Deutschland sucht den Superstar: Nach 20 Jahren Casting-TV – der Superstar-Mythos ist vorbei

DSDS startet 2026 in die 22. Staffel mit neuer Jury, neuem Konzept und Reality Spin off. Doch braucht Deutschland die Castingshow überhaupt noch oder sucht das Fernsehen nur verzweifelt nach alter Aufmerksamkeit? Ein Kommentar.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

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Deutschland sucht den Superstar: Comeback einer TV-Legende – oder das letzte Kapitel der Castingshow? Bild: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
  • DSDS startet 2026 mit neuer Jury und verändertem Castingkonzept
  • Kandidaten stehen stärker unter Druck durch Reality Format und Kameras
  • Nach über 20 Jahren stellt sich die Frage, ob das Format noch zeitgemäß ist

Es ist wieder so weit. Am Ostersamstag kehrt eine Show zurück, die eigentlich längst Geschichte sein müsste. "Deutschland sucht den Superstar" startet am 4. April 2026 in seine inzwischen 22. Staffel. Allein das wirft eine einfache Frage auf. Brauchen wir das wirklich noch?
RTL kündigt große Veränderungen an. Neue Jury. Neues Castingkonzept. Neue Realitybegleitung auf RTL+. Alles soll frischer wirken, moderner, näher an den Kandidaten. Doch hinter all dem kosmetischen Feinschliff steht ein Format, das seit Jahren denselben Mechanismen folgt. Und vielleicht auch denselben Problemen.

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Neue Jury, alte Fragen bei DSDS

Chefjuror bleibt Dieter Bohlen. Unterstützung bekommt er diesmal von Rapper Bushido und Ballermann-Sängerin Isi Glück. Die Kombination wirkt auf den ersten Blick überraschend. Auf den zweiten eher wie ein weiterer Versuch, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Denn die Frage ist nicht nur, wer in der Jury sitzt. Die eigentliche Frage lautet, welche musikalische Autorität dieses Gremium noch besitzt. Bushido sorgt seit Jahren häufiger mit Schlagzeilen rund um Privatleben für Aufmerksamkeit als mit neuer Musik. Isi Glück steht für Partyhits aus dem Mallorca Kosmos. Das mag Unterhaltung sein. Aber ist es wirklich der Ort, an dem musikalische Karrieren entstehen sollen?

Ein neues Konzept bei DSDS, das eigentlich nur mehr Druck bedeutet

Auch das Castingformat wurde verändert. Jede Folge zeigt "RTL" zufolge nun einen kompletten Castingtag. Vom ersten Auftritt bis zur Entscheidung der Jury. Wer überzeugt, landet im sogenannten Golden Room. Dort entscheidet sich, ob ein weiterer Auftritt nötig ist oder es direkt weitergeht. Die bekannten goldenen CDs verschwinden. Stattdessen gibt es Recall Tickets. Der Recall selbst findet diesmal im Europa Park statt. Achterbahnen, Themenwelten, Wettbewerb. Parallel startet eine neue Begleitserie auf RTL+. Unter dem Titel "Die DSDS Reality" wohnen die Kandidaten gemeinsam in einer WG, trainieren Performance, Tanz und Bühnenpräsenz. Alles soll näher dran sein. Dramatischer. Emotionaler. Oder anders gesagt: intensiver Druck, mehr Kameras, mehr Momente, in denen Menschen an ihre Grenzen gebracht werden.

Der Mythos vom Superstar bei DSDS

Das zentrale Versprechen der Sendung war immer dasselbe. Jemand wird entdeckt. Jemand wird zum Superstar. Doch schaut man zurück auf mehr als zwei Jahrzehnte DSDS, wirkt dieses Versprechen zunehmend hohl. Viele Gewinner verschwinden nach kurzer Zeit wieder aus der Öffentlichkeit. Einige kämpfen bis heute darum, ihre Musik unabhängig zu finanzieren.
Ein Beispiel ist Thomas Godoj, Gewinner der fünften Staffel. Seit Jahren finanziert er seine Alben über Crowdfunding. Das ist kein Makel. Viele Künstler arbeiten so. Nur zeigt es deutlich, dass der große Karriereturbo der Sendung längst kein Garant mehr ist.

Die dunkle Seite der Castinggeschichte

Manche Geschichten sind aber deutlich schwerer. Der tragische Fall von Daniel Küblböck gehört bis heute zu den düstersten Kapiteln der DSDS Geschichte. Der ehemalige Kandidat verschwand 2018 während einer Kreuzfahrt. Überwachungskameras deuteten darauf hin, dass er über Bord gegangen sein könnte. Zeugen gab es nicht. Im Februar 2021 wurde er "Gala" zufolge offiziell für tot erklärt. Natürlich kann man eine solche Tragödie nicht allein einer Castingshow zuschreiben. Doch sie erinnert daran, wie brutal die Öffentlichkeit sein kann, die solche Formate erzeugt. Menschen werden zu Figuren. Zu Schlagzeilen. Zu Kommentarfeldern.

Unterhaltung im Zeitalter der Kommentarspalten

Heute lebt DSDS vor allem von einer Dynamik, die längst über das Fernsehen hinausgeht. Kandidaten treten auf. Emotionen eskalieren. Tränen fließen. Und danach beginnt der zweite Teil der Show. Im Internet. Dort kommentieren Zuschauer vom Sofa aus jedes Detail. Jede schiefe Note. Jede Unsicherheit. Jeder Zusammenbruch wird zum Material für soziale Medien. Das Konzept ist einfach. Menschen stehen unter Druck. Andere bewerten sie.

Selbst Dieter Bohlen zweifelt am Mythos "Superstar"

Am Rande der Dreharbeiten zum DSDS Recall im Europa Park räumte selbst Dieter Bohlen gegenüber der "Bild" ein, dass die Show immer wieder dafür kritisiert werde, nie einen echten Superstar hervorgebracht zu haben. Und dann folgte ein bemerkenswert offener Moment. Bohlen gesteht, dass schon der Begriff "Superstar" vielleicht nicht mehr ganz in die Gegenwart passt. Ein Ausdruck aus einer anderen Zeit, als Castingshows noch glaubten, Karrieren am Fließband produzieren zu können.

Eine erstaunliche Erkenntnis nach mehr als zwei Jahrzehnten Sendegeschichte. Denn wenn selbst der Chefjuror zugibt, dass das zentrale Versprechen der Show aus der Zeit gefallen ist, stellt sich fast automatisch die nächste Frage.

Was genau sucht diese Sendung eigentlich noch?

Vielleicht ist der Moment von DSDS einfach vorbei

Deutschland hat mehr als zwanzig Jahre Castingfernsehen erlebt. In dieser Zeit hat sich die Medienwelt komplett verändert. Musik entsteht heute auf TikTok, YouTube oder Spotify. Karrieren beginnen oft ohne Jury und ohne Fernsehstudio. Vielleicht ist deshalb die eigentliche Frage nicht, wie DSDS sich neu erfindet. Die eigentliche Frage lautet, ob dieses Format überhaupt noch in unsere Zeit passt, oder ob der Moment längst vorbei ist? Denn manchmal ist eine Idee einfach auserzählt.

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