Friedrich Merz: Iran droht nach Kanzler-Auftritt mit "vernichtendem Schlag"

Irans Außenminister droht Bundeskanzler Merz nach dessen 100-Milliarden-Rechnung für den Iran-Krieg mit einem "vernichtenden Schlag" gegen Europa - und gräbt dabei ein Merz-Zitat aus, das erneut für Diskussionen sorgen könnte.

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Irans Außenminister Abbas Araghtschi (3.v.r) hat Deutschland und Europa gedroht. (Foto) Suche
Irans Außenminister Abbas Araghtschi (3.v.r) hat Deutschland und Europa gedroht. Bild: picture alliance/dpa/Iranian Presidency Office | Uncredited
  • Friedrich Merz nennt Kriegskosten - Iran droht mit "vernichtendem Schlag"
  • Merz fordert in Seoul diplomatische Lösung für Iran-Krieg
  • Araghtschi holt Merz' "Drecksarbeit"-Zitat hervor
  • Chamenei warnt vor Krieg ohne geografische Grenzen

Irans Außenminister Abbas Araghtschi hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der zuletzt eine öffentliche Abfuhr erlebte, und ganz Europa offen mit einem "vernichtenden Schlag" gedroht. Auf der Plattform X reagierte der Chefdiplomat Teherans auf Äußerungen, die Merz bei einem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul getätigt hatte.

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Friedrich Merz nennt Kriegskosten - Iran droht mit "vernichtendem Schlag"

Der Bundeskanzler hatte bei seinem Auftritt die wirtschaftlichen Folgen des seit Ende Februar andauernden Iran-Kriegs für Europa auf mehr als 100 Milliarden Euro beziffert. Araghtschi griff diese Summe direkt auf: "100 Milliarden Euro sind nichts im Vergleich zu dem vernichtenden Schlag, den die mächtigen Streitkräfte des Iran gegen diejenigen austeilen werden, die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen." Sogenannte rote Linien existierten nicht mehr, so der iranische Außenminister.

Merz fordert in Seoul diplomatische Lösung für Iran-Krieg

Merz hatte sämtliche Konfliktparteien dazu aufgerufen, den Weg der Diplomatie einzuschlagen. "Dieser Konflikt lässt sich nicht militärisch lösen", betonte er. Allein die gestiegenen Energiepreise hätten europäische Unternehmen und Verbraucher in den vergangenen acht Monaten mit über 100 Milliarden Euro belastet. Europa habe daher ein massives wirtschaftliches Interesse daran, den Krieg rasch zu beenden. Im Raum steht allerdings eine mögliche neue Eskalation: Zuletzt mehrten sich Spekulationen über weitere US-Militärschläge nach den US-Zwischenwahlen am 3. November.

Araghtschi holt Merz' "Drecksarbeit"-Zitat hervor

Der iranische Außenminister nutzte seinen Beitrag auf X auch dazu, eine umstrittene Aussage des Kanzlers vom vergangenen Jahr wieder aufzugreifen. Merz hatte im Juni 2025 am Rande des G7-Gipfels in Kanada die israelischen Angriffe auf den Iran kommentiert. Im ZDF bezeichnete er das militärische Vorgehen Israels damals als "die Drecksarbeit, die Israel macht - für uns alle".

Diese Worte hatten seinerzeit heftige Kritik ausgelöst. Der Kanzler ruderte anschließend zurück und räumte ein, man müsse seine Formulierung nicht wiederholen und könne das auch anders ausdrücken. Araghtschi verwies nun gezielt auf dieses Zitat, um Merz als Unterstützer der militärischen Offensive darzustellen.

Chamenei warnt vor Krieg ohne geografische Grenzen

Neben dem Außenminister meldete sich auch Irans Oberster Führer Modschtaba Chamenei mit scharfen Worten. Vor hochrangigen Militärkommandeuren forderte er laut einer Erklärung, auf jede Bedrohung müsse "eine sofortige, wirkungsvolle und geografisch uneingeschränkte Antwort" erfolgen. Sollte der Feind den Iran attackieren, werde Teheran bestimmen, wann und unter welchen Bedingungen der Krieg ende.

Armeesprecher Mohammed Akraminia legte auf X nach: Falls US-Präsident Donald Trump "erneut zu regionalen Abenteuern aufbrechen" sollte, würden "die Flammen des Krieges zweifellos ein weitaus größeres geografisches Gebiet erfassen".

Modschtaba Chamenei trat die Nachfolge seines Vaters Ali Chamenei an, der seit 1989 die Islamische Republik geführt hatte. Der langjährige Religionsführer kam am 28. Februar, dem ersten Kriegstag, ums Leben. Seitdem ist sein Sohn weder öffentlich aufgetreten noch existieren bisher Audio- oder Videoaufnahmen von ihm.

Diplomatische Kanäle laufen trotz Drohkulisse weiter

Trotz der martialischen Rhetorik gibt es parallel Bemühungen, eine weitere Eskalation abzuwenden. Am Freitag traf eine katarische Vermittlungsdelegation in Teheran ein, um Gespräche zwischen den Kriegsparteien voranzutreiben. Das Golfemirat hat sich seit Beginn des Konflikts als Mittler zwischen den Fronten positioniert.

Auch auf amerikanischer Seite gibt es offenbar diplomatische Bewegung. Laut "Wall Street Journal" hat US-Vizepräsident J.D. Vance einen Brief an den Vorsitzenden des iranischen Obersten Nationalen Sicherheitsrats gerichtet. Die iranische Seite bestätigte den Eingang des Schreibens, eine Antwort darauf steht allerdings noch aus.

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