Sylt/Scharbeutz/Usedom: Bad in Nordsee und Ostsee: Das hilft bei tückischer Strömung
Von Laien sind spezielle Strömungen in Nord- und Ostsee oft nicht zu erkennen und werden unterschätzt. Worauf Badegäste achten sollten und welche Tipps Experten für mehr Sicherheit geben.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Gibt es Unterschiede zwischen Baden im Meer, im Fluss oder im See?
"Das Baden im Meer unterscheidet sich vor allem dadurch, dass sich die Bedingungen deutlich schneller verändern können als an vielen Seen und Flüssen", sagt Blöcker. Wind, Wellen und Strömungen könnten die Bedingungen binnen kurzer Zeit verändern: Sandbänke verlagerten sich, neue Tiefen entstünden, Strömungen bauten sich auf. "Ein Strandabschnitt, der morgens noch ruhig wirkt, kann wenige Stunden später deutlich anspruchsvoller sein."
Viele Risiken seien zudem kaum zu erkennen. Strömungen verliefen häufig unter der Wasseroberfläche, Wind könne Schwimmer oder Wassersportler unbemerkt abtreiben und Wellen erschwerten Orientierung und Kraftaufwand.
Worauf sollten Badende und Schwimmende besonders achten?
Wer im Meer badet, sollte vor allem Wind, Wellen und Strömungen im Blick behalten. Die DLRG empfiehlt, nur in ausgewiesenen und bewachten Bereichen ins Wasser zu gehen und auf die Beflaggung zu achten. Rot-gelb bedeutet: Rettungsschwimmer sind im Dienst. Bei zusätzlicher gelber Flagge sollten Kinder, Ältere und ungeübte Schwimmer nicht baden, bei roter Flagge niemand.
Wichtig sei außerdem, nicht überhitzt ins Wasser zu springen, sagt Blöcker. Kaltes Wasser und große Temperaturunterschiede könnten den Kreislauf belasten. Alkohol sei tabu, Kinder müssten am Wasser jederzeit beaufsichtigt werden. Auch zu weites Hinausschwimmen sei riskant: Viele unterschätzten auf dem Rückweg Entfernung, Wellengang und Strömungen.
Vorgelagerte Sandbänke etwa in Falkenstein oder Laboe verleiteten dazu, weit hinauszugehen, teilte der DRK-Landesverband Schleswig-Holstein mit. Dabei werde oft unterschätzt, dass das Wasser Richtung Fahrwasser schnell tiefer werde - besonders in Laboe. Zudem seien noch nicht alle Strände und Badestellen in der Kieler Förde mit Rettungskräften besetzt.
Badende sollten daher auch aufeinander achten, Eltern besonders auf ihre Kinder. "Hier beobachten wir immer wieder, wie Menschen das Surfen auf dem Handy der Beobachtung der eigenen Kinder vorziehen", so der DRK SH. Auch größere Schiffe könnten plötzlich Wellen auslösen, durch die Menschen im Wasser das Gleichgewicht verlieren.
Ist Baden in der Nordsee gefährlicher als in der Ostsee?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Beide Meere haben nach DLRG-Angaben eigene Risiken. An der Nordsee können Gezeiten, Priele, Wattflächen und auflaufendes Wasser für Ortsunkundige gefährlich werden. An der Ostsee fehlen ausgeprägte Gezeiten; dort spielen Wind, Wellen und örtliche Strömungen eine größere Rolle.
Auch in flachen, ruhig wirkenden Bereichen wie der Lübecker Bucht können je nach Wetterlage gefährliche Unterströmungen entstehen. Bei auflandigem Wind drückt die Brandung Wasser an den Strand, das anschließend zurück ins Meer strömt - oft gebündelt durch Rinnen zwischen Sandbänken. "So bildet sich ein schmaler, oft erstaunlich schneller Strom, der vom Ufer weg seewärts zieht", erklärt Blöcker.
Das Tückische daran: Solche Strömungen treten gerade an scheinbar harmlosen, flachen Stränden auf und sind an der Wasseroberfläche schwer zu erkennen. Eine weitere Gefahr an der Ostsee ist ablandiger Wind: Er kann Luftmatratzen, Schwimmtiere und ungeübte Schwimmer rasch aufs offene Wasser treiben.
Wo können solche Strömungen an der Ostsee auftreten?
Grundsätzlich entlang der gesamten Ostseeküste. In Schleswig-Holstein seien entsprechende Lagen vor allem aus der Lübecker Bucht bekannt, sagte Blöcker. Vergleichbare Situationen könnten aber auch an anderen Strandabschnitten entstehen, etwa in der Kieler und Eckernförder Bucht.
In Mecklenburg-Vorpommern gebe es das Problem nach Angaben der dortigen DLRG seltener, besonders bei wenig Wind. Gefährliche Strömungen könnten aber auch dort entstehen - vor allem an Buhnen, etwa in der Region Fischland-Darß-Zingst und auf Teilen Usedoms. Auch an Seebrücken sei Baden wegen möglicher Strömungen riskant und oft explizit verboten, sagt DLRG-MV-Sprecher Thorsten Erdmann.
Wie erkenne ich eine solche Strömung in der Nordsee vor Sylt?
Örtlich festlegen lassen sich die Trecker kaum: Schon ein Sturm könne den Meeresboden verändern, sagt der Sylter, der über 25 Jahre als Rettungsschwimmer gearbeitet hat. Am nördlichsten Rand von List – auf dem Ellenbogen – ist Baden vielerorts verboten, weil dort durch die Gezeiten besonders starke Strömungen entstehen können.
Weitere Gefahren vor Sylt seien Buhnenreste im Meer, an denen sich Menschen verletzen könnten, sagte Lunk. Hinzu komme Selbstüberschätzung: Viele "denken, sie sind im Freibad und haben den ganzen Tag nichts gegessen und getrunken und marschieren dann ins kalte Wasser hinein". Je kälter das Wasser, desto schneller schwinde die Kraft. Krämpfe und verschlucktes Salzwasser könnten dann gefährlich werden.
Was tun bei einer Rippströmung?
"Ruhe bewahren, mit der Strömung aufs Meer hinaus mitziehen lassen und dann wenn die Strömung nachlässt, parallel zu Küste wieder an Land schwimmen", sagt Lunk.
Auf keinen Fall sollten Betroffene versuchen, gegen die Strömung anzuschwimmen, betonte auch Blöcker. "Richtig ist, ruhig zu bleiben, wenn möglich, parallel zum Ufer aus der Strömung herausschwimmen und sich durch Winken und Rufen bemerkbar zu machen."
Weitere aktuelle Nachrichten aus dem Ressort "Reisen und Leben":
- Wetter in Niedersachsen, Bremen: Wetterdienst warnt vor teils extremer Hitze in Niedersachsen
- Hamburg/Bremen/Hannover: Unwetter: Züge zwischen Hamburg und Hannover ausgefallen
- Leipzig: Teils überrollt: 88-Jährige stirbt bei Busunfall in Leipzig
- Wetter in Nordrhein-Westfalen: Extreme Hitze in NRW: Bis zu 37 Grad am Freitag
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.