffnen die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) das Residenzschloss wieder für Besucher. Ab Mittwoch sind alle Museen wieder normal geöffnet - mit Ausnahme des barocken Schatzkammermuseums. "Das bleibt vorerst geschlossen", sagte Generaldirektorin Marion Ackermann. Die Spurensicherung dort wird nach Angaben der Polizei fortgesetzt. SKD-Experten machen unterdessen eine Bestandsaufnahme der Verluste und Schäden, die die Juwelendiebe am Montagmorgen verursachten. Im Schloss befinden sich auch das Münzkabinett, die Rüstkammer und das Kupferstichkabinett.

Unbekannte waren in das berühmte Museum eingedrungen und hatten zahlreiche Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten gestohlen. Sie stiegen über eines der vergitterten Fenster in den Pretiosensaal ein und liefen dann gezielt ins Juwelenzimmer, den prächtigsten Raum des vom sächsischen Kurfürsten und polnischen König August der Starke (1670-1733) eingerichteten Schatzkammermuseums. Auf einem von der Polizei veröffentlichten Überwachungsvideo sind zwei Einbrecher mit Taschenlampen zu sehen, wie sie den dunklen Raum betreten und einer von ihnen mit einer Axt auf die Vitrine einschlägt.

Raub im Grünen Gewölbe Dresden - alle Entwicklungen im News-Ticker

+++ 28.11.2019: Juwelendiebstahl: Polizei setzt Belohnung von 500 000 Euro aus +++

Im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden hat die Polizei eine Belohnung von einer halben Million Euro ausgesetzt. Sie steht für Hinweise zur Verfügung, die zur Aufklärung der Tat, zur Ermittlung oder der Ergreifung der Täter sowie zum Auffinden der Beute führen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilten.

"Wir werden nichts unversucht lassen, diesen Fall zu lösen", erklärten Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar und der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Rövekamp. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Die Sonderkommission "Epaulette" wurde auf nunmehr 40 Beamte aufgestockt, die Abteilung Organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft Dresden leitet ab sofort die Ermittlungen.

+++ 28.11.2019: Kriminaltechniker im Grünen Gewölbe fast fertig +++

Vier Tage nach dem Diebstahl historischer Juwelen aus dem Dresdner Residenzschloss steht die Tatortarbeit im historischen Teil des Grünen Gewölbes vor dem Abschluss. "Es ist geplant, die Räume im Laufe des Freitagvormittags freizugeben", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Zuvor berichtete das Onlineportal tag24. In dem Fall fehlt nach wie vor eine heiße Spur. Die Sonderkommission "Epaulette" geht nach Angaben des Polizeisprechers inzwischen 342 Hinweisen aus der Bevölkerung nach, darunter in 49 Fällen von Bildern und Videos. "Der entscheidende Hinweis liegt nicht auf dem Tisch", sagte der Sprecher.

+++ 27.11.2019: Experte: Kein Glas hält dauerhaften Angriffen stand +++

Der Einbruch ins Dresdner Grüne Gewölbe mit der Zerstörung einer Vitrine wirft Fragen nach der Widerstandsfähigkeit von Sicherheitsglas auf. Die Branche teilt es in vier Kategorien mit weiteren Unterteilungen ein. Grundsätzlich gibt es die Kategorien Durchwurfhemmung, Durchbruchhemmung, Durchschusshemmung und Sprengwirkungshemmung. "Diese Widerstandsklassen und Bezeichnungen geben an, welchem Angriffsgewicht, welchem Angriffswerkzeug oder welcher Angriffswaffe die Scheibe für eine definierte Zeit standhalten muss. Das ist wichtig zu wissen, da keine Scheibe dem dauerhaften Angriff standhalten kann", erklärte Uwe Reier, Geschäftsführer der Vitrinen- und Glasbau Reier GmbH im sächsischen Lauta.

Laut Reier besteht das üblicherweise für Museumsvitrinen verwendete Glas aus zwei Scheiben Floatglas und zwei dazwischen laminierten PVB- Folien. Dieses Verbundsicherheitsglas sei in die Widerstandsklasse Durchwurfhemmung P3A einzuordnen und werde wie folgt definiert: "Eine 1100 Millimeter mal 900 Millimeter große Scheibe muss dem dreimaligen Aufprall einer 4,11 Kilogramm schweren Stahlkugel mit 10 Zentimeter Durchmesser aus 6 Meter Höhe standhalten."

Einem mehrfachen Angriff mit einer Axt - wie im Grünen Gewölbe von Dresden geschehen - könne dieses Glas nicht standhalten, sagte Reier.

+++ 27.11.2019: Einbruch in Schatzkammer: Polizei geht von vier Tätern aus +++

Nach dem Einbruch in die Schatzkammer Grünes Gewölbe in Dresden geht die Polizei inzwischen von vier Tätern aus. Die Polizeidirektion Dresden bestätigte am Mittwoch entsprechende Medienberichte. Demnach sollen neben den zwei Tätern, die im Inneren des Residenzschlosses auf einem Überwachungsvideo zu sehen sind, noch zwei weitere Verdächtige außerhalb des Gebäudes gewesen sein. Unterdessen hätten 205 Hinweise zu dem Fall die Polizei erreicht. Fortlaufend würden neue hinzukommen, hieß es. Die Polizei wollte am Mittwochnachmittag noch einmal über den Stand der Ermittlungen informieren.

+++ 27.11.2019: Reagierte die Alarmanlage zeitversetzt? +++

Wie die "Bild" erfahren haben will, solldie Alarmanlage zeitversetzt reagiert haben. "Erst als die Täter die Vitrinen ausräumten, habe es klare Alarmsignale gegeben. Die Polizei ermittelt nun, warum der Alarm so spät reagierte.", schreibt das Blatt. Die Wachmänner im Grünen Gewölbe haben wegen des brutalen Vorgehens der Täter beim Einbruch in die Schatzkammer nicht eingegriffen. Ein solcher Eingriff sei immer eine Ermessensfrage, teilte die Leitung der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) zuletzt mit.

+++ 26.11.2019: Juwelen-Coup im Grünen Gewölbe: Was wir wissen - und was nicht +++

Nach dem Einbruch in Dresdens berühmte Schatzkammer geht die Spurensuche weiter. In einem öffentlichen Ort wie einem Museum mit viel Publikumsverkehr gestaltet sie sich ohnehin schwieriger.

