Prozess um Kindesentführung: "Zeit"-Podcast mit Block-Kindern - Aufnahmen sichergestellt
Im Podcast von "Zeit Verbrechen" über den Fall Block sind die Stimmen von zwei Töchtern zu hören. Das sorgt im Prozess gegen die Mutter für Aufsehen - und für einen ungewöhnlichen Schritt der Justiz.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Im Zusammenhang mit dem Block-Prozess hat das Landgericht Hamburg Tonaufzeichnungen bei einer Journalistin der "Zeit" sicherstellen lassen. Wie eine Gerichtssprecherin mitteilte, geht es um einen Podcast mit dem Titel "Zeit Verbrechen: House of Block". Darin seien Aufzeichnungen von Gesprächen zu hören, die die Journalistin zwei Wochen nach der Entführung der beiden Kinder von Christina Block aus Dänemark mit der Familie des Vaters führte.
Zu Wort kommen neben Blocks Ex-Mann Stephan Hensel und dessen neuer Ehefrau Astrid Have auch die damals 13 Jahre alte Tochter sowie die älteste gemeinsame Tochter von Block und Hensel, die mit Einverständnis der Mutter bei dem Vater lebt. Die Gespräche seien etwa zwei Wochen nach der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 in einem sogenannten Safe-Haus in Dänemark aufgezeichnet worden. Die Mutter hatte die Kinder vier Tage nach der Entführung auf gerichtliche Anordnung wieder herausgegeben.
Die Strafkammer habe zunächst einen Durchsuchungsbeschluss für die Geschäftsräume der "Zeit" erlassen, der aber die Möglichkeit der freiwilligen Herausgabe der Aufzeichnungen vorsah. Ein Mitarbeiter des Verlags habe erklärt, dass die Redakteurin die Tonaufnahme habe. Sie sei bereit, diese auf richterliche Anordnung herauszugeben. Daraufhin erließ das Gericht einen entsprechenden Beschluss für die Wohnung der Journalistin, erklärte die Gerichtssprecherin weiter.
Die Tonaufzeichnungen hätten nach Einschätzung des Gerichts potenzielle Beweisbedeutung im Prozess, in dem Christina Block und sechs weitere Beschuldigte auf der Anklagebank sitzen. Es könnte in den aufgezeichneten Gesprächen um Umstände gehen, die noch nicht in der Hauptverhandlung thematisiert wurden. Es gehe um die Aufklärung eines Verbrechens.
"Zeit" kündigt rechtliche Schritte an
Die "Zeit"-Verlagsgruppe verurteilte die angedrohte Durchsuchung und kündigte rechtliche Schritte an. Sie sprach von einem Angriff auf die Pressefreiheit. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt hätten die Geschäftsräume am Montagmorgen aufgesucht. "Zur Pressefreiheit gehört insbesondere der Quellenschutz, der für unabhängig berichtende Medien entscheidend ist. Wir werden uns deshalb mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen", erklärten die Chefredakteure Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner in einer Pressemitteilung.
Scharfe Kritik kam auch von Journalistenverbänden. "Das Vorgehen der Behörden exakt zum Auftakt der Hamburger Woche der Pressefreiheit wirft schwerwiegende Fragen zum Schutz journalistischer Arbeit auf", hieß es vom Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Mika Beuster. Journalistische Interviews dürften nicht ohne Weiteres zum Ermittlungsinstrument der Strafjustiz werden. Reporter ohne Grenzen sprach von einem schweren Angriff auf die Pressefreiheit: "Journalistisches Recherchematerial darf nicht zum Hilfsmittel der Strafverfolgung werden", betonte Geschäftsführer Christian Mihr.
Der Podcast hatte in der Verhandlung am 30. September für Unmut bei der Verteidigung gesorgt. Die Sendung zeige, dass der Ex-Ehemann Stephan Hensel die Kinder sehr frühzeitig mit der Presse in Kontakt gebracht habe, sagte Christina Blocks Verteidiger Ingo Bott am 78. Verfahrenstag im Landgericht. "Es ist das erste Mal, dass meine Mandantin nach zweieinhalb Jahren die Stimme ihrer Tochter hört."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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