Ebola im Kongo: Ebola-Überlebender im Kongo: Dachte, es wäre nur Typhusfieber
Schon mehr als 3.000 Menschen im Kongo sind an Ebola gestorben – doch mehr als 1.400 haben die gefährliche Krankheit überlebt. Einer von ihnen erzählt von seinem zweiten Leben.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Jérémie Mamba Malese erhielt die schockierende Nachricht ausgerechnet an seinem Geburtstag: Er wurde positiv auf Ebola getestet. "Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen", sagt der Ernährungswissenschaftler aus Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Hier ist das Zentrum des Mitte Mai bekanntgegebenen Ebola-Ausbruchs, der vermutlich schon seit Februar unerkannt um sich griff.
Am Anfang hatte er nur Kopfschmerzen
Malese dachte zunächst an nichts Schlimmes, als er sich krank fühlte. "Zuerst hatte ich Kopfschmerzen. Ich dachte, es wäre ein Typhusfieber, wie ich es öfter habe", erinnert er sich. Doch die herkömmlichen Medikamente wirkten nicht, das Fieber stieg. Malese machte, was viele in seiner Situation noch immer vermeiden: Er fuhr in ein Ebola-Behandlungszentrum und ließ sich testen.
Mental hatte er sich schon auf der Fahrt dorthin auf eine mögliche Ebola-Diagnose vorbereitet. Es sei deshalb kein allzu großer Schock gewesen, meint er. "Aber meine Mutter geriet in Panik, als ich im Behandlungszentrum aufgenommen wurde, und der Rest meiner Familie war wirklich geschockt."
Frühe Behandlung könnte lebensrettend gewesen sein
Dass er das Behandlungszentrum so früh aufgesucht hatte, ehe sich das Krankheitsbild voll entwickeln konnte, rettete Malese vielleicht das Leben. Vor zweieinhalb Wochen wurde er als geheilt entlassen, wie bereits mehr als 1.400 Menschen im Kongo. Für ihn war es wie ein zweiter Geburtstag. Seine Freunde bereiteten ihm die Feier, die er an seinem Geburtstag nicht hatte.
Doch nicht alle reagierten so positiv. "Manche Menschen haben immer noch Angst vor mir", räumt Malese ein. Dem schlanken, groß gewachsenen Mann ist nicht anzusehen, dass er eine lebensbedrohliche Krankheit überlebt hat: Er wirkt weder ausgezehrt noch zeigt er andere Zeichen für eine kurz zurückliegende Genesung. Ein Schutz vor Vorurteilen mancher Nachbarn ist das nicht. "Sie glauben, dass ich noch ansteckend bin – dass ich das Virus auf sie übertragen kann. Aber ich denke, das ist einfach Unwissenheit."
Stigma und anhaltendes Trauma bei vielen Überlebenden
Diese Erfahrung ist kein Einzelfall – eine 2024 veröffentlichte kanadische Studie mit knapp 600 Überlebenden des Ebola-Ausbruchs im westafrikanischen Sierra Leone in den Jahren 2014 bis 2016 schildert, dass die Hälfte der Überlebenden Stigmatisierung erfuhr. So kam es bei knapp 40 Prozent der Befragten zur Trennung, weil Partner oder Partnerin eine Ansteckung befürchteten. In anderen Fällen kam es zum Verlust des Arbeitsplatzes oder dem Gefühl, innerhalb von Familie oder Freundeskreis isoliert zu sein.
Noch sind die psychosozialen Folgen der Krankheit bei Ebola-Überlebenden kaum erforscht. Bekannt ist allerdings, dass etwa ein Viertel der Überlebenden früherer Ausbrüche am posttraumatischen Stresssyndrom leidet und etwa fünf Prozent Zeichen einer Depression aufweisen. Eine im Mai 2024 bei BMJ Global Health veröffentlichte Studie eines Wissenschaftlerteams aus Kanada, Sierra Leone und Schweden befasste sich erstmals mit den langfristigen Auswirkungen auf die Überlebenden des Ausbruchs in Westafrika.
Die Ergebnisse waren deutlich: Knapp die Hälfte der rund 600 untersuchten Überlebenden hatte sechs bis acht Jahre nach ihrer Ebola-Erkrankung psychische Probleme, ihr Anteil lag auch beim Konsum von Drogen und anderen Suchtsubstanzen deutlich über dem der Gesamtbevölkerung. Posttraumatische Belastungsstörungen waren umso häufiger, je länger die Behandlung der Ebola-Erkrankung angedauert hatte.
"Ich will allen sagen, dass diese Krankheit existiert"
Jérémie Mamba Malese blickt nach seiner Erkrankung nach vorn. Er arbeitet inzwischen selbst in einem Ebola-Behandlungszentrum als Ernährungsberater. Als Überlebender sieht er es auch als seine Aufgabe, über die Krankheit aufzuklären. "Früher glaubte die Bevölkerung nicht, dass die Krankheit existiert", sagt er. "Ich werde jedenfalls allen sagen, dass Ebola existiert. Dass es tödlich ist."
Bereits 3.007 Menschen im Kongo sind an Ebola gestorben, fast jeder zweite Patient. Malese weiß, sein Leben nach der Krankheit ist nicht selbstverständlich. "Ich bin froh, dass ich Ebola besiegt habe."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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