Was wir wissen

Tathergang

Mindestens zwei Täter näherten sich am Montag kurz vor 5 Uhr dem Dresdner Residenzschloss vom Theaterplatz. Sie überwanden einen Zaun, zerstörten an einer Stelle ein Fenstergitter und hebelten dann das Fenster mit Sicherheitsglas zum Pretiosensaal aus.

Über den Wappensaal gingen sie zielgerichtet in das sogenannte Juwelenzimmer, wo unter anderem zehn Juwelengarnituren ausgestellt sind. Auf einem Video ist zu sehen, wie einer der beiden Täter mit einer Axt auf eine Vitrine einschlägt. Dann bricht das Video ab.

Laut Polizei flüchteten die Täter so, wie sie gekommen waren - durch das Fenster. Die Kriminalisten gehen davon aus, dass es weitere Komplizen gab. Wie viele, ist bislang unklar. Sie flüchteten mit einem Audi A6.

Die Beute

Ein genauer Überblick steht noch aus. Am Montagabend wurden Fotos von zehn gestohlenen Objekten veröffentlicht. Dabei handelt es sich um prominente Kunstwerke der Diamantrosen- und Brillantgarnitur sowie den Brillantschmuck der Königinnen, den Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens, die Große Brustschleife sowie eine Kette aus sächsischen Perlen, eine Epaulette (Schulterstück) und ein mit über 770 Diamanten besetzter Degen.

Es ist aber weniger verschwunden als zunächst befürchtet: «Wir haben festgestellt, dass mehr Stücke da sind, als wir gedacht haben», sagte Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) nach einer ersten Besichtigung der Vitrine.

Die Täter

Die Täter gingen nach Einschätzung der Polizei äußerst professionell vor. Zwei von ihnen sind auf dem Video zu sehen. Die Polizei vermutet aber weitere Komplizen. Zwei Brände vor und nach dem Einbruch werden mit der eigentlichen Tat in Verbindung gebracht.

Kurz bevor die Juwelen-Diebe in das Grüne Gewölbe einbrachen, brannte unweit des Schlosses ein Elektroverteiler. Als Folge davon fiel die Straßenbeleuchtung aus. Nach Angaben der Polizei herrschte zum Zeitpunkt des Einbruchs am Schloss völlige Dunkelheit, was den Dieben von großem Nutzen war. Nach dem Einbruch wurde das Fluchtfahrzeug in einer Tiefgarage angezündet. Damit wollten die Täter offenbar Spuren vernichten.

Die Sicherheitsvorkehrungen

Jede Einzelheit des Sicherheitskonzeptes wird nicht veröffentlicht - auch Gründen der Sicherheit. Die SKD-Generaldirektorin Ackermann, ging am Montag davon aus, dass man bei der Sicherungstechnik am Museum auf der Höhe der Zeit war.

Am Dienstag bezifferte sie die jährlichen Ausgaben für die Sicherheit auf acht Millionen Euro - Tendenz steigend. Es gebe in den SKD mehrere Sicherheitszentralen, die rund um die Uhr von jeweils zwei Wachleuten besetzt seien. Die Wachleute sind bewaffnet. Details dazu werden nicht genannt. Die beiden Dienst habenden Wachleute griffen wegen der Brutalität der Täter nicht selbst ein, sondern verständigten wie vorgesehen die Polizei.

Was wir nicht Wissen

Unklar ist bisher, mit welchen Werkzeugen die Täter das Fenstergitter durchtrennten und wie sie das Fenster aushebelten. Über den Verbleib der Beute und der Täter ist bisher nichts bekannt.

Nach Angaben von Experten lassen sich Schmuckstücke mit einem solch hohen Bekanntheitsgrad nicht auf dem Kunstmarkt veräußern. Das gilt auch für einzelne Steine. Denn die Juwelen aus dem 18. Jahrhundert sind in einer Weise geschliffen, wie das heute nicht mehr üblich ist.

Demzufolge müssten sie im Falle einer Demontage der Garnituren umgeschliffen werden. Manche glauben, dass es für den gezielten Diebstahl einzelner Stücke einen Auftraggeber gab. Sollte das der Fall sein, muss befürchtet werden, dass die gestohlenen Objekte in einem Tresor verschwinden.

+++ 26.11.2019: Wachleute griffen wegen Brutalität der Einbrecher nicht ein +++

Die Wachmänner im Grünen Gewölbe haben wegen des brutalen Vorgehens der Täter beim Einbruch in die Schatzkammer nicht eingegriffen. Ein solcher Eingriff sei immer eine Ermessensfrage, teilte die Leitung der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) am Dienstag mit. Im konkreten Fall hätten sich die beiden Wachleute entschieden, die Polizei zu informieren und auf deren Eintreffen gewartet. Anders als zunächst bekanntgegeben, sind die Wachleute bewaffnet. Details wurden aber nicht genannt.

"Die Täter sind mit hoher krimineller Energie und Vorsatz an den sächsischen Staatsschatz herangetreten", sagte der Technische Leiter der SKD, Michael John. Der Angriff sei in außergewöhnlicher Weise vor- und nachbereitet worden. Aus diesem Grund gehe man auch von Insiderwissen aus. Es wäre schrecklich wenn es einen Mittäter innerhalb der SKD gebe, sagte Generaldirektorin Marion Ackermann.

+++ 26.11.2019: Dresdner Kunstsammlungen fühlten sich bis zum Einbruch sicher +++

Die Dresdner Kunstsammlungen (SKD) haben sich bis zum Einbruch in ihre Schatzkammer Grünes Gewölbe sicher gefühlt. SKD-Chefin Marion Ackermann und weitere leitende Angestellte verteidigten am Dienstag das bisherige Sicherheitskonzept. Es gebe in den Sammlungen mehrere Sicherheitszentralen, die mit jeweils zwei Personen rund um die Uhr besetzt sind, hieß es. Pro Jahr würden für Sicherheit acht Millionen Euro ausgegeben. Die Anzahl der Ausbildungstage im Sicherheitsgewerbe seien erhöht worden. Die Ausgaben für Sicherheit stiegen von Jahr zu Jahr. 

