Berlin: Was würde Christoph Schlingensief heute tun?

"Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine": Eine neue Ausstellung in Berlin zeigt, wie der Künstler die Gesellschaft herausforderte. Seine Witwe hofft, dass man danach Mut fasst.

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Die Berliner Skyline an der Spree. Aktuelle News aus und über Berlin hier auf news.de. Bild: Adobe Stock / Rico Oder

Der Künstler Christoph Schlingensief (1960-2010) würde sich nach Einschätzung seiner Witwe auch heute noch einmischen. Was er heute machen würde? Das könne niemand wissen, sagte Aino Laberenz vor Eröffnung einer neuen Ausstellung in Berlin. Was sie sich aber rausnehme zu sagen: "Er würde sich verhalten." Und wahrscheinlich würde er damit überraschen.

Der Regisseur war bis zu seinem frühen Tod einer der prägenden Künstler Deutschlands. Der Gropius Bau widmet ihm nun eine Ausstellung mit dem Titel "Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine".

Seine Kunstaktionen waren provokant. Im Wahlkampf 1998 wollte er mit seiner Partei "Chance 2000" den Wolfgangsee am Feriendomizil des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl zum Überlaufen bringen, um auf das Schicksal der Arbeitslosen in Deutschland aufmerksam zu machen.

Wie Schlingensief provozierte

In Wien stellte er mit seiner Container-Installation "Ausländer raus - Bitte liebt Österreich!" angebliche Asylbewerber vor, von denen das Publikum ähnlich wie bei der TV-Show "Big Brother" jemanden auswählen konnte, der "abgeschoben" werden sollte. Eine Protestaktion gegen die damalige rechtskonservative österreichische Regierung.

Die Berliner Ausstellung zeigt zum Beispiel sein Werk "Church of Fear" ("Kirche der Angst"), mit dem er auf die Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 reagierte. In seinen Arbeiten setzte er sich etwa auch mit Rechtsextremismus in Deutschland oder dem Tod von Prinzessin Diana auseinander.

"Ich will kein Publikum beruhigen, ich will es überfordern", wird Schlingensief in der Ausstellung zitiert. Er war im Alter von 49 Jahren nach einer Krebserkrankung gestorben. Posthum wurde ihm 2011 der Goldene Löwe der Kunstbiennale in Venedig zugesprochen.

"Er fehlt heute noch viel mehr"

"Er fehlt heute noch viel mehr als damals", sagte der Intendant der Berliner Festspiele, Matthias Pees. Für Kurator Raphael Gygax ist ein Kernmerkmal von Schlingensiefs Werk, dass er in vielen verschiedenen Medien gearbeitet hat - Theater, Film, bildende Kunst. "Ich glaube, ihm ging es darum: Wie können wir besser zusammenleben als Gesellschaft?"

"Es wird ja heute immer wieder gefragt: Was würde Christoph heute tun?", sagte Gygax. Er glaube, dass er weitergearbeitet hätte. Ausgezeichnet habe ihn, dass er mit einer extremen Klarheit vorgegangen sei. Dabei sei es ihm nicht um die Provokation gegangen, sondern darum, das Unausgesprochene und Verdeckte zu benennen und so überhaupt erst eine Diskussion zu ermöglichen.

Die Ausstellung solle die Vielschichtigkeit seines Werks zeigen, sagte auch die Kostümbildnerin Laberenz, die mit Schlingensief verheiratet war und seinen Nachlass verwaltet. Hoffentlich stifte die Ausstellung auch dazu an, dass man den Mut fasse und sich selbst verhalte.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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