Urologe erklärt: Die Urin-Farbe zeigt, wie viel Sie wirklich trinken sollten

Immer wieder heißt es: Zwei Liter pro Tag sollten wir an Flüssigkeit aufnehmen. Ein Urologe widerspricht allerdings. Nicht die Anzahl der Gläser sei entscheidend, sondern die Farbe des Urins.

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Die "Zwei-Liter-Regel" gilt laut aktuellen Befunden als überholt. (Foto) Suche
Die "Zwei-Liter-Regel" gilt laut aktuellen Befunden als überholt. Bild: AdobeStock/Stock 4 You
  • Die 2-Liter-Trinkregel ist überholt, urteilt ein Urologe
  • Der Experte erklärt, dass viele Faktoren den Bedarf ändern
  • Eine Studie von Wissenschaftlern aus Japan stützt diese These

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Was jahrzehntelang als unumstößliche Weisheit galt, gerät nun immer mehr ins Wanken: Zwei Liter Wasser am Tag empfehlen die meisten Ärzte als Richtwert. Wissenschaftlich betrachtet stellt sich allerdings heraus, dass dieser Empfehlung keine klar nachvollziehbaren Untersuchungen zugrunde liegen. Der französische Urologe Olivier Vankemmel erklärt, welcher Regel Sie lieber folgen sollten.

"Ziel ist klares Pipi" erklärt Urologe

Vankemmel drückt seine Empfehlung gegenüber der französischen Zeitung "La République du Centre" bildhaft aus: "Ich sage immer, man sollte die Margeriten sehen können, auf die man pinkelt." Für den Spezialisten aus Lille ist nicht die Wassermenge entscheidend, sondern das Ergebnis. "Ziel ist klares Pipi", erklärt er.

Der Farbverlauf über den Tag liefert dabei wichtige Hinweise. Morgens erscheint der Urin naturgemäß dunkler, da die Nieren über Nacht den Harn konzentrieren und keine weitere Flüssigkeit aufgenommen wird. Ab dem späten Vormittag sollte sich das ändern: Ein hellgelber bis nahezu durchsichtiger Ton signalisiert optimale Versorgung. Bleibt die Farbe dauerhaft dunkler, kann das auf einen Mangel hindeuten.

Studie entlarvt die Zwei-Liter-Regel als Mythos

Die wissenschaftliche Grundlage für die allgemein bekannte Trinkempfehlung von zwei Litern ist umstritten. Eine Untersuchung des japanischen National Institute of Biomedical Innovation weist ebenfalls auf die Schwächen der pauschalen Empfehlung hin. Die Forscher analysierten Daten von mehr als 5.600 Menschen aus 23 Ländern und veröffentlichte die Ergebnisse im Fachjournal "Science".

Das Fazit fällt eindeutig aus: Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die aktuellen Empfehlungen. Der tatsächliche Flüssigkeitsbedarf schwankt enorm - von etwa einem Liter bis zu sechs Litern täglich. Die Studie offenbarte zudem geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer um die 30 Jahre weisen mit durchschnittlich 4,3 Litern den höchsten Wasserumsatz auf, Frauen benötigen etwa 3,4 Liter. Mit zunehmendem Alter sinkt der Bedarf - bei über 70-Jährigen auf rund 3,1 beziehungsweise 2,8 Liter.

Warum der Wasserbedarf bei jedem unterschiedlich hoch ist

Der individuelle Wasserbedarf hängt tatsächlich von einer ganzen Reihe persönlicher Faktoren ab. Körpergewicht spielt dabei eine zentrale Rolle: Eine 100 Kilogramm schwere, sportlich aktive Person benötigt schlicht mehr Flüssigkeit als ein 60 Kilogramm schwerer Büroangestellter. Vankemmel bringt es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: "Asterix und Obelix trinken nicht gleich viel."

Auch die Körperzusammensetzung macht einen Unterschied - Menschen mit höherem Muskelanteil haben beispielsweise einen größeren Flüssigkeitsbedarf als solche mit mehr Fettgewebe, da dieses weniger Wasser speichert. Hinzu kommen Faktoren wie klimatische Einflüsse, Aktivitätsniveau, Gesundheitszustand und Medikamente.

Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.

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