+++ 26.11.2019: Grünes Gewölbe verteidigt Vorgehen des Wachpersonals +++

Der kaufmännische Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Burghardt, hat das Vorgehen des Sicherheitspersonals beim Einbruch in das Residenzschloss verteidigt. Einer der beiden Wachleute habe sich dafür entschieden, die 110 zu wählen und nicht den Alarmknopf zu drücken. Dieser signalisiere nur, dass etwas nicht in Ordnung sei. Dank des direkten Drahts zur Polizei habe das Gespräch gleich aufgezeichnet werden können. Innerhalb "kürzester Zeit» hat es laut Burghardt drei Alarmierungen gegeben, zudem habe der Täter mit "brachialer Gewalt" auf die Vitrine eingeschlagen. Angesichts dieser Situation habe sich der Wachmann dafür entschieden, nicht zum Tatort zu gehen, sondern die Polizei am Diensteingang in Empfang zu nehmen. 

+++ 26.11.2019: Museumsdirektor Syndram: Einbrecher wollten Spuren verwischen +++

Die Einbrecher im Grünen Gewölbe haben bei ihrem Diebstahl offenkundig Spuren mit Feuerlöschpulver verwischen wollen. Das sagte Museumsdirektor Dirk Syndram am Dienstag in Dresden. Davon seien etwa Perlen betroffen. Es müsse nun geschaut werden, «wie sie das überstanden haben". Zur geplünderten Vitrine im Grünen Gewölbe meinte Syndram: "Leer ist sie nicht." Sie zeige "ein Kampffeld". "Wir müssen schauen, wie wir sie auch wieder zum Glanz bringen können." Nach dem Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe am Montag fahndet die Polizei weiter nach den flüchtigen Tätern. 

+++ 26.11.2019: AfD nennt Juwelen-Diebstahl Blamage für Sachsen +++

Die AfD hat den Juwelen-Diebstahl im Grünen Gewölbe als Blamage für Sachsen bezeichnet. "Es gibt Fragen über Fragen zu dieser Blamage des Freistaates Sachsen vor den Augen der Weltöffentlichkeit", erklärte Parteichef Jörg Urban am Dienstag in Dresden. Die AfD werde diese Fragen der Regierung stellen, denn die Bürger hätten ein Recht auf ausführliche Auskünfte. Viele Sachsen seien entsetzt darüber, wie einfach die Erbeutung der wichtigsten und wertvollsten Schätze Sachsens war: "Hier liegt definitiv ein Sicherheitsversagen vor, das parlamentarisch aufgeklärt werden muss."

+++ 26.11.2019: Parzinger: Brauchen Taskforce gegen neue Gefährdungslage in Museen +++

Der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden markiert aus Sicht des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, eine neue Bedrohung für die Sicherheit von Museen. "Ich sehe hier eine erhöhte Gefährdungslage für Museen", sagte Parzinger am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Deswegen sollten sich "Ermittlungsbehörden wie Bundeskriminalamt, Landeskriminalämter und Sicherheitsfachleute der Museen zusammensetzen und beraten, wie darauf reagiert werden kann". Parzinger fordert konkrete Schritte: "Wir sollten eine kleine Taskforce einsetzen, die sich genau darüber Gedanken macht aufgrund dieser ganz spezifischen neuen Gefährdungslage."

Parzinger, dessen von Bund und Ländern getragene Stiftung mit mehr als 20 Museen, Sammlungen, Bibliotheken, Instituten und Archiven zu den weltweit größten Kultureinrichtungen zählt, sieht Museen vor einer neuen Herausforderung. "Hier sind offenbar irgendwelche Gruppierungen oder Organisationen wirklich hinter dem Material her." Es gehe nicht darum, einen Munch zu stehlen, einen Picasso oder ein anderes berühmtes Kunstwerk, das leicht zu identifizieren sei. "Es geht jetzt offenbar um den Materialwert. Auf barbarische Weise wird geplündert wie etwa die sächsische Schatzkammer. Die Gefahr ist sehr groß, dass die einzelnen Preziosen dann zerlegt werden, die Diamanten und andere Edelsteine herausgelöst und möglicherweise geschliffen werden, damit man nicht erkennt, dass es alte Stücke sind, und sie weiterverkauft."

Die Täter seien bereit, "Kunst von höchst symbolischem Wert wie in Dresden zu zerstören aufgrund des Materialwerts" sagte Parzinger. "Das ist schon eine neue Dimension, auch die kriminelle Energie, die dahinter steckt."

Der Stiftungschef sieht Parallelen zum spektakulären Diebstahl einer Goldmünze in Berlin. Im März 2017 war die 100 Kilogramm schwere "Big Maple Leaf" mit Goldwert von damals knapp 3,75 Millionen Euro gestohlen worden. Wie nun in Dresden müsse es "auch mit der Goldmünze gewesen sein, die künstlerisch nicht so wertvoll war. Aber es waren 100 Kilo Gold, die offenbar zerstückelt und eingeschmolzen wurden."

+++ 26.11.2019: Polizei: Diebstahl aus Grünem Gewölbe zielgerichtet und geplant +++

Der Juwelendiebstahl aus dem historischen Grünen Gewölbe in Dresden war nach Überzeugung der Ermittler "eine zielgerichtete und vorbereitete Tat". Dafür sprächen die Umstände insgesamt, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Die Kriminalisten gehen davon aus, dass der in einer Tiefgarage in Autobahnnähe in Brand gesetzte Wagen ein Fluchtfahrzeug war und auch der Brand eines Stromverteilerkastens in Schlossnähe mit dem Einbruch in Verbindung steht. Nach dem Zeugenaufruf am Montag gingen bisher 91 Hinweise aus der Bevölkerung ein, die geprüft werden. Vermutlich zwei Täter waren am Morgen über ein Fenster in das Residenzschloss eingestiegen, hatten eine Vitrine zertrümmert und eine noch unbekannte Menge historischer Schmuckstücke mit Brillanten und Diamanten gestohlen.

+++ 26.11.2019: Spötter lästern über schlechtes Video von Kunstdieben +++

Sachsen erntet neben Mitleid auch Hohn und Spott zum Einbruch in seine Schatzkammer Grünes Gewölbe. Nutzer von Sozialen Medien mokierten sich unter anderem über die schlechte Qualität des Überwachungsvideos. Die Polizei konterte darauf mit dem Vorschlag: "Dann leisten Sie doch einen konstruktiven Beitrag und unterstützen das Museum, z.B. über den Förderverein, anstatt sich online über schlechte Überwachungskameras zu echauffieren."

"Panzerglas brauche einen neuen PR-Berater", hieß es an anderer Stelle. Auch die Historie der Juwelen war ein Thema. Ein Nutzer geißelte sie als "Ausdruck absolutistischer Macht und somit ein Zeichen von Unterdrückung". Zudem wurden Fotos der legendären Olsenbande gepostet. Die Dänen genossen dank Filmen über spektakuläre Coups vor allem in Ostdeutschland Kultstatus. Ein Foto der "Ocean's Eleven" um George Clooney - verantwortlich für einen filmischen Super-Einbruch in ein Kasino in Las Vegas - machte ebenso die Runde.

+++ 26.11.2019: Dresdner Museumsdirektor: Verluste nach Einbruch immer noch unklar +++

Nach dem Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden ist für die Museumsleitung nach wie vor unklar, was und wie viel gestohlen wurde. Auch aufgrund der Polizeifotos von der geplünderten Vitrine sei nicht gesichert, welche Stücke fehlen, sagte der Direktor des Schatzkammermuseums, Dirk Syndram, am Dienstag. "Ich weiß, dass einige Objekte nicht an ihrem Platz sind. Aber ich kann nicht sagen, wie es auf dem Boden der Vitrine aussieht." Klarheit könne nur eine Bestandsaufnahme bringen.

Die Handyfotos der Polizei bergen viele Unklarheiten, wie Syndram erklärte. Klar sei aber, dass viel mehr als die zehn Teile der Brillant- und Diamantgarnituren fehlen. Er vermute, "die Große Brillantschleife ist nicht mehr in Dresden". Syndram geht davon aus, dass Profis am Werk waren, aber: "Es sieht eher so aus, dass sie reingegangen sind und so schnell gegriffen haben, was sie konnten. Da ging es wohl eher um das Glitzern als um den Sammler mit speziellem Interesse."

+++ 26.11.2019: Deutsche Burgenvereinigung fordert mehr Sicherheit für Kunstschätze +++

Nach dem Juwelendiebstahl aus der Dresdner Schatzkammer Grünes Gewölbe hat die Deutsche Burgenvereinigung vor einer unzureichenden Sicherung von Kunstschätzen gewarnt. In vielen Museen seien wichtige historische Artefakte nur ungenügend gesichert, teilte die Vereinigung mit Sitz auf der Marksburg in Braubach in Rheinland-Pfalz am Dienstag mit.

"Bestimmt ist in Dresden im Bewusstsein der Bedeutung der Exponate alles für deren Sicherheit getan worden. Trotzdem haben aber Verbrecher einen Weg gefunden, sämtliche Sicherheitsvorkehrungen auszuschalten beziehungsweise zu umgehen", hieß es. Man rufe deshalb alle Verantwortlichen dazu auf, die Sicherheit wichtiger kulturhistorischer Zeugnisse zu gewährleisten.

+++ 26.11.2019: Spurensuche im Grünen Gewölbe geht weiter - Täter noch flüchtig +++

Einen Tag nach dem Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe des Dresdner Residenzschlosses geht die intensive Spurensuche der Polizei am Tatort weiter. Ein Sprecher sagte am Dienstag, bisher gebe es noch keine heiße Spur in dem Fall, nach den Tätern werde weiter gefahndet. Die Polizei wollte am frühen Nachmittag über den aktuellen Ermittlungsstand informieren.

Noch steht das Ausmaß des Verlustes, mit dem das berühmte barocke Schatzkammermuseum international in die Schlagzeilen geraten ist, nicht endgültig fest. Selbst Museumsdirektor Dirk Syndram kannte bis Dienstagvormittag den Umfang der gestohlenen Juwelen nicht. Immerhin sei die Vitrine nicht vollständig leergeräumt worden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe ein Foto gesehen, das zeigt, dass nicht alles fehlt."

Eine umfassende Bestandsaufnahme ist erst nach Ende der Spurensicherung möglich. "Sobald der Tatort freigegeben ist, werden wir die Sachen schnellstmöglich bergen und wissen, wie viel von den knapp 100 Objekten, die insgesamt in der Vitrine waren, nicht mehr da sind", sagte Syndram.

Neben der Spurensuche am Tatort muss geklärt werden, wie ein solcher Coup gelingen konnte - trotz der Sicherheitsmaßnahmen. Der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, wies darauf hin, dass Museen in Deutschland im Zwiespalt zwischen Sicherung der Objekte und Zugang für die Öffentlichkeit steckten.

+++ 26.11.2019: Wie konnten die Juwelendiebe zuschlagen? +++

Nach dem spektakulären Juwelenraub im Grünen Gewölbe in Dresden steht die Frage im Raum, wie die Diebe trotz Sicherheitsmaßnahmen im Museum ihre Tat ausführen konnten. Wie in der "Bild" zu lesen ist, alarmierte das Wachpersonal um kurz vor 5 Uhr morgens die Polizei via Notruf und nicht über den im Museum installierten Alarmknopf. Das Kunstmuseum in Dresden sei mit einem für Besucher nicht sichtbaren Alarmsystem geschützt - denkbar ist, dass die Einbrecher über Insiderwissen verfügten, um ihren Beutezug zu planen. Derzeit wird noch ermittelt, wie es den Dieben gelingen konnte, die Vitrine zu zertrümmern und an die kostbaren Juwelen zu gelangen. Ebenfalls unklar sei, ob die Alarmanlage im Grünen Gewölbe ausgelöst wurde.

+++ 26.11.2019: Museumsbund: "Wir sind kein Banksafe" +++

Museen in Deutschland stecken im Zwiespalt zwischen Sicherung der Objekte und Zugang für die Öffentlichkeit. "Museen sind öffentliche Institutionen, wir wollen öffentliche Häuser sein, die natürlich Besucherinnen und Besucher ansprechen möchten", sagte der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wir sind eben kein Banksafe. Und das bringt ein gewisses Risiko mit sich."

Zudem gibt es laut Köhnen "eine spezielle Art von Kriminalität mittlerweile, die einem wirklich Sorgen macht." Es sei üblich, das Sicherungspersonal nicht selbst eingreift. "Die Täter gehen manchmal auch mit großer Brutalität vor." Das Gewaltpotenzial sei da sehr hoch "und die Wachleute sind ja keine ausgebildeten Einzelkämpfer".

Es sei eine neue Art der Kriminalität. "Da sind ja keine Trickdiebe unterwegs, sondern da wird mit roher Gewalt vorgegangen. Das ist eine Qualität, der man begegnen muss."

+++ 25.11.2019: Museumsdirektorin: Die Täter konnten nicht alles mitnehmen +++

Beim Einbruch in Dresdens berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe haben einige Sicherheitsvorkehrungen gegriffen. "Aus der einen Vitrine mit drei Garnituren sind noch relativ viele Werke verblieben", sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, am Montagabend im ZDF. "Die Täter konnten nicht alles mitnehmen, weil alle Objekte auch einzeln befestigt waren, sie waren mit Stichen vernäht mit dem Untergrund."

Ackermann sprach von einem "sehr komplexen" Sicherheitssystem im Residenzschloss. "Es sind mehrere Alarme ausgelöst worden, beim Einbruch selbst, durch die Bewegungsmelder im Raum, beim Aufbrechen der Vitrine und die Polizei ist beim ersten Alarm informiert worden", sagte die Museumschefin. Das Sicherheitskonzept werde nun erneut gecheckt. "Es muss sicher geprüft werden, wie die Sicherheit noch gesteigert werden kann."

+++ 25.11.2019: Dresdner Polizei: Einbruch in Grünes Gewölbe war gut geplant +++

Nach dem Einbruch in Dresdens berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe geht die Polizei von einer «gut geplanten» Tat aus. Die beiden Täter seien über ein Fenster eingestiegen, hätten die Vitrine zerstört und den Raum auf gleichem Wege wieder verlassen, sagte der Leiter der Polizeidirektion Dresden, Jörg Kubiessa, am Montagabend im ZDF. Das habe alles insgesamt wenige Minuten gedauert. Er gehe von "gut geplanten Handlungen" aus, "vielleicht auch im Bereich einer Bande".

+++ 25.11.2019: Einbruch im Grünen Gewölbe: Polizei veröffentlicht Überwachungsvideo +++

Nach dem Diebstahl historischer Schmuckstücke aus dem Dresdner Grünen Gewölbe hat die Polizei am Montagabend einen Ausschnitt aus einem Überwachungsvideo veröffentlicht. Darauf ist zu sehen, wie zwei Einbrecher mit Taschenlampen in das Juwelenzimmer im Residenzschloss kommen. Einer von ihnen, mit Kapuze auf dem Kopf, schlägt mit einer Axt auf die Scheiben der Vitrine ein und versucht, sie aufzubrechen.

Mehrere noch unbekannte Täter waren am Montagmorgen gegen 05.00 Uhr in das streng gesicherte Museum eingedrungen und hatten Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten des 18. Jahrhunderts gestohlen. Nach Angaben der Ermittler stiegen sie über eines der mit Gitter versehenen Fenster im Erdgeschoss in das Museumsdomizil in der Altstadt ein, gingen gezielt ins Juwelenzimmer und stahlen eine noch unbekannte Anzahl von Kostbarkeiten. Die Polizei sucht Zeugen zu dem Einbruch und den gestohlenen Gegenständen und hält auch Mittäter für möglich.

+++ 25.11.2019: New Yorker Met-Museum "erschüttert" über Dresdner Kunstdiebstahl +++

Nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden hat sich der Direktor des New Yorker Metropolitan Museums, das derzeit einige Werke aus der berühmten Schatzkammer ausgeliehen hat, betroffen von dem Vorfall gezeigt. "Wir sind erschüttert, von diesem Diebstahl zu hören", sagte Max Hollein am Montag in New York laut einer Mitteilung an die Deutsche Presse-Agentur. "Das Met, und sicher die gesamte Museumswelt, hofft darauf, dass diese überaus wichtigen Werke sofort und sicher zurückkommen." Unbekannte haben in der Nacht zum Montag Kunstschätze von kaum messbarem Wert aus dem Grünen Gewölbe gestohlen.

Im Metropolitan Museum eröffnete unterdessen am Montag die Ausstellung "Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe", die auch zahlreiche Leihgaben aus dem Grünen Gewölbe zeigt. Spektakulärstes Stück ist der "Grüne Diamant", ein Hut-Schmuckstück mit einem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung. Die Schau soll bis zum 1. März 2020 in dem Museum am Central Park in Manhattan zu sehen sein.

+++ 25.11.2019: Grütters: Einbruch in Dresden möglicherweise Auftragswerk +++

Der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden ist nach Einschätzung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters "ein hochkriminelles und offensichtlich generalstabsmäßig durchgeführtes Verbrechen und möglicherweise ein Auftragswerk". Nach "Bild"-Informationen geht die Polizei davon aus, dass die zwei Täter nicht allein gehandelt haben sollen, sondern Hilfe von Mittätern gehabt haben sollen.

Sie hoffe auf einen schnellen Fahndungserfolg, sagte die CDU-Politikerin Grütters den Sendern RTL/n-tv. "Ein solcher Raub trifft die Kulturnation Deutschland ins Herz. Das sind ja Stücke von hoher nationaler identitätsstiftender Wirkung."

Für Einzelstücke mit dieser Geschichte gebe es keinen Marktwert, "weil es keinen Markt gibt". Es handele sich um "kleinteilige Stücke und die kann man auch verschwinden lassen", sagte Grütters. "Wir hoffen, dass sie Deutschland nicht verlassen." Einige kriminelle Fälle dieser Art seien aufgeklärt worden.

+++ 25.11.2019: Dresdner Museumsdirektorin: "Eine ganze Menge Objekte noch da" +++

Der Diebstahl in Dresdens berühmter Schatzkammer Grünes Gewölbe ist möglicherweise glimpflicher abgelaufen als zunächst befürchtet. "Wir wissen erst seit ein paar Minuten, nachdem der Tatort nochmal untersucht und die Spurensuche durchgeführt worden ist, dass zum Glück nicht alles von diesen drei Ensembles mitgenommen worden ist, dass doch eine ganze Menge Objekte noch da sind", sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, am Montag dem rbb-Sender radioeins. "Wir wussten sofort, dass aus einer Vitrine gestohlen worden ist, und darin befinden sich eben diese drei Diamant-Garnituren."

+++ 25.11.2019: Diebe zerschlugen Vitrine mit Axt - Dresdner Täter weiter flüchtig +++

Beim Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden haben die Täter die Vitrine im Juwelenzimmer mit einer Axt zerschlagen. Auf diesem Weg seien sie an die wertvollen, mit Edelsteinen besetzten Schmuckstücke gekommen, teilte die Polizei am Montagabend mit. Zuvor zerschlugen die Diebe demnach ein Fenstergitter sowie eine Glasscheibe und drangen so in das Gebäude ein. Die Tat habe insgesamt nur wenige Minuten gedauert.

Den Angaben zufolge flüchteten die Täter mit einem Audi A6 vom Tatort. Wenig später wurde ein baugleiches Fahrzeug in einer Tiefgarage im Dresdner Stadtgebiet in Brand gesetzt. Die Ermittler untersuchen derzeit das Fahrzeug und sichern Spuren.

Unterdessen sind die Diebe weiter auf der Flucht, die Fahndung dauert an, wie es hieß. Eine mittlerweile 20-köpfige Sonderkommission namens "Epaulette" - benannt nach einem der gestohlenen Schmuckstücke - sucht nach den Kunstdieben.

+++ 25.11.2019: Alexander von Sachsen hofft auf Rückkehr der Dresdner Schätze +++

Alexander Prinz von Sachsen hat sich nach dem Kunstdiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe bestürzt gezeigt. "Wir waren immer davon ausgegangen, dass das gesamte Grüne Gewölbe zu den sichersten Räumen auf der Welt gehören würde", sagte der Präsident der Freunde des Grünen Gewölbes am Montagnachmittag. Er hoffe, dass es der Polizei gelinge, "diese einzigartigen Schätze unserer sächsischen Geschichte und Identität aufzufinden und sicher in die Sammlungen zurückzubringen". Alexander Prinz von Sachsen ist der Chef des früheren sächsischen Herrscherhauses Wettin.

+++ 25.11.2019: Kunstdiebstahl in Dresden: Was passiert nun mit der Beute? +++

Nach dem spektakulären Kunstdiebstahl in Dresden werden Fragen zum Ausmaß des Schadens und zur Versicherung der Schätze laut. Am Montagmorgen waren nach Polizeiangaben zwei Verdächtige in das Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes der Schatzkammer eingedrungen und hatten eine Vitrine mit knapp 100 Objekten aufgebrochen. Dort lagen Schmuck, Edelsteine und Perlen.

Wie hoch ist der Schaden?

Nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden handelt es sich weniger um einen materiellen Schaden als um eine kulturhistorische Katastrophe. In Geld lasse sich die Dimension des Desasters nicht messen, sagt Generaldirektorin Marion Ackermann. Sie lehnt es ab, von Werten in "Milliardenhöhe" zu sprechen. Vielmehr sind durch den Raub in dem vom Kurfürsten August dem Starken (1670-1733) angelegten Staatsschatz Lücken gerissen worden. Die Bestände seien nicht mehr in dem Maße vollständig wie sie historisch überliefert wurden.

Sind die gestohlenen Schätze versichert?

Kulturgüter aus öffentlichen Museen sind im Prinzip nicht versichert, Schäden über die sogenannte Staatshaftung gedeckt. Für öffentliche Museen ist die Staatshaftung attraktiv, da sie keine Versicherungsbeiträge entrichten müssen.

Gibt es Ausnahmen?

Ja, sagt Bernd Ziegenrücker, Makler für Kunstversicherungen in Berlin. Leihgaben seien meistens versichert. Auch der Grüne Diamant aus der Dresdner Sammlung, der zur Zeit im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt wird, ist für die Präsentation in Übersee versichert. Sobald er an seinen angestammten Ort zurückkehrt, entfällt der Schutz, der Staat haftet dann wieder.

Könnten die Diebe die gestohlenen Juwelen verkaufen?

Laut Experten ist zum Beispiel der Verkauf gestohlener Diamanten auf dem freien Markt extrem schwer. Wie Margaux Donckier, Sprecherin des Diamantenhandelszentrums von Antwerpen, dem wichtigsten einschlägigen Handelsplatz der Welt, sagt, sind die Händler eng vernetzt und haben über Datenbanken Zugriff auf Angaben zu gestohlenen Steinen weltweit. Hehler dürften sich auf dem Antwerpener Markt auch nicht sicher fühlen: Die Händler hätten einen direkten Draht zur belgischen Polizei, das Diamantenviertel werde mit 2.000 Kameras beobachtet.

Im Fall der in Berlin gestohlenen Riesenmünze wurde das Goldstück laut der Ermittler zerstückelt und einzeln verkauft. Droht dieses Schicksal auch der Dresdner Beute?

Anders als bei der Zwei-Zentner-Goldmünze "Big Maple Leaf" aus dem Bodemuseum, die sich leicht als Gold verwerten lässt, behalten die Dresdner Juwelen nur als ganze Stücke ihren einzigartigen Wert. Zwar lässt sich etwa eine Brosche oder ein Diamant zerlegen. Händlern würde aber etwa durch die alte Schleiftechnik ein Diamant zweifelhaften Ursprungs sofort auffallen.

Welche Rolle spielt die Öffentlichkeit?

Eine sehr große, sagt Margaux Donckier vom Diamantenhandelszentrum in Antwerpen, wo jedes Jahr Steine im Wert von 48 Milliarden US-Dollar (44 Mrd. Euro) gehandelt werden. Als etwa 2016 dem US-Promi Kim Kardashian in Paris Schmuck im Wert von geschätzten neun Millionen Euro gestohlen wurde, habe sich das rasend schnell herumgesprochen. Dadurch sei die Ware unverkäuflich geworden.

Was könnten die Täter mit der Beute vorhaben?

Nach Angaben der Ergo-Versicherung, die auch Kunstwerke versichert, werden Schmuckstücke meist nicht wegen ihres historischen Wertes gestohlen, sondern aufgrund der hohen Wertkonzentration - kleiner Schmuck kann sehr hohen Wert haben. Wenn Objekte zerlegt werden, können sie in den Wirtschaftskreislauf geraten. Dadurch würden die Spuren der Täter verwischt.

+++ 25.11.2019:Grütters: Diebstahl trifft Identität als Kulturnation +++

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat den Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden als erschütternd und schockierend bezeichnet. Der Diebstahl "von Stücken, die unsere Identität als Kulturnation ausmachen, trifft uns ins Herz", sagte Grütters am Montag in Berlin. Sie danke den Verantwortlichen für die Einrichtung einer Sonderkommission und hoffe auf einen schnellen Fahndungserfolg.

"Angesichts generalstabsmäßig organisierter, hochkrimineller Täter ist der noch stärkere Schutz unserer Museen und Kultureinrichtungen eine Aufgabe von höchster Priorität", sagte Grütters. "Wir haben in letzter Zeit an verschiedenen Stellen die Sicherheitsvorkehrungen an unseren Häusern gezielt weiter verschärft." Der Schutz der Kulturschätze müsse jede Anstrengung wert sein.

+++ 25.11.2019: Museumsdirektorin: 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht +++

Nach dem Einbruch in Dresdens berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe wird auch das Sicherheitskonzept nochmal überprüft werden. "Ein solches Vorkommnis wird natürlich dazu führen, dass man sich die Frage stellen muss, was man noch verschärfen muss, was man anders machen muss", sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, am Montag.

Sie seien auf dem Stand gewesen, dass das, was man tun könne, gemacht worden sei. "100-prozentige Sicherheit gibt es nicht", sagte Ackermann bei einer Pressekonferenz. Sonst würden nicht weltweit so viele Einbrüche in Museen vorkommen. Auch Polizeipräsident Jörg Kubiessa sagte, natürlich werde das Sicherheitskonzept nochmal geprüft. Aber dazu müsse man erstmal wissen, was passiert sei.

Laut der Ermittler könnten außer den zwei Verdächtigen weitere Täter eine Rolle spielt haben. Kurz nach der Tat gab es einen Fahrzeugbrand in Dresden. Es wird noch geprüft, ob es ein Fluchtwagen sein könnte. Im Laufe des Nachmittags wollte die Polizei Fotos der Verdächtigen und der gestohlenen Gegenstände veröffentlichen.

+++ 25.11.2019: Nach Schatzkammer-Einbruch: Polizei mit Berliner Kollegen in Kontakt +++

Die Dresdner Polizei hat nach dem Einbruch ins historische Grüne Gewölbe nach eigenen Angaben auch Kontakt zu Ermittlern in Berlin aufgenommen. Sie stünden in Kontakt mit Berlin, um zu sehen, "was gibt es für Zusammenhänge, was gibt es für ähnliche Tatmuster", sagte der Leiter der Kriminalpolizei, Volker Lange, am Montag bei einer Pressekonferenz. In Berlin hatten Unbekannte im Frühjahr 2017 im Bodemuseum eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen. Geprüft werde auch der Brand eines Stromkastens und ein Fahrzeugbrand. Das Fahrzeug sei abgemeldet gewesen, sagte Lange.

+++ 25.11.2019: Dresdner Residenzschloss kann eventuell Mittwoch wieder öffnen +++

Nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe kann das Residenzschloss eventuell am Mittwoch wieder geöffnet werden. Dies habe die Polizei in Aussicht gestellt. "Es ist noch unklar, ob wir das wirklich machen können", sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, am Montag in Dresden. Nach dem Einbruch blieb das Residenzschloss am Montag für Besucher geschlossen. Ein Schild am Eingang in deutscher und englischer Sprache wies darauf hin, dass das Museum aus "organisatorischen Gründen" geschlossen bleibe. Laut Ackermann hatte das Sicherheitspersonal die Verdächtigen auf der Videoüberwachung gesehen und die Polizei alarmiert. Das Personal sei nicht bewaffnet.

+++ 25.11.2019: Museumsdirektorin: Wert des Diebesguts nicht zu beziffern +++

Nach Meinung der Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, lässt sich der Wert des Diebesguts aus dem Grünen Gewölbe nicht beziffern. Das mit dem Wert sei so eine Sache, sagte sie am Montag bei einer Pressekonferenz. Sie könnten das nicht "in einem Wert" auflösen. Betroffen sei eine Vitrine mit drei Juwelengarnituren, sagte Ackermann. Die besondere Bedeutung liege weniger im Materialwert als in der Vollständigkeit des Ensembles. Sie hofften, dass das Diebesgut aufgrund der "internationalen Bekanntheit" dem Kunstmarkt entzogen sei.

+++ 25.11.2019: Polizei: Vitrine gezielt zertrümmert - zwei Tatverdächtige +++

Die Polizei geht nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden von zwei Tatverdächtigen aus. Auf der Kamera im Juwelenzimmer seien zwei Einbrecher zu sehen gewesen, sagte der Leiter der Kriminalpolizei, Volker Lange. Es sei nicht ausgeschlossen, dass weitere Tatverdächtige beteiligt gewesen sein. Die Täter seien durch ein Fenster eingedrungen, hätten ein Gitter durchtrennt und das Fenster eingeschlagen. Sie seien zielsicher auf eine Vitrine zugegangen und hätten diese zertrümmert.

Der Einbruch sei am frühen Montagmorgen gemeldet worden. Um 04.59 Uhr hätten sie vom Sicherheitsdienst die Information bekommen, dass es zu einer Einbruchshandlung komme, sagte der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa bei einer Pressekonferenz. Kurz darauf sei der erste Streifenwagen beauftragt worden. Einen Fahndungserfolg gebe es noch nicht.

+++ 25.11.2019: Polizeidirektion: Täter über Fenster eingestiegen +++

Beim Einbruch in die berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe in Dresdens sind die Täter über ein Fenster eingestiegen. Das sagten Ermittler der Dresdner Polizeidirektion am Montag. Zwei Tatverdächtige seien auf Aufnahmen zu sehen. Weitere Täter könnten außerhalb beteiligt gewesen sein.

+++ 25.11.2019: Polizei: Einbruch in Grünes Gewölbe gegen 05.00 Uhr gemeldet +++

Der Einbruch in das historische Grüne Gewölbe in Dresden ist am frühen Montagmorgen gemeldet worden. Um 04.59 Uhr hätten sie vom Sicherheitsdienst die Information bekommen, dass es zu einer Einbruchshandlung komme, sagte der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa am Montagmittag bei einer Pressekonferenz. Kurz darauf sei der erste Streifenwagen beauftragt worden. Einen Fahndungserfolg gebe es noch nicht.

+++ 25.11.2019: Innenminister Wöller: bitterer Tag für Sachsen +++

Nach dem Einbruch in die berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe in Dresdens hat Innenminister Roland Wöller (CDU) von einem bitteren Tag für das kulturelle Erbe in Sachsen gesprochen. In den frühen Morgenstunden hatten sich mehrere Täter Zugang zum Museum verschafft. Es seien Kunstschätze von "unermesslichem Wert" gestohlen worden, so Wöller. Der immaterielle Wert sei unschätzbar. "Es ist ein Anschlag auf die kulturelle Identität aller Sachsen und des Freistaates." Laut Wöller ermittelt eine Sonderkommission.

"Es sind wertvolle Kunstgegenstände verschwunden", sagte Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD). "Wir wissen momentan noch nicht genau, in welchem Umfang." Die Spurensicherung arbeite noch. Es sei "ein großer kulturpolitischer Schaden, wenn es nicht gelingt, diese Kunstgegenstände zurückzubekommen", sagte Stange. Das sei jetzt Auftrag von Politik und Polizei.

+++ 25.11.2019: Sachsens Ministerpräsident: Einbruch zügig aufklären +++

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat nach eigenen Angaben mit einem Einbruch in das Dresdner Grüne Gewölbe "beim besten Willen nicht gerechnet". Auch für ihn seien die Sicherheitsmaßnahmen der Staatlichen Kunstsammlung am Residenzschloss ausgezeichnet und umfassend gewesen. "Wir sehen, dass das nicht der Fall ist", sagte Kretschmer am Montagmittag am Residenzschloss.

Zuvor war in Dresdens berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe eingebrochen worden. Details etwa zum Diebesgut und zur Schadenshöhe waren zunächst unklar. Für den Mittag (13.00 Uhr) war eine Pressekonferenz der Polizei und des Museums geplant.

Kretschmer verwies erneut auf die Bedeutung der Kunstsammlung im Grünen Gewölbe: "Das ist Sachsen. Das ist unsere Identität." Man könne dieses Land nicht verstehen oder erklären ohne diese Sammlung, die über Jahrhunderte entstanden sei und am Ende durch die Menschen dieses Landes erwirtschaftet worden sei, sagte er.

Hier seien nicht nur die Sächsischen Staatlichen Kunstsammlungen bestohlen worden, "sondern die Sachsen insgesamt", sagte Kretschmer. "Wir wollen uns jetzt hier ein Bild machen über den Schaden und über die Ermittlungsarbeit. Und schauen, dass wir zügig auch in die Aufklärung dieses Verbrechens kommen", sagte Kretschmer.

+++ 25.11.2019: Residenzschloss aus "organisatorischen Gründen" geschlossen +++

Nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe haben Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) und Museumsdirektor Dirk Syndram von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) den Tatort von außen besichtigt. Für Besucher blieb das Residenzschloss am Montag geschlossen. Ein Schild am Eingang in deutscher und englischer Sprache wies darauf hin, dass das Museum aus "organisatorischen Gründen" geschlossen bleibe.

+++ 25.11.2019:Polizei zu Schatzkammer-Einbruch: Noch keine Aussage zu Schaden +++

Nach dem Einbruch in Dresdens berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe ist die Schadenshöhe laut Polizei noch unklar. "Aktuell ist unsere Tatortgruppe des #LKA im Einsatz und untersucht den Tatort", teilte die Polizei Sachsen am Montagmorgen bei Twitter mit. "Aussagen zum Stehlschaden sind noch nicht möglich."

Zuvor war in Dresdens berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der Sammlung mit Juwelengarnituren und anderen wertvollen Kunstobjekten. "Im Laufe des Tages folgen weitere Informationen", erklärte die Polizei im Kurznachrichtendienst Twitter.

+++ 25.11.2019: Kretschmer bestürzt über Einbruch in Grünes Gewölbe +++

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zeigt sich bestürzt über den Einbruch in das Dresdner Grüne Gewölbe. "Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!", sagte Kretschmer am Montag. In Dresdens Schatzkammer war am frühen Montagmorgen eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Sammlung, die Höhe des Schadens ist derzeit noch unklar.

"Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet wurden", betonte Kretschmer. "Man kann die Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens."

+++ 25.11.2019:Das Historische Grüne Gewölbe in Dresden +++

Das Historische Grüne Gewölbe im Dresdner Residenzschloss ist das barocke Schatzkammermuseum der sächsischen Kurfürsten und Könige. In zehn prachtvoll ausgestatteten Räumen beherbergt es rund 3.000 Schmuckstücke und andere Meisterwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen, Elfenbein und anderen wertvollen Materialien.

Seit der Wiedereröffnung im September 2006 gehört es zu den Besuchermagneten Dresdens. Ihren Namen verdanken die Räume malachitgrünen Abfärbungen einzelner Bauteile.

Das 1723 bis 1729 eingerichtete Prunkstück der Kunstsammlung des legendären Kurfürst-Königs August der Starke (1670-1733) gilt als eine der reichsten Schatzkammern und eines der ältesten Museen Europas.

Drei der acht Räume aus dem 18. Jahrhundert waren den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg 1945 zum Opfer gefallen. Die Roten Armee beschlagnahmte die ausgelagerten Kostbarkeiten und brachte sie nach Moskau. Erst 13 Jahre später kehrte die Sammlung zurück. Wegen Platzmangels konnte aber lange nur ein Teil gezeigt werden.

In die Wiederherstellung der Räume in ihrer barocken Fassung - vom Bernsteinzimmer über den Pretiosensaal bis zum Juwelenzimmer - investierte Sachsen 45 Millionen Euro.

In einem modernen Teil der Schatzkammer, dem Neuen Grünen Gewölbe, sind zudem mehr als 1000 Objekte zu sehen. Dank modernster Vitrinentechnik können die Prachtstücke der Sammlung im Detail studiert werden.

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rut/fka/news.de/dpa